Herrenclub schiebt noch immer ruhige Kugel

Ein Bild aus bärtigen Zeiten: Der Homberger Kegelklub „Kranz“. auf einer historischen Aufnahme.
Ein Bild aus bärtigen Zeiten: Der Homberger Kegelklub „Kranz“. auf einer historischen Aufnahme.
„Wir glauben, einer der ältesten, wenn nicht sogar der älteste noch aktive Kegelclub in Deutschland zu sein“, sagt Lothar Stroh vom Homberger Kegelklub „Kranz“. In diesem Monat feiert der Traditionsverein sein 125-jähriges Bestehen. Die Enkel der einstigen Gründer schieben auch heute noch eine ruhige Kugel, doch auf Tradition wird seit jeher großen Wert gelegt.

Duisburg.. „Wir glauben, einer der ältesten, wenn nicht sogar der älteste noch aktive Kegelclub in Deutschland zu sein“, sagt Lothar Stroh vom Homberger Kegelklub „Kranz“ . In diesem Monat feiert der Traditionsverein sein 125-jähriges Bestehen. Die Enkel der einstigen Gründer schieben auch heute noch eine ruhige Kugel, doch auf Tradition wird seit jeher großen Wert gelegt.

In einem massiven Eichenschrank bewahren sie ihr Archiv auf: Alte Protokolle in Sütterlinschrift finden sich dort, Schriftverkehr aus dem frühen 20. Jahrhundert, aber auch Speisekarten vergangener Veranstaltungen, die die Jahrzehnte überdauert haben. Wie einen Schatz hüten die acht heutigen Mitglieder ihren Clubschrank und dessen Inhalt, der Einblicke in die Geschichte der einstigen Stadt Homberg erlaubt. „Wer weiß heute denn noch“, sagt Stock mit Blick auf seine Unterlagen, „dass Anfang 1905 ein umfangreicher Streik in der Eisen- und Stahlindustrie und im Bergbau die Wirtschaft im hiesigen Raum erheblich in Bedrängnis brachte?“ Die „Pinnbrüder“, wie sich die Mitglieder nennen, wissen es – und noch viel mehr. „Leider haben wir die Gründungsurkunde nicht mehr, aber das meiste hat beide Weltkriege überdauert.“

„Geselligkeit wurde damals groß geschrieben"

Auch heitere Ausflüge in die Vergangenheit erlaubt das Archiv. „Geselligkeit wurde damals groß geschrieben. Ich habe richtig gestaunt, wie die Altvorderen feiern konnten.“ Beleg dafür sind vereinseigene Kegellieder oder die Tatsache, dass zur Zeit der Inflation die Strafen, etwa wenn man einen „Pudel“ wirft, nicht in Milliarden Reichsmark, sondern in Bier bezahlt wurden.

Das Archiv ist einerseits der Stolz des Clubs, andererseits aber auch der Grund, warum sie mit einer liebgewonnen Tradition brechen mussten: Trafen sich die Pinnbrüder bislang immer in Homberg – früher, zum Beispiel, in der Gaststätte Bongardts an der Moerser Straße oder in der „Erholung“, das heute das Kultur- und Freizeitzentrum ist –, kegeln sie nun in Rumeln, in der Gaststätte „Waldborn“. Stock: „Wir nehmen den Schrank von Kegelbahn zu Kegelbahn mit. Das ist unsere Bedingung.“ In Homberg ging dies zuletzt nicht mehr.

Der weiter Bestand ist fraglich

Wie lange der Verein allerdings noch bestehen wird, ist fraglich. Der Jungspund zählt schon stolze 62 Lenze, die anderen sind über 80 und der Älteste bereits über 90 Jahre alt. „Nachwuchs zu bekommen, ist sehr schwierig“, heutzutage interessiere sich die Jugend nicht mehr für den Sport. Auch sei es durch den hohen Altersdurchschnitt nicht einfach, Gleichgesinnte zu finden, schließlich müssten Neue auch in den Club passen. „Begeistert sind wir aber alle noch, auch wenn die Kegelleistungen nicht mehr so gut sind.“ Alle 14 Tage geht es auf die Kegelbahn und einmal jährlich wird der vereinseigene Wanderpokal ausgekegelt, der vor 100 Jahren gestiftet wurde. Auch Kegeltouren gehören noch immer dazu – aber nicht Halligalli am Ballermann, sondern Kulturfahrten. Mit einer Tradition soll aber auch in der Not nicht gebrochen werden. „Wir sind ein reiner Herrenclub und werden das auch bleiben.“ Und die Herren wissen, dass Tradition verpflichtet: „Selbst wenn Deutschland im EM-Finale spielt, kegeln wir an dem Abend sicher wie immer im Waldborn.“

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