Duisburg

Henryk M. Broder in Duisburg vor Gericht – Publizist mit scharfen Worten Richtung Staatsanwaltschaft

Henryk M. Border muss sich vor dem Amtsgericht Duisburg verantworten. Den Prozessauftakt nutze er, um gegen die Staatsanwaltschaft zu schießen.
Henryk M. Border muss sich vor dem Amtsgericht Duisburg verantworten. Den Prozessauftakt nutze er, um gegen die Staatsanwaltschaft zu schießen.
Foto: DER WESTEN/ Marcel Storch

Duisburg. „Es war die kürzeste Verhandlung meines Lebens“, sagte Henryk M. Broder (72) nach wenigen Minuten vor dem Duisburger Amtsgericht.

Der Publizist ist in Duisburg wegen Beleidigung angeklagt. Und er nutzte die Bühne für eine große Inszenierung. Vorab hatte er Fans auf seiner Seite „Die Achse des Guten“ zur Verhandlung geladen. Und die kamen und erwarteten ihn schon vor dem Gerichtssaal.

Als Broder auftaucht, brandet Applaus auf. „Broder for President“, stimmen einige an. „Ich liebe ihn, lese und höre ihn einfach super gerne und wollte ihn mal live erleben“, so ein Prozessbeobachter, der extra wegen des umstrittenen Publizisten nach Duisburg gekommen war.

Henryk M. Broder: Prozess nach Minuten vertagt

Der Vorwurf gegen Henryk M. Broder: Er soll gegenüber der rechtskonservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ in einem Artikel vom 30. September 2016 gesagt haben, die Duisburger Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor habe „einen an der Klatsche“.

Laut Staatsanwaltschaft habe der Angeklagte „seine Missachtung gegenüber der Geschädigten kundgetan und sie in ihrer Ehre verletzt“, heißt es. Zu den Vorwürfen wollte sich Broder vor Gericht nicht äußern. „Solange ich nicht beschuldigt werde, mit Drogen gehandelt zu haben, ist alles in Ordnung“, sagte er den versammelten Medienvertretern.

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Stattdessen nutzten er und sein Verteidiger Joachim Nikolaus Steinhöfel das Verfahren, um auf die „Justizposse“ aufmerksam zu machen. „Wollen sie sich entschuldigen, für das was Sie hier veranlassen?“, fragte Broders Verteidiger zu Beginn in Richtung der Staatsanwältin. Er forderte Beweise, dass der jüdische Publizist die ihm vorgeworfenen Aussagen getätigt habe, in welchem Kontext sie gefallen sein sollen und sprach von einem „traurigen Tiefpunkt der Justiz in Nordrhein-Westfalen“.

Weiter kritisierte Verteidiger Steinhöfel: „Sie machen sich um Handlanger der Selbstdarstellung einer Dame, die ihren Ruf vermarkten will.“ Schon nach wenigen Minuten vertagte die Vorsitzende Richterin den Prozess, weil der Redakteur nicht ausfindig gemacht werden konnte, der den Artikel mit der von Broder getätigten Beleidigung geschrieben haben soll.

„Und das konnte bisher nicht geleistet werden?“, fragte Broder und legte in Richtung Staatsanwältin nach: „Sie glauben alles, was in der Zeitung steht.“

Kaddor macht Border für Hassmails verantwortlich

Kaddor hatte Broder in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ für Hassmails und Bedrohungen verantwortlich gemacht. „Vermeintlich konservative Intellektuelle, die sich entweder dem rechten Rand anbiedern wollen oder selbst völkisches Gedankengut pflegen, tragen eine Mitschuld am Hass auf mich und viele andere!“, so die Islamwissenschaftlerin.

Broder wird von Kritikern Populismus und rechtes Gedankengut vorgeworfen. Seine Leserschaft feiert ihn für seine direkte und humorvolle Art. Das Amtsgericht Duisburg hatte im Februar 2018 gegen Broder Strafbefehl erlassen, er hatte Einspruch eingelegt. Deshalb war es zum Prozess gekommen. Wann der Prozess fortgesetzt werden soll, steht noch nicht fest. Broder kündigte aber schon einmal an: „Ich kann nicht garantieren, dass ich kommen werde, weil in Island, wo ich gerade lebe, fängt demnächst die Lachssaison an.“

 
 

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