Heiße Phase im Abwahlkampf gegen Duisburgs OB Sauerland beginnt

Ingo Blazejewski
Ab 14. Januar will das Bündnis zur Abwahl von OB Sauerland verstärkt für den Abwahlentscheid werben. Vier Wochen lang will die Initiative in der City informieren. Geplant sind Vorträge, Dokumentationen und Informationen zur Loveparade: Eine "Speakers Corner" wie in London soll Austausch ermöglichen.

Duisburg. Das Bündnis zur Abwahl von Oberbürgermeister Adolf Sauerland wird sich bei seinem Wahlkampf auf die vier Wochen vor dem Abwahlentscheid konzentrieren. „Wir müssen Präsenz zeigen“, sagt Werner Hüsken, Sprecher der Bürgerinitiative. „Die meisten werden sich in der langen Zeit, in der wir jetzt schon unter dieser Situation leiden, bereits ihr Urteil über den OB gebildet haben. Ich bin überzeugt, dass wir für die große Masse der Duisburger stehen, die meinen, dass er nicht weitermachen sollte“.

Eine Meinung zu haben, ist das eine, dafür auch zur Wahlurne zu gehen und seine Stimme abzugeben, das andere. Deshalb will das Bündnis für die Abwahl an zentraler Stelle in der Innenstadt werben, wo die Initiative über 17 Wochen lang Unterschriften gesammelt hatte. „Die Innenstadt hat für uns eine besondere Tradition. Hier haben wir während der Sammlung sehr viele Gespräche gehabt“, sagt Sprecher Theo Steegmann. Das Bündnis will direkt gegenüber von dem Lifesaver auf der Königstraße ab Samstag, 14. Januar, für vier Wochen ein Zelt aufbauen. Beheizt, vier mal acht Meter groß, soll es bis zu 40 Personen Platz bieten. Von montags bis samstags soll es jeden Morgen auf-, und jeden Abend abgebaut werden.

Dem Frust freien Lauf lassen

„Wir haben immer wieder festgestellt, dass es einen riesigen Gesprächsbedarf über das Thema gibt. Wir werden daher jeden Tag in dem Zelt informieren und Aktionen und Programm anbieten“, sagt Steegmann. Kommende Woche Donnerstag will das Bündnis die Details öffentlich vorstellen. Es gibt bereits zahlreiche Ideen, mit denen sich für die Abwahl trommeln lässt: Duisburger Bands und Musiker sollen dort spielen, eine „Speakers Corner“ wie im Londoner Hyde Park will das Bündnis dort einrichten, „wo die Leute die Möglichkeit haben, ihrem Frust freien Lauf zu lassen“, wie Steegmann sagt. Dazu soll es Vorträge, Dokumentationen und Informationen zur Loveparade geben. „Vor allem aber wollen wir darüber reden, was Schlimmes passiert ist, was gerade in dieser Stadt passiert und was ein Neuanfang für Duisburg bedeuten könnte“, so Steegmann.

Auch in den einzelnen Bezirken wird es Aktionen und Stände geben, für jeden der sieben Stadtteile hat das Bündnis selbstständig agierende Organisationsteams gebildet.

„Wir setzen zudem sehr stark auf die Briefwahl. In allen sieben Bezirksämtern gibt es die Möglichkeit, bereits in den vier Wochen vor dem Abwahlentscheid seine Stimme abzugeben“, sagt Steegmann. Die ersten Wahlbenachrichtigungen werden voraussichtlich bereits am Montag, 9. Januar, verschickt. Steegmann: „Wichtig ist auf dem Abstimmzettel: Ja für die Abwahl ankreuzen und nicht Nein, weil man gegen Sauerland ist“.

Mit sozialen Netzwerken die Jugend kontaktieren

Viele der 16 bis 18 Jahre alten Duisburger haben zum ersten Mal die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben. Und obwohl die Loveparade vor allem ein Event für Jugendliche und junge Leute war, musste die Initiative bereits bei der Unterschriftensammlung erkennen, wie schwer es dennoch ist, Jugendliche zur demokratischen Mitbestimmung zu motivieren: „Wir waren vor den großen Schulen erkennbar präsent, sind aber mit erschreckend wenig Schülern ins Gespräch gekommen“. Abhilfe sollen Soziale Netzwerke im Internet schaffen: „Wir werden massiv auf Facebook und Twitter posten und das Thema über alle nahestehenden Gruppen verbreiten“. Leicht wird aber selbst die vermeintlich einfache Verbreitung über das Internet nicht: Die Facebook-Gruppe „Neuanfang für Duisburg“ zählt gerade einmal 211 Mitglieder.

Auf ihrem letzten Treffen machte die Bürgerinitiative, die jetzt als Teil des breiten Abwahlbündnisses agiert, noch einmal deutlich, dass es allein um das moralische und menschliche Verhalten von OB Sauerland nach der Loveparade-Katastrophe geht. „Er hat als Repräsentant aller Duisburger Bürger versagt und jedes menschliche Maß vermissen lassen“, sagt Sprecher Hüsken. „Hier steht eine Person zur Abwahl, die für all das steht, was Politikverdrossenheit ausmacht. Mit einem Kreuz hat jeder wahlberechtigte Duisburger die Möglichkeit zu signalisieren: Der OB muss gehen.“