Haydn in der Kraftzentrale

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Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ gehört neben Händels „Messias“ und Bachs „Weihnachtsoratorium“ zu den beliebtesten Werken der geistlichen Chormusik. Bei der Aufführung im Landschaftspark wäre die Gebläsehalle, die auch gerne als „Kathedrale“ bezeichnet wird, als Aufführungsort naheliegend gewesen. Bei der Ruhrtriennale denkt man jedoch in größeren Dimensionen, und so fand das Konzert in der riesigen Kraftzentrale statt und wurde noch von einem Film begleitet.

Der belgische Dirigent René Jacobs ist natürlich ein Garant für eine hochkarätige Aufführung. Mit dem Genter B´Rock Orchester formt er einen historischen Originalklang und vermittelt, wie Haydns Musik zu ihrer Entstehungszeit geklungen hat. Meist geht Jacobs die Musik leicht und beschwingt an, die lautmalerischen Elemente, mit denen der Komponist die Tierwelt beschreibt, arbeitet er stark heraus.

Tolle Tontechnik

Hochkarätig ist auch die vokale Seite besetzt. Mit der Sopranistin Sophie Karthäuser, dem Tenor Maximilian Schmitt und dem Bassisten Johannes Weisser hört man leichte, klare und schöne Stimmen, die den singspielhaften Charakter des Werkes betonen. Zudem gestalten die drei Interpreten ihre Texte sehr verständlich.

Auch das Collegium Vocale Gent, das den Chor stellt, macht seine Sache hervorragend. Das Ensemble klingt sehr homogen und selbst die größeren Chorsätze sind sehr gut durchhörbar. Ein großes Lob verdient auch die Tontechnik in der Kraftzentrale. Obwohl man die Mikrofone auf der Bühne und die Lautsprecher an der Decke sieht, hat man den Eindruck, dass die Musik immer den kürzesten Weg vom Interpreten zum Ohr des Publikums findet.

Julian Rosefeldt steuert einen besonderen Film zur Musik bei, der auf einer riesigen Leinwand im Rücken der Musiker projiziert wird. Eine illustrative Umsetzung der Schöpfungsgeschichte vermeidet er, er zeigt vielmehr Filme von marokkanischen Wüstenlandschaften, in denen sich als verlassene Kulissen von Monumentalfilmen nachgebaute Tempel und Festungen befinden.

Stets werden diese Landschaften in Luftaufnahmen mit leichter Zeitlupe gezeigt. Meist laufen Menschen in Schutzanzügen durch diese Landschaften, in denen sie winzig wie Ameisen wirken. Die meditativ wirkenden Filme setzen Kontraste zum Text des Oratoriums: Wenn zum Beispiel von den Gewässern gesungen wird, zeigt Rosefeldt ein Felsmassiv. Den letzten Teil des Films hat Rosefeldt in NRW gedreht. Da gibt es Luftaufnahmen vom Tagebau in Garzweiler, vom Hochofen des Landschaftsparks, und zum Finale eine Choreographie im Amphitheater der Halde Haniel in Bottrop. Das Publikum ist begeistert und spendet stehende Ovationen.

 
 

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