Hatice Akyün findet Duisburgs OB Adolf Sauerland "nur noch peinlich"

Hatice Akyün
Die in Duisburg aufgewachsene Journalistin und Autorin Hatice Akyün ist Expertin für das „Leben in zwei Welten” und kommentiert nun den Versuch Sauerlands, türkischstämmige Migranten von sich zu überzeugen.
Die in Duisburg aufgewachsene Journalistin und Autorin Hatice Akyün ist Expertin für das „Leben in zwei Welten” und kommentiert nun den Versuch Sauerlands, türkischstämmige Migranten von sich zu überzeugen.
Foto: NRZ
In türkischen Tageszeitungen fordert Duisburgs OB Sauerland die türkischen Wähler auf, gegen seine Abwahl zu stimmen. Im NRZ-Gastkommentar bezeichnet die in Duisburg aufgewachsene Schriftstellerin Hatice Akyün das als "letzten Strohhalm" - und fragt, was Sauerland sich dabei eigentlich denkt.

Duisburg. Zu dem Vorgehen des OB, in türkischen Tageszeitungen die türkischen Wähler aufzufordern, gegen seine Abwahl zu stimmen, hat die NRZ Hatice Akyün um eine Stellungnahme aus ihrer Sicht gebeten. Die in Duisburg aufgewachsene Schriftstellerin behandelt in ihren Büchern und Erzählungen immer wieder die Themen Integration und Toleranz.

„Der Oberbürgermeister ruft also in türkischen Zeitungen Türken auf, sich gegen seine Abwahl zu stellen. Das ist einfach nur noch peinlich. Zumal man dem Oberbürgermeister mal erklären sollte, dass diese Menschen keine Türken sind, sondern per Grundgesetz deutsche Staatsbürger.

Katastrophe von DuisburgIch frage mich, was der Sinn dahinter sein könnte, außer vielleicht, dass er es als seinen letzten Strohhalm begreift. Klar, es gibt viele türkischstämmige Menschen in Duisburg, die das Zünglein an der Waage spielen könnten. Aber glaubt Adolf Sauerland tatsächlich, dass sie sich mit einem Zeitungsaufruf einkaufen lassen? Wenn er das wirklich denkt, würde es nur bedeuten, dass er diese Menschen für dumm hält. Meint Sauerland, er könnte die Türkischstämmigen zur Wahl kommandieren?

Auch die türkischstämmigen Einwohner wissen um die Schockstarre

Ja, viele sind ihm auch dankbar, dass er die Moschee in Duisburg mit unterstützt hat, und dass der Bau der Moschee nicht wie in Köln zur Spaltung der Duisburger geführt hat. Dass sich aber seit der Loveparade-Katastrophe die Stadt in einer Schockstarre befindet, dass in Duisburg mit den Vorgängen um das Landesarchiv zumindest Seltsames von Statten ging, und dass dies alles mit Adolf Sauerland verbunden ist, wissen auch die türkischstämmigen Einwohner Duisburgs.

Denn es liegt ihnen tatsächlich etwas daran, dass die Stadt, die ihre Heimat ist und die Zukunft ihrer Kinder und Enkel bedeutet, eine Stadtführung hat, die unbelastet agieren kann. Einen weiteren Stillstand unter Oberbürgermeister Sauerland lässt sich mit den Zukunftserwartungen aller Duisburger nicht in Einklang bringen. Eines hat diese Stadt immer einzigartig gemacht: Hier ist jeder Duisburger, egal, woher er kommt oder woran er glaubt. Duisburger ist man mit dem Herzen und nicht mit dem Pass.“