Hafen Duisburg: Kohle-Umschlagplatz wird Handelstor der Welt

Der Duisburger Hafen liegt nördlich der Innenstadt an der Mündung der Ruhr in den Rhein und hat Anschluss an das Kanal-, Autobahn- und Schienennetz. Der Binnenhafen profitiert zudem von seiner Nähe zu den Seehäfen in Rotterdam, Antwerpen und Hamburg.
Der Duisburger Hafen liegt nördlich der Innenstadt an der Mündung der Ruhr in den Rhein und hat Anschluss an das Kanal-, Autobahn- und Schienennetz. Der Binnenhafen profitiert zudem von seiner Nähe zu den Seehäfen in Rotterdam, Antwerpen und Hamburg.
Foto: www.blossey.eu
Der Duisburger Hafen feiert am 16. September seinen 300. Geburtstag. Der Konzern hat sich zum Jobmotor für das Ruhrgebiet entwickelt und ist international tätig.

Duisburg. Wer Strukturwandel im Ruhrgebiet hautnah erleben will, den chauffiert Erich Staake mit Begeisterung durch den Logistikpark Logport 1 in Rheinhausen. „Hier sind 5000 Arbeitsplätze entstanden. Stünde hier noch das Stahlwerk von Krupp, wären es maximal die Hälfte“, sagt der Chef des Duisburger Hafens. An die Montan-Vergangenheit erinnert hier nur noch ein Mahnmal – dort, wo einst das legendäre Tor 1 des Krupp-Werks stand. Logport 1 steht symbolhaft für den Wandel des gesamten Duisburger Hafens, der in diesen Tagen seinen 300. Geburtstag feiert.

Es war am 16. September 1716, als der Ruhrorter Magistrat beschließt, an der Mündung von Rhein und Ruhr einen unbefestigten Ankerplatz zu bauen, um von dort aus märkische Kohle aus den umliegenden Zechen umzuschlagen. Dass daraus 300 Jahre später der größte Binnenhafen der Welt entstehen würde, von dem rund 46 000 Arbeitsplätze abhängig sind, ahnten die Kommunalpolitiker damals wahrscheinlich nicht. Rund 300 Unternehmen, darunter zwei Dutzend Marktführer ihrer jeweiligen Branche, haben sich inzwischen im Duisburger Hafen, der zur internationalen Logistik-Drehscheibe geworden ist, angesiedelt.

Neun Mal pro Woche kommen Züge aus China

Allein auf Logport 1 haben sich 50 Unternehmen niedergelassen. „Wir haben alle Flächen auf dem 2 650 000 m² großen ehemaligen Krupp-Areal vermarktet“, sagt Hafen-Chef Staake. Führende Logistikunternehmen wie Kühne + Nagel, DB Schenker oder DHL haben hier Logistikzentren gebaut. Danone Waters, Hewlett Packard, Johnson & Johnson und Siemens vertreiben ihre Produkte von Duisburg aus. Neun Mal pro Woche kommen Züge aus China auf Logport 1 an, die insbesondere elektronische Geräte für den deutschen Handel an Bord haben. „Die Musik spielt in Asien“, ist Staake überzeugt. „Wir haben das asiatische Jahrhundert.“

Obwohl in der Vergangenheit Hafenbecken in Duisburg zugeschüttet wurden, gehen der Duis-port-Gruppe die Flächen aus. Die Logport-Familie hat sich inzwischen auch auf Kamp-Lintfort und Oberhausen ausgeweitet. Auch in Marl ist das Unternehmen aktiv, um das Areal der stillgelegten Zeche Auguste Victoria zu entwickeln. Überhaupt: Der Hafen ist längst nicht mehr nur der Anleger, an dem Schiffe be- und entladen werden. Zur Duis­port-Gruppe gehören inzwischen rund 30 Unternehmen mit 1050 Beschäftigten, die zum Teil international tätig sind. „Unser klarer Schwerpunkt ist natürlich Deutschland“, betont Staake.

Die drei Säulen

Die Duisport-Gruppe ruht auf drei Säulen: Im klassischen Hafengeschäft fertigen die Duisburger über ihre acht Containeranlagen mit ihren 21 Containerbrücken und 130 Krananlagen jährlich 20 000 Schiffe und noch einmal so viele Züge ab. Dazu gehört auch die Verpachtung von Gewerbe- und Industrieflächen.

Ein Wachstumsfeld ist die zweite Säule: die logistischen Dienstleistungen. Die Duisport-Mannschaft berät Unternehmen beim Aufbau und der Optimierung von Transportketten per Wasser, Schiene und Straße. Drittes Standbein ist die Verpackungssparte. International bietet die Tochtergesellschaft Duisport Packing Logistics Verpackungssysteme für ihre Kunden an.

3,6 Millionen Container pro Jahr

Dreh- und Angelpunkt im Hafen ist der Container-Verkehr. „Container sind eine Art Leitwährung in der Logistik geworden“, sagt Staake. Ob Smartphones, Baumstämme oder Stahl – der Gütertransport, der nicht in der Luft stattfindet, wird fast ausschließlich in Containern abgewickelt. Sie kommen in Duisburg per Schiff oder Eisenbahn an, werden dort ausgeladen und auf Distributionszentren der jeweiligen Kunden verteilt. „Das ist ökologisch“, meint der Hafen-Chef, weil nur kurze Wege etwa zum Endabnehmer oder in den Handel per Lkw zurückgelegt werden.

Das Geschäft mit den Containern ist der Wachstumsmotor für den Duisburger Hafen. Seit Staakes Amtsantritt 1998 hat sich das Volumen verzehnfacht. Im vergangenen Jahr wurden 3,6 Millionen 20-Fuß-Container umgeschlagen. Der Gesamtgüterumschlag betrug 129 Millionen Tonnen. Doch die Zeiten des ungebremsten Wachstums sind nach Einschätzung des Hafenchefs vorüber. „Rund 95 Prozent der Güter werden bereits per Container transportiert. Da ist kaum noch Luft nach oben“, sagt Staake. Der Duisburger Hafen nehme die Herausforderung an. „Wir müssen besser sein als andere und Marktanteile gewinnen“, gibt Staake die Marschrichtung für die Zukunft aus.

Eine ganze Wertschöpfungskette

Den Optimismus lässt sich der 62-Jährige nicht nehmen, wenngleich er einräumt, dass ihm die Entwicklung der Stahlindustrie in Duisburg Sorge bereitet. Die Einbußen beim Stahlgüter-Umschlag konnte zuletzt aber das wachsende Geschäft mit Mineralölen und chemischen Erzeugnissen ausgleichen. Und Staake wurmt das nach wie vor schlechte Image der Logistikbranche, die nicht für Duisburg, sondern für das gesamte Ruhrgebiet ein Wachstumsmotor ist.

„Mit Logistik verbinden die Menschen immer noch Verkehr und Lärm. Dabei steckt dahinter inzwischen eine ganze Wertschöpfungskette“, sagt der Hafen-Chef. „Ohne qualifizierte Logistik wäre manche Industrie nicht mehr hier in der Region.“ Staake wird deshalb nicht müde, betroffene Anwohner, aber auch Kritiker, die die industrielle Weiterentwicklung in Frage stellen, zu überzeugen. Für Duisburg und das Ruhrgebiet zähle nach wie vor jeder neu geschaffene Arbeitsplatz. Staake: „Vor 15 Jahren wurde jede Unternehmensansiedlung mit 50 Jobs gefeiert. Heute nimmt das kaum noch jemand zur Kenntnis.“

Große Namen

Fressnapf ist der Marktführer für Heimtierbedarf in Europa. Auf Logport 1 errichtet der Krefelder Konzern gerade ein Importlager für Waren vor allem aus Asien und Nordamerika. Von Duisburg aus will Fressnapf ganz Europa mit Tierbedarf beliefern. 150 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

Die Audi AG exportiert aus einer 53 000 qm großen Halle auf Logport II Automobilkomponenten in die Wachstumsmärkte China, Indien, Mexiko und Brasilien. In dem „Completely-Knocked-Down-Zentrum“ kommissioniert, verpackt und verstaut ein Logistikdienstleister die Fahrzeugteile in Container. 500 neue Stellen sind entstanden.

Die Bitburger Braugruppe baut auf Logport I ein Distributionszentrum. Ihr Tochterunternehmen Trinkkontor will über 17 Ladetore in Rheinhausen das Getränkefachgroßhandelsgeschäft per Lkw abwickeln.

Der US-Hersteller Hewlett Packard (HP) und der taiwanesische Zulieferer für elektronische Geräte Foxconn zählen zu den Unternehmen aus der Elektro-, Computer- und Hightech-Industrie, die die regelmäßigen Verbindungen des Chinazugs nach Duisburg zum Transport von Computer- und Elektronikartikeln nutzen. Aus Hallen im Hafen heraus werden sie dann an den Handel ausgeliefert.

Der mittelständische Logistikspezialist Bohnen Logistik sitzt im Duisburger Hafen auf Logport I und übernimmt für seinen Kunden Danone Waters den Import der Wassermarke Volvic und Evian. Das Mineralwasser kommt per Zug nach Duisburg.

 
 

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