Duisburg

Großrazzia gegen kriminelle Clans in Duisburg: Mit diesem Trick überraschte die Polizei die Dealer

Mit einem Großaufgebot überraschte die Polizei die mutmaßlichen Dealer.
Mit einem Großaufgebot überraschte die Polizei die mutmaßlichen Dealer.
Foto: Vanessa Hellwig/DER WESTEN

Duisburg. Großrazzia gegen kriminelle Clans in Duisburg und Moers!

Seit 12 Uhr war die Polizei Duisburg-Hochfeld am Dienstag mit einem Großaufgebot in den Stadtteilen Hochfeld, Meiderich und Homberg sowie in der Stadt Moers dabei, Wohnungen, Gebäude und Gewerbeobjekte zu durchsuchen.

Am Ende des Tages vollstreckten die Beamten 14 Haftbefehle gegen mutmaßliche Drogendealer. Darunter sollen auch Mitglieder krimineller Clans sein. Drei Männer wurden vorläufig festgenommen.

Großrazzia in Duisburg: Polizei holt zum Schlag gegen kriminelle Clans aus

Die Maßnahmen richteten sich gegen kriminelle Clans in Duisburg und deren bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln. Den Maßnahmen gingen monatelange Ermittlungen voraus. Seit September 2018 untersuchte eine Ermittlungskommission der Polizei Duisburg unter Leitung der Duisburger Staatsanwaltschaft die näheren Tatumstände.

Am Dienstag schlugen sie dann zu. Die Beamten tarnten sich für den Großeinsatz in zwei verdunkelten Bussen der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) und fuhren als Schienenersatzverkehr an der Wanheimer Straße in Duisburg vor.

Die Straße im Stadtteil Hochfeld ist eine geschäftige Straße, gesäumt von Bäckereien und Lokalen. Normalerweise herrscht hier reger Betrieb, an diesem Tag ging um die Mittagszeit herum allerdings gar nichts mehr.

Polizei riegelte Straße wegen Großrazzia in Duisburg ab

Denn mit den Bussen riegelten die Beamten die Straße zwischen Karl-Jarres-Straße und der Wörthstraße komplett ab. Dutzende Polizisten waren im Einsatz, ließen niemanden ins abgesperrte Gebiet herein oder heraus. Neugierige Anwohner begutachteten die Szenerie aus ihren Fenstern.

Die Polizisten kontrollierten alle Passanten, Wohnungen und Geschäfte in dem Gebiet auf Drogen. „Die Menschen, für die ein Haftbefehl vorlag, wurden in Gewahrsam genommen und werden einem Haftrichter vorgeführt“, sagt Polizeisprecher Stefan Hausch.

Schlag gegen kriminelle Clans

„Wir haben die Razzia heute Mittag ab 12 Uhr durchgeführt, weil wir dann einen Großteil unserer Klienten hier auf der Straße antreffen“, sagt Hausch.

Zeitgleich kontrollierten die Beamten weitere Geschäfte in anderen Duisburger Stadtteilen sowie in Moers. Der Polizeisprecher bezeichnete die Strafverfolgungsmaßnahme als „einen der größten Einsätze, die Duisburg je gesehen hat“.

------------------------------------

• Mehr Themen:

Fall Lübcke: Stephan E. widerruft sein Geständnis

Nach Feuerinferno auf A2 – Held rettete 65 Schülern das Leben: „Den Tod vieler junger Menschen abgewendet“

• Top-News des Tages:

Hund spielt mit Besitzern am Wasser – wenig später ist er tot

Drama um Fußball-Nationalspielerin: 24-Jährige spurlos verschwunden

-------------------------------------

Verständnis bei Anwohnern

Auch die Anwohner durften ihre Wohnungen nicht betreten. „Wir mussten ihnen viel abverlangen“, sagt Hausch, „die meisten hatten aber Verständnis für diese Polizeiaktion.“

„Wir nehmen die Hinweise, Nöte und Sorgen der Bevölkerung sehr ernst und gehen massiv gegen den Drogenhandel vor,“ so Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels. „Auch nach diesem Einsatztag werden wir nicht nachlassen diese Szene zu bekämpfen.“

Die Polizei gab den gesperrten Bereich am Nachmittag wieder frei. Über die Ergebnisse der Mega-Razzia will die Polizei bis spätestens Mittwoch informieren. (fb/vh)

>>> Innenminister Herbert Reul spricht von „Terror“ - und zieht diesen krassen Vergleich

------------------------------------

Woher kommen die Clans?

  • Wenn die Rede von kriminellen Araber-Clans ist, sind meist Mitglieder von Großfamilien mit türkisch-arabischen Wurzeln gemeint. In Deutschland gehören nach Schätzungen des Bundeskriminalamts (BKA) rund 200.000 Menschen zu solchen Großfamilien.
  • Die meisten von ihnen sind nicht kriminell. Manche aber haben sich zu mafiösen Gruppierungen zusammengeschlossen, nutzen familiäre Strukturen für kriminelle Geschäfte.
  • Sie leben häufig in einer abgeschottenen Parallelwelt, erkennen staatliche Strukturen nicht an. Straftaten werden zu internen Probleme erklärt, die innerhalb der Familien von sogenannten Friedensrichtern geregelt werden.
  • Viele haben eine türkische (15 Prozent) oder libanesische (31 Prozent) Staatsangehörigkeit, 36 Prozent haben eine deutsche Staatsangehörigkeit, fünf Prozent sind staatenlos.
  • Ausweisungen von Intensivtätern sind entsprechend schwierig

Mhallami kamen aus der Türkei

  • Das wesentlichste Kriterium der Zugehörigkeit des Einzelnen zum Clan ist die tatsächliche familiäre Verwandtschaft. Viele stammen ursprünglich aus dem Libanon, aus Syrien, dem Irak oder der Türkei. Vor allem im Ruhrgebiet wird häufig von Libanesen-Clans gesprochen. Gemeint sind dann kriminelle Mitglieder von Familien, die ursprünglich aus der Türkei und aus Syrien stammen. Sie gehören zu den sogenannten Mhallami, einer arabischstämmigen Volksgruppe.
  • Viele von ihnen wurden nach dem Ersten Weltkrieg aus der Türkei vertrieben und siedelten sich im Libanon an - oft fehlten ihnen die Mittel für Pässe und eine Einbürgerung. Hier lebten viele der Familien am Rand der Gesellschaft Als dort Bürgerkrieg ausbrach (1975 bis 1990), flohen viele der Familien nach Deutschland.
  • Viele haben in ihrer Fluchtbiographie gelernt, sich auf sich selbst und den Familienclan zu verlassen, wenn es ums Überleben geht. Diese Einstellung haben sie gewissermaßen importiert.

Clans in NRW: Viele Familienmitglieder haben nur einen Duldungsstatus

  • Sie kamen über Ost-Berlin in den Westen, beantragten Asyl und wurden auf verschiedene Bundesländern verteilt - vor allem nach Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen. Hier gab es einen Abschiebestopp, sie erhielten als Staatenlose direkt eine Duldung und blieben im Land. Bei nicht wenigen blieb der Duldungsstatus bestehen, über Generationen.
  • Menschen mit Duldungstatus haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer: Eine selbständige Tätigkeit ist ihnen untersagt, eine Beschäftigung als Arbeitnehmer ist nur auf Antrag und nach Zustimmung durch die Ausländerbehörde möglich. Manche Experten sehen hierin eine mögliche Ursache dafür, dass sich aus der Perspektivlosigkeit heraus kriminelle Netzwerke innerhalb der Familien gebildet haben.
 
 

EURE FAVORITEN