Großbaustelle A59 - alle Umleitungen, Fakten und Probleme

Die "Berliner Brücke" der A59 in Duisburg ist marode. Ab 1. Mai startet die Sanierung. Dazu wird die Autobahn bis in den Oktober zur Einbahnstraße.
Die "Berliner Brücke" der A59 in Duisburg ist marode. Ab 1. Mai startet die Sanierung. Dazu wird die Autobahn bis in den Oktober zur Einbahnstraße.
Foto: Archiv/ WAZ FotoPool
Die A59 im Duisburger Norden ist eine Großbaustelle. Der Verkehr wird wechselseitig komplett gesperrt, die Autobahn wird für fünf Monate zur Einbahnstraße. In der Stadt drohen erhebliche Staus. Auch, weil Straßenbahnschienen zum Sperrbezirk für Autos werden. Die wichtigsten Details für Autofahrer.

Duisburg. Für fünf Monate wird die Autobahn 59 in Duisburg zur Einbahnstraße. Bis 2. Oktober sind zwischen Innenhafen und dem Duisburger Norden Bauarbeiten terminiert. Staus sind zu erwarten. Es gibt Empfehlungen zu Umleitungen und ein Sonder-Ticket für "Umsteiger" auf Bus und Bahn. Was Pendler jetzt wissen sollten:

Wann und wo ist die Autobahn gesperrt?

Bis 13. Juli wird die Autobahn 59 zwischen den Kreuzen Duisburg Nord und Duisburg in Richtung Düsseldorf voll gesperrt. In Gegenrichtung läuft der Verkehr weiter. Vom 19. Juli bis zum 2. Oktober wird die Sperrung dann umgedreht: Dann müssen sich Autofahrer zwischen A40 und A42 in Richtung Dinslaken eine Ausweichstrecke suchen. Ebenfalls je Richtung gesperrt sind die Anschlussstellen Ruhrort und Meiderich.

Um welche Arbeiten geht es auf der A59?

Täglich etwa 75.000 Fahrzeuge auf der A59 hinterlassen Spuren. Vor allem die A59-Brücken über den Hafen müssen saniert werden - 51 Jahre nach Eröffnung der Autobahn. Was für Autobahnnutzer wie eine einzige Brücke aussieht, sind insgesamt sieben, die Hafenbecken, Industrie- und Bahnanlagen, die Ruhr und den Rhein-Herne-Kanal überqueren.

Wieso wird die A59 getrennt gesperrt?

Die Planer setzen auf eine ähnliche Strategie wie bei der Sperrung der Ruhrtalbrücke auf der A52 im Sommer 2013. Mit einem Unterschied: Bei der A52 wurde der Verkehr nur in eine Richtung gesperrt - wo sich Autos und Lastwagen zu den Stoßzeiten weniger stark tummeln. Die A59 allerdings "ist in beide Richtung in etwa gleich stark belastet", sagt eine Sprecherin der Stadt Duisburg. "Für uns waren aber baubetriebliche Gründe für die Planung entscheidend", erläutert dazu Frank Hausendorf vom Landesbetrieb Straßen.NRW: "Jeweils eine Seite der zweiteiligen Brückenbauten muss für die Arbeiten erschütterungsfrei sein".

Die Fahrbahnführung wie bei der Sperrung der Ruhrtalbrücke zu verlegen hätte im Vorfeld zudem "nur Chaos produziert". Da machte es aus Sicht der Planer auch keinen Sinn, die vierspurige A59 fünf Monate lang jeweils einspurig in beide Richtungen offen zu halten. "Das produziert nur noch mehr Staus", sagt Hausendorf. Der Grund dafür: Die Fahrspuren sind schmaler als üblich - zu gefährlich für den einspurigen Betrieb mit Gegenverkehr.

Bis zu 75.000 Fahrzeuge täglich auf der A59 unterwegs 

Wieviele Fahrzeuge sind auf der A59 täglich unterwegs?

Die von der Sperrung betroffene "Berliner Brücke" zwischen den Kreuzen Duisburg und Duisburg-Nord gehört zu den am stärksten befahrenen Bereichen der A59 in der Stadt. Laut Verkehrszählung sind täglich bis zu 75.000 Fahrzeuge unterwegs, darunter sind knapp 4400 Lastwagen.

Im Detail: Zwischen dem Kreuz Duisburg und der Anschlussstelle Ruhrort listet die Statistik 72.000 Fahrzeuge am Tag auf, zwischen Ruhrort und Meiderich knapp 70.000, und zwischen Meiderich und dem Kreuz Duisburg-Nord an die 75.000, "Die A59 ist eine lokale Autobahn, keine Fernverkehrsstrecke", erklärt der Duisburger Stauforscher Prof. Michael Schreckenberg. Zum Vergleich: Die parallel verlaufende A3 - die meist befahrene Autobahn in NRW - nutzen pro Tag insgesamt fast 127.000 Fahrzeuge zwischen Kreuz Oberhausen und dem Kreuz Duisburg-Kaiserberg, darunter mehr als 18.400 Lastwagen.

Welche Ausweichstrecken zur A59-Sperrung gibt es?

"Weiträumig umfahren", heißt die Empfehlung von Straßen.NRW, die für die A59-Sanierung verantwortlich sind. Das heißt: man sollte, auch wenn man bloß in der Stadt unterwegs ist, je nach Richtung der Sperrung auf die A42, die A3 und die A40 ausweichen, um etwa aus Richtung Dinslaken in die Duisburger City oder weiter Richtung Süden zu fahren - oder umgekehrt. Das gilt besonders für innerstädtische Verbindungen, etwa von und nach Marxloh, Neumühl, Bruckhausen oder Unter- und Obermeiderich. „Am besten ist es, über die parallele A3 auszuweichen“, auch wenn man einen Umweg fährt, rät Stauforscher Michael Schreckenberg.

Werden Autofahrer wirklich über Autobahnen ausweichen?

Stauforscher Michael Schreckenberg wirbt dafür: "Die Autobahnen sind in punkto Kapazität als Ausweichstrecke ungeschlagen". Zudem habe man in Duisburg das Glück, "dass es hier Parallel-Autobahnen gibt": Die A3 ist dreispurig ausgebaut. Linksrheinisch böte sich die A57 als Nord-Süd-Verbindung an. Nachteil aus Sicht von Schreckenberg: "Zu den Hauptverkehrszeiten verkraftet die A57 nicht viel mehr zusätzliche Fahrzeuge".

Weiterer Nachteil: die Bauarbeiten auf der A40-Brücke in Neuenkamp, die noch bis Ende des Jahres dauern. "Während der Sperrungen auf der A59 soll es keine weiteren geplanten Verkehrseinschränkungen auf der Brücke geben", heißt es bei Straßen.NRW. Aber: "Bei neu auftretenden Mängeln, wo sofort gehandelt werden muss, kann dies jedoch nicht ausgeschlossen werden.

DVG bietet ein Umsteigerticket an 

Welche Wege finden sich innerhalb von Duisburg als A59-Ersatz?

Die A59 ist die einzige durchgehende innerstädtische Nord-Süd-Verbindung; zwischen Innenstadt und dem Duisburger Norden kann man nur auf wenige Straßen ausweichen, die bei der Sperrung entsprechend voll sein dürften. Knackpunkte sind der Hafen und die Ruhr, die Duisburg teilen. Neben der A59 gibt es im rechtsrheinischen Teil der Stadt zwischen Rhein und A3 nur drei weitere Straßen die die Ruhr überqueren. Ausweichwege, die die Stadt Duisburg vorschlägt, führen von Hamborn aus entweder westlich um die A59 herum, durch Bruckhausen, Beeck, Laar und Ruhrort nach Kaßlerfeld oder östlich durch Alt-Hamborn, vorbei an Neumühl und durch Meiderich nach Duissern.

Was empfiehlt die Stadt Duisburg Auto-Pendlern?

Um die Straßen zu entlasten, ruft die Stadt Duisburg Pendler zum Umsteigen auf. Entweder aufs Fahrrad. Zudem rät die Stadt: "Bilden sie Fahrgemeinschaften". Im Blick sind dabei Autofahrer, die nicht auf andere Verkehrsmittel umsteigen können, aber bestimmten Strecken regelmäßig fahren. Dazu ein Blick in die Pendler-Statistik: Von den etwas mehr als 487.000 Einwohnern in Duisburg sind etwa 207.000 berufstätig (Stand Juni 2012). Fast 88.000 haben ihre Arbeit außerhalb Duisburgs, kapp 119.000 innerhalb der Stadt. Ungefähr 17 Prozent sind innerhalb von zehn Minuten an ihren Arbeitsplatz, der größte Teil – fast 55 Prozent – braucht zwischen zehn und 30 Minuten.

Wie sieht’s mit dem Umsteigen auf Bus und Bahn zur A59-Sperrung aus?

Die Duisburger Verkehrsgesellschaft DVG bietet für die Zeit der A59-Sperrung ein „Umsteigerticket“ an – „das ist sozusagen ein Test-Abo“, erklärt DVG-Sprecherin Anamaria Preuss. Der Unterschied zu bisherigen Tickets: Die Monatskarte muss nicht, wie sonst, für mindestens ein Jahr bezogen werden. Man kann es jeweils monatlich im Umbauzeitraum kündigen. Das gilt für alle Karten von Ticket1000 bis Firmen- und Bärenticket. Die Preise sind gleich, kündbar ist das "Umsteigerticket" jeweils schriftlich zum 10. des Vormonats. „Wir hoffen, dass wir einige Pendler zum Umsteigen bewegen“. Erhältlich sind die Tickets per Antrag in den Kundencentern der DVG.

Wie stellen sich Bus- und Bahn auf die A59-Sperrung ein?

Mit zusätzlichen Fahrzeug- und Personalreserven. Und mit Veränderungen auf dem Fahrplan. Die Straßenbahnlinie 903 wird zwischen den Haltestellen Watereck und König-Heinrich-Platz im Fünf-Minuten-Takt fahren - das sind vier Züge mehr pro Stunde. Einige Buslinien werden zudem umgeleitet: SB 40 und die Nachtexpress-Linien 1 und 3 fahren normalerweise über die A59.

A59-Sperrung in DuisburgLaut DVG-Sprecherin Preuss kostet die Umleitung 17 Minuten mehr Fahrzeit. Und: eine Haltestelle wird während der A59-Sanierung nicht angefahren. Bei den Straßenbahnen 901 und 903 werden Bereiche in Alt-Hamborn bzw. in Kaßlerfeld gelb abschraffiert und sind für Autos Tabu. So sollen die Straßenbahnen Vorrang vor dem Autoverkehr bekommen. Zudem wird die DVG auf der Nord-Süd-Linie 903 (Dinslaken Bahnhof – Duisburg-Hüttenheim) den Takt verstärken. Dafür wird die Linie 901 etwas verkürzt und durch Pendelbusse ersetzt, um dort die nötigen Fahrzeuge für die Verstärkung der Linie 903 abziehen zu können.

Wo kann es bei Bus und Bahn während der A59-Sperrung zu Verspätungen kommen?

Überall dort, wo sich auch der Verkehr auf den Straßen erhöht. Das dürfte nach Einschätzung der DVG bei den Bus- und Bahnlinien sein, die in den stark betroffenen Stadtteilen unterwegs sind, also in Meiderich, Laar, Ruhrort, Duissern und der Innenstadt.

BrückenJe nach Stau-Lage könnten dann die Fahrpläne kurzfristig angepasst werden, sagt DVG-Sprecherin Anamaria Preuss. Die Buslinie 907, 939 und 944 etwa kommen da in Frage, weil sie in Kaßlerfeld über die Aakerfährbrücke fahren - eine der nur drei Ruhr- bzw. Hafenbrücken zwischen Norden und Innenstadt. "Eine Umleitung ist nicht möglich", teilt die DVG mit. In punkto Fahrplanänderungen werde man kurzfristig entscheiden, sagt DVG-Sprecherin Pruess. „Je nach Stau-Entwicklung“ nach den ersten Tagen der A59-Sperrung. Fahrgäste, warnt man bei der DVG vorsorglich, müssten sich wegen der A59-Sperrung jedoch auf Verspätungen einstellen.

 
 

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