„Größtmögliche Sicherheit“

Von Miriam Lenkeit
Hier wird ein Tiger im Zoo Duisburg mit Verdacht auf Zahnschmerzen in Narkose gelegt und untersucht
Hier wird ein Tiger im Zoo Duisburg mit Verdacht auf Zahnschmerzen in Narkose gelegt und untersucht
Foto: ab-arth Bildagentur / Angelika Barth
Nach der tödlichen Attacke eines Tigers im Kölner Zoo wird die Haltung von Großkatzen diskutiert. Der Duisburger Zoo versichert, dass sämtliche Areale sicher sind und das zuständige Personal gewissenhaft ausgebildet wird.

Duisburg. Der tödliche Tiger-Angriff im Kölner Zoo auf eine Pflegerin erschüttert die ganze Republik. Auch im Duisburger Zoo ist die Betroffenheit über das Unglück im Raubtiergehege groß. Während die Diskussion über ein generelles Verbot großer Wildkatzen in deutschen Zoos aufs Neue entbrannt ist, versicherte der hiesige Tierpark auf WAZ-Anfrage noch einmal die Sicherheit sämtlicher Areale und die gewissenhafte Ausbildung des zuständigen Zoo-Personals.

Jochen Reiter, wissenschaftlicher Leiter im Duisburger Zoo, erklärte, dass alle Tiere, die für den Menschen theoretisch gefährlich sind, entsprechend klassifiziert werden: „Anders als angenommen, sind Großkatzen nicht die einzigen unberechenbaren Zoobewohner.“

Körpergröße ist nicht ausschlaggebend für den Gefahrengrad

Die Bandbreite des Risikos reiche von Kleintieren wie dem Pfeilgiftfrosch über große Kranicharten bis hin zur Giraffe. Während sich bei Amphibien oder Fischen vor allem deren zum Teil giftige Haut als ernste Bedrohung entpuppt, ist es beim bis zu 1,80 Meter großen Saruskranich dessen kräftiger Schnabel. „Die Körpergröße eines Tieres ist nicht immer ausschlaggebend für den Gefahrengrad. Auch der sonst so friedliche Leguan kann durch einen geschickten Hieb mit seinem Schwanz großen Schaden anrichten“, weiß Reiter.

Mindeststandards bei Sicherheit

Um das Risiko für Besucher und Pfleger so gering wie möglich zu halten, müssten somit bestimmte Sicherheitsstandards unbedingt eingehalten werden. Folglich sind nicht nur Zuschauer durch Wassergräben oder aufwändige Umzäunungen vor dem direkten Kontakt mit gewissen Zoobewohnern geschützt, auch für das Personal wurden entsprechende Strategien entwickelt. „Zwischen Tier und Pfleger ist im Normalfall immer eine stabile Barriere.

Die ordnungsgemäße Nutzung der dafür vorgesehener Schutzsysteme – wie Gitter und Falltüren – muss vom verantwortlichen Pfleger garantiert werden“, sagt Reiter. Bei den täglichen Reinigungen der Innengehege oder der Bereitstellung von Frischwasser befindet sich das Tier also stets in der Nebenstallung. Je nach Gefährdungsstufe ist außerdem immer ein weiterer Mitarbeiter in Sicht- oder Rufweite. Auszubildende dürfen die Stallungen sogar generell nur unter Aufsicht betreten.

Auf tragische Situationen vorbereitet sein

Trotz aller Vorsicht müsse man leider auch im Duisburger Zoo auf tragische Situationen vorbereitet sein, erklärt Reiter. „Neben unserem Zoodirektor Achim Winkler sind noch fünf weitere Mitarbeiter schießberechtigt. Einer von ihnen ist immer im Dienst.“ Der Fachmann betont, dass der zuständige Kollege das Zoogelände am Abend stets erst eine halbe Stunde, nachdem sich jedes theoretisch gefährliche Tier in seiner Innenstallung befindet, verlassen darf.

„Unsere Tierärztin, die im Falle des Falles ebenfalls schießen dürfte, wohnt sogar auf dem Parkgelände. Somit können wir praktisch rund um die Uhr eine größtmögliche Sicherheit garantieren“, fügt Reiter hinzu.