Grillo-Forschern in Duisburg gelingt eine Sensation

Gregor Herberhold
Dr. Jochen Schulte, Geschäftsbereichleiter Chemie bei den Grillo-Werken in Duisburg, mit einem Molekül-Modell der Methansulfonsäure.
Dr. Jochen Schulte, Geschäftsbereichleiter Chemie bei den Grillo-Werken in Duisburg, mit einem Molekül-Modell der Methansulfonsäure.
Foto: FUNKE Foto Services
Chemiker stellen Stoff aus Erdgas und Schwefeltrioxid her, der unter anderem für professionelle Reinigungen verwendet wird und ungiftig sein soll.

Duisburg. Nach rund sechsjähriger Forschungsarbeit haben Grillo-Chemiker in Marxloh zur Serienreife gebracht, was Dr. Jochen Schulte, Leiter des Geschäftsbereichs Chemie, als „Sensation“ bezeichnet. Erstmals ist es gelungen, aus Erdgas in Verbindung mit Schwefeltrioxid eine Chemikalie herzustellen, die unter anderem als Basis für Reinigungsmittel, aber auch bei der Medikamentenherstellung zum Einsatz kommt.

Das neue Verfahren sei, so Jens Riegger, Leiter der Geschäftsfeldentwicklung, „revolutionär einfach“ und habe den Vorteil, dass während des Herstellungsprozesses keine giftigen Abfallprodukte entstehen wie in bisher üblichen Verfahren.

Die Erfindung ist patentiert, ab 2019 soll der Stoff (Methansulfonsäure, MSA) industriell hergestellt und weltweit vertrieben werden. Produziert wird allerdings nicht in Duisburg, sondern am Standort Frankfurt. „Dort produzieren und verarbeiten wir Schwefeltrioxid“, sagt Schulte. Es sei also naheliegend, den neuen Stoff auch da herzustellen. Das erspare lange Transportwege.

Anlage in Marxloh soll bestehen bleiben

In der Marxloher Versuchsanlage an der Buschstraße lässt sich die Chemikalie inzwischen problemlos herstellen. „Wir brauchen allerdings Erdgas mit möglichst hohem Methananteil“, erläutert Riegger. Derzeit werde in Frankfurt geprüft, ob das Gas über den dortigen Energieversorger zur Verfügung gestellt werden könne.

Auch wenn in Frankfurt die Produktionsanlage ab 2019 läuft, wird die Miniaturausgabe in Duisburg weiter in Betrieb bleiben: „Bei solchen Anlagen wird immer nach Verbesserungen für den Produktionsablauf gesucht, das ist im kleinen einfacher“, sagt Schulte. Der weltweite Vertrieb wird aber, wie für alle anderen Produkte, von Marxloh aus gesteuert.

Biologisch abbaubare "grüne Säure"

Bei MSA handelt es sich um eine sehr starke Säure, die – verdünnt – als Reinigungsmittel etwa in der Getränkeindustrie und in der Milchwirtschaft zum Einsatz kommt. Sie werde aber auch in der Pharmazie für die Herstellung von Arznei (etwa Herzmittel) verwendet. Zudem gibt es eine Reihe weiterer Anwendungsmöglichkeiten, etwa in der Metallbeschichtung, der Elektronikindustrie und bei der Herstellung von Biodiesel.

Das Produkt sei „biologisch abbaubar und wird daher weltweit als ,grüne Säure’ bezeichnet“, schildert Riegger die Vorteile gegenüber anderen Mitteln für die gleichen Einsatzgebiete. Der Reiniger sei nach Gebrauch, also stark verdünnt, problemlos übers normale Abwasser zu entsorgen.

Bei Grillo geht man davon aus, dass man sich einen ordentlichen Anteil am Weltmarkt sichern kann: „Der Bedarf von MSA ist stark wachsend.“