Greulich verteidigt Vorgehen der Stadt Duisburg bei Loveparade-Gedenkfeier

Oliver Schmeer
Peter Greulich am 11. Juli bei Adolf Sauerlands Erklärung zur moralischen Verantwortung für die Loveparade-Katastrophe. Archivbild: Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Peter Greulich am 11. Juli bei Adolf Sauerlands Erklärung zur moralischen Verantwortung für die Loveparade-Katastrophe. Archivbild: Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
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Duisburg. Nachdem bekannt wurde, dass die Stadt der Gedenkfeier am Jahrestag der Loveparade die Genehmigung versagt hatte, bedauert Stadtdirektor Greulich die Diskussion nach Bekanntwerden seines Beschwerdebriefes an Ministerpräsidentin Kraft.

Stadtdirektor Peter Greulich hat die öffentliche Diskussion um die Gedenkfeier zum Jahrestag der Loveparade-Tragödie am 24. Juli im Wedau-Stadion bedauert und am Montag im Rathaus betont, dass es eine „gelungene und würdevolle Veranstaltung“ gewesen sei, die nicht ins schlechte Licht gerückt werden dürfe.

Die Diskussion hatte indes ein Brief des Stadtdirektors an die Staatskanzlei und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ausgelöst, der vergangene Woche bekannt geworden war. Darin hatte sich Greulich im Namen der Stadt darüber beklagt, dass es bei der Genehmigung der Trauerfeier zu Abstimmungsproblemen gekommen war und die städtischen Genehmigungsbehörden unter Druck gesetzt worden seien. Auch hätten Absprachen „leider nicht stattgefunden“. „Es ist zu Fehlern, Versäumnissen und Missverständnissen gekommen“, erklärte Greulich am Montag. Diese Kritik müsse möglich sein, ohne gleich dafür gescholten zu werden. Er habe nicht damit rechnen können, so Greulich, dass sein Brief an Kraft öffentlich wurde.

„Auch wir wollten diese Veranstaltung“

Greulich und die Leiterin des Bauordnungsamtes, Anja Geer, legten dar, dass die Trauerfeier wegen der kurzfristig am Tag zuvor verlegten Bühne nach Schlechtwetterprognosen formal nicht genehmigungsfähig gewesen sei. Da die Sicherheit aller Beteiligten aber gewährleistet gewesen sei, habe die Veranstaltungen durchgeführt werden können. „Abweichungen vom Antrag können nicht mal eben erfolgen. Das Baurecht ist sehr formal und nicht immer mit gesundem Menschenverstand zu bemessen“, erklärte Geer. In dem Brief an Kraft hatte Greulich die Bühne mit einem „Schwarzbau“ verglichen.

„Auch wir wollten diese Veranstaltung“, betonte Greulich. Zu keiner „Millisekunde“ habe es Befremden zu dem Wunsch der Angehörigen gegeben, dass nicht die Stadt die Trauerfeier veranstalten soll. Seine Kritik sei auch keine Retourkutsche oder Besserwisserei, versicherte Greulich.

Näher erläutern, wie das Land Druck ausgeübt habe, wollte Greulich aber nicht. In dem Brief an Kraft ist die Rede davon, dass ein „Repräsentant der Staatskanzlei“ deutlich gemacht habe, dass man kein Verständnis habe, wenn die Veranstaltungen abgesagt werden müsse.

Organisator Eich fühlt sich als Bauernopfer

Vorwürfe gegen die Stadt erhebt der von der Staatskanzlei mit der Organisation der Loveparade-Trauerfeier beauftragte Duisburger Arno Eich. Aus Rücksicht auf die Angehörigen habe er die nach seinen Worten „Gängelei“ und Behinderungen im Zuge der Genehmigung der Gedenkveranstaltung damals nicht öffentlich gemacht. „Die Veranstaltung hat den Menschen viel gegeben

Eich zeigt kein Verständnis dafür, dass die Stadt die kurzfristige Verlagerung der Bühne wegen drohender Stürme trotz der Zustimmung von Polizei und Feuerwehr nicht habe genehmigen wollen. Eich spricht dabei von Behinderungen und „Ignoranz von Gefahrenmomenten“ und verweist auf das Unglück mit fünf Toten nach einem Unwetter bei einem Konzert in Belgien Mitte August

Den Brief Greulichs an Kraft bezeichnet Eich als Versuch, die Ministerpräsidentin mit dem Umstand zu kompromittieren, dass sie auf einer behördlich nicht genehmigten Veranstaltung aufgetreten sei. Dies solle mit der Stadtkritik „auf meinem Rücken ausgetragen werden“. Er fühle sich als „Bauernopfer“ in einem perfiden Ränkespiel. Eich: „Aus meiner Sicht ist das Nachtreten“.