Glückaufhalle - Notlösung, die vor Kurzem undenkbar schien

Oliver Schmeer
Ein Blick in die Glückaufhalle. Dicht gedrängt stehen die Betten nebeneinander. Eine Privatsphäre gibt es nicht.
Ein Blick in die Glückaufhalle. Dicht gedrängt stehen die Betten nebeneinander. Eine Privatsphäre gibt es nicht.
Die Glückaufhalle in Duisburg: Der traditionelle Gruß der Bergleute ist angesichts der Asyl-Notunterkunft in Homberg sorgenvoll.

Duisburg. Glückauf! In geradezu bergmännischer Kleinarbeit hat die Bezirksregierung Duisburgs Haushaltsplan und vor allem die 200 Millionen-Finanzspritze für die Stadtwerke auseinandergebröselt, dann aber letztlich grünes Licht gegeben. Warum das so lange dauerte und im dramaturgischen Spannungsbogen der Stichtag 1. Oktober um einen Tag verpasst wurde, verstehe dabei wer will.

Interessant ist aber, dass die Finanzaufsicht mit dem kritischen Blick von Wirtschaftsprüfern den Kreditbedarf von gut 200 Millionen Euro für die notwendige Stadtwerke-Kur um 30 Millionen eingedampft hat. Und das ohne anschließendes Jaulen und Jammern der Stadt und der Stadtwerke. Da war der „Schluck aus der Pulle“ vielleicht doch etwas sehr üppig: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Die Auflage der Finanzaufsicht allerdings, dass die Stadt bei Jugendzentren und Büchereien sparen soll, ist ebenso plakativ wie pauschal. Zu Recht hat die Politik Rasenmäher-Schließungen in der letzten Sparrunde abgelehnt. Schwerwiegender ist der mahnende Hinweis aus Düsseldorf auf die „schleppende Personalentwicklung“, sprich den Personalabbau.

Einfach Stellen streichen, ist aber Unfug. „Aufgabenkritik“ ist vielmehr das Zauberwort. Und die richtet sich weniger auf wichtige bürgerserviceorientierte Leistungen, sondern auf verwaltungsinterne Strukturen. Wann endlich etwa wird der Bürokratie-Apparat der Bezirksverwaltungen gestrafft, wann arbeiten die Verkehrsbetriebe der Städte enger zusammen?

Indes: Wer zig Erzieherinnen für mehr Kindergärten einstellen muss, Inklusion in Schulen gewährleisten soll und den Flüchtlingsstrom bewältigen muss und dabei sogar pensionierte Mitarbeiter reaktiviert, ohne das alle Kosten der von Bund und Land aufgebürdeten Aufgaben erstattet werden, der stößt an Grenzen des Personalkosten-Reduzierung. Ein – wenn auch hartes – Ruhekissen ist das freilich nicht.

Das „Glückauf“ bleibt unterdessen beim Namen der Homberger Halle ein Gruß mit Sorgen. 250 Betten, 250 Flüchtlinge auf engstem Raum. Das ist schon weniger als eine Notlösung, problembeladener vor und hinter der Hallentür als Zelte in der Diaspora und lässt Bilder im Kopf aufkommen, die wir vor Wochen für undenkbar hielten.

Bei allem Ärger betroffener Vereine oder Veranstalter, die auf ihre „gute Homberger Stube“ verzichten müssen: Jetzt, jetzt erst recht, muss man das aushalten können. Ein gutes Zeichen: Die Hilfsbreitschaft vieler Bürger ist ungebrochen.