Glockensturz auf Dellplatzbunker

Verena Barton-Andrews
Der Duisburger Heinrich Abels hat ein Buch über die Kriegszeit im Dellviertel geschrieben.
Der Duisburger Heinrich Abels hat ein Buch über die Kriegszeit im Dellviertel geschrieben.
Foto: WAZ FotoPool
An der Tiergartenstraße stand das Elternhaus von Heinrich Abels. Die Bombenangriffe des 2. Weltkrieges erlebte er als Kind und überlebte im Bunker unter dem Dellplatz. Seine Erinnerungen erscheinen nun als Buch.

Dellviertel. Die Sirenen heulen, die Flugzeuge dröhnen und plötzlich kracht es über den Köpfen, so dass die Erde bebt. Heinrich Harald Abels ist erst fünf Jahre alt, als er 1943 im unterirdischen Bunker am Dellplatz ausharrt. Dann fegt ein Bombentreffer die Turmspitze der St. Joseph-Kirche herunter. Die schweren Glocken stürzen mit ohrenbetäubendem Gepolter auf den Eingang des unterirdischen Bunkers. Das Kirchenschiff steht in Flammen.

Diese Bilder wird der Zeitzeuge niemals vergessen. Um seine Erinnerungen mit anderen zu teilen, hat er jetzt sein Buch „Als der Turm der St. Joseph-Kirche auf den Dellplatzbunker fiel“ veröffentlicht.

„Wenn die heiteren jungen Leute, die im Sommer am Dellplatz im Biergarten sitzen, wüssten, was hier vor über 60 Jahren geschehen ist...“, sagt Harald Abel nachdenklich „Das kann sich das heute keiner vorstellen“.

Tote Pferde und brennende Häuser

Die beiden Eingänge zum Bunker, in der Grünanlage vor der Kirche und dahinter, sind seit langem mit großen, sichtbaren Deckeln verschlossen. Die Erinnerungen an seine Nächte zehn Meter unter der Erde, im überfüllten Bunker sind Abels jedoch noch sehr präsent. „Katastrophen, die so einschneidend sind, vergisst man nicht“, erklärt er. Schon früh fing er an, seine Kriegserinnerungen aufzuschreiben. Nach drei vollgeschriebenen Kladden in den Sechziger Jahren kamen Hochzeit und Kinder, das Projekt geriet in Vergessenheit. Nun hat der 75-jährige sich die Zeit genommen, seine Geschichte zu Papier zu bringen. Mit seinen beiden Töchtern als Lektoren und dem Schwiegersohn als Cover-Gestalter hat er sein erstes Buch herausgebracht. „Das hat gut getan und ich bin stolz darauf“, sagt der Rentner.

Das Werk soll Eindrücke auffrischen und für die Nachwelt festhalten, wie es war, als die Bomben fielen: „Die Luft im Bunker war stickig, trotz des beständigen Drehens des einarmigen Soldaten am Schwengel der Belüftungsanlagen. Das Licht ging fiel ständig aus und über unseren Köpfen dröhnten die Kampfflieger“ , beschreibt Abels. Mehrmals sei der Bunker von Bomben erschüttert worden, doch er habe immer stand gehalten.

Jedes Mal wenn der kleine Junge an Mutters Hand den Bunker verließ, bot sich ein ähnlich schreckliches Szenario: Tote Pferde, Wasserfontänen und brennende Häuser soweit das Auge reichte. Trotz der schrecklichen Erinnerungen überstand Abels die Angriffe unbeschadet. Heute lebt er mit seiner Frau in Rheinhausen. An seinem Elternhaus auf der Tiergartenstraße, von wo er damals fast täglich zum Bunker rennen musste, fährt er auch heute noch häufig vorbei.