Geschäft für Korsetts und Korsagen - Nichts für drunter

Joanna Rhöse ist Diplom-Bekleidungstechnikerin und hat sich auf Korsetts spezialisiert.
Joanna Rhöse ist Diplom-Bekleidungstechnikerin und hat sich auf Korsetts spezialisiert.
Foto: WAZ FotoPool
Der Laden von Joanna Rhöse liegt etwas versteckt - aus gutem Grund. Seit drei Jahren betreibt die Diplom-Bekleidungstechnikerin ein Fachgeschäft für Korsetts und Korsagen. Wer sich hier etwas aussucht, will nicht unbedingt gesehen werden. Verstecken gilt nicht - die Modelle sind nichts für drunter.

Duisburg-Duissern. Der Laden liegt etwas versteckt an der Blumenthalstraße – aus gutem Grund. Seit drei Jahren betreibt Joanna Rhöse in Duissern ein Fachgeschäft für Korsetts und Korsagen. Kunden, die sich hier ein Kleidungsstück aussuchen, wollen nicht unbedingt gesehen werden. Dabei führt die Diplom-Bekleidungstechnikerin nicht nur Modelle für die traute Zweisamkeit, sondern auch solche, die man zu einem anderen besonderen Anlass, etwa einer Hochzeit, anziehen kann.

Schon als Schülerin hat Joanna Rhöse gerne geschneidert – deshalb hat sie sich für den Studiengang zum Bekleidungstechniker entschieden. „Da muss man auch ein paar Kleidungsstücke nähen, aber eigentlich wird man eher auf Jobs in der Industrie vorbereitet“, erklärt die 34-Jährige. Kurz vor ihrer Abschlussprüfung kam ihr zweites Kind auf die Welt. Nähen war danach eher nur Hobby. „Wenn man keine Berufserfahrung hat, stellt einen kaum jemand ein.“ Also machte sie sich vor drei Jahren mit der „Korsetterie“ selbstständig.

Mehrere hundert Euro für ein Unikat

Korsetts hatte sie schon geschneidert und sie wollte unbedingt etwas herstellen, was man nicht überall bekommt. Mittlerweile arbeite sie allerdings in der Lichtdesign-Firma ihres Mannes mit. Die Handarbeit kostet – und nicht alle, wollen mehrere hundert Euro für so ein Unikat ausgeben. Also betreibt sie die Korsetterie, für die Kunden auch vom Niederrhein nach Duisburg reisen, nun nebenher. „Ich arbeite jetzt mit zwei Herstellern zusammen, denen ich die Kundenwünsche weitergebe.“ Einer nennt sich, ausgerechnet, „Revanche de la femme.“

Joanna Rhöse kommt den Kundinnen nahe – doch sie ist verschwiegen. „Ich frage natürlich, für welchen Anlass das Korsett sein soll.“ Der eine oder andere erzählt dann schon mal. Manchmal kommt die Begleitung auch mit. Je nach Grund wird dann das Material ausgesucht: Lack, Leder, Polyester. Die Farbe der Ösen kann man wählen, die Schnüre, und ob es Korsett oder Korsage werden soll. Die Schnüre sind platt, so kann nichts verrutschen. „Korsagen passen sich dem Körper an. In Korsetts werden Metallstäbe eingearbeitet, sie formen den Körper.“ Zum Beispiel, eine Taille, wo sonst keine ist. Oder sie setzen die Oberweite in Szene.

Ein Faible für Frauenkleider

Viele Männer seien übrigens enttäuscht, wenn sie ein Korsett aufschnüren: Weil alles in Form bleibt, dauert es ein wenig, bis die Frau ausgepackt ist. Andererseits: Es gibt auch Herren, die in ihr Geschäft kommen, weil sie ein Faible für Frauenkleider haben. „Die wollen einmal eine Taille haben und suchen sich etwas Schönes aus.“

Bis das passende Teil gefunden ist, dauert es oft eine Stunde. Joanna Rhöse betreibt auch einen Online-Shop, aber am liebsten hat sie die Kunden vor sich. Die meisten schummeln nämlich ein bisschen bei der Kleidergröße – und so ein enges Oberteil verzeiht nichts. Soll das Korsett tagsüber getragen werden, kann man sich passende Boleros oder Röcke fertigen lassen. Nur als Shape-Wear sollten die Kleidungsstücke nicht verstanden werden. Joanna Rhöses Korsetts sind nichts für drunter. Sie sollen gesehen werden. Wer sie trägt, braucht Selbstbewusstsein.

 
 

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