Gesammelte Werke von K.O. Götz in der Küppersmühle Duisburg

Anne Horstmeier
K.O. Götz wurde auch immer wieder geben, den Katalog zur Ausstellung zu signieren. Seine Ehefra Rissa (Mitte) war mit angereist aus dem Westerwald, wo sie leben.
K.O. Götz wurde auch immer wieder geben, den Katalog zur Ausstellung zu signieren. Seine Ehefra Rissa (Mitte) war mit angereist aus dem Westerwald, wo sie leben.
Foto: Udo Milbret
Er ist vor einem Monat 100 Jahre alt geworden, fast erblindet und sitzt im Rollstuhl – doch seine Kunst ist stark. Daher gibt die Kunsthistorikerin Ina Ströher nun ihr Ausstellungsdebüt mit seinen Werken im Museum Küppersmühle. Und das, obwohl sie die Bilder von K.O. früher schrecklich fand.

Duisburg. Eine Retrospektive zum 100. Geburtstag des großen Künstlers Karl Otto Götz, stets nur K.O. genannt, kuratiert von einer 28 Jahre jungen Kunsthistorikern, die damit ihr Ausstellungsdebüt gibt. Das ist zweifellos ungewöhnlich, aber Ina Ströher ist als Tochter des Sammlerpaars Ströher, dem die Kunst im Museum Küppersmühle gehört, in privilegierter Position: Sie ist mit Kunst aufgewachsen und hat über K.O. Götz ihre Dissertation geschrieben.

„Wir hatten ein Götz-Bild zu Hause, ich fand’s als Kind furchtbar“, gestand Ina Ströher gestern. An die Besuche des Malers erinnere sie sich kaum, sie habe sich anfangs mit seinem Werk schwer getan. Das hat sich gründlich geändert. Der in Darmstadt lebenden Ina Ströher ist das Staunen über die besondere Museums-Architektur anzumerken, wenn sie sagt: „Die Bilder sehen im Götz-Atelier viel größer aus.“ Dieser Effekt, dass in der Küppersmühle noch die ganz großen Großformate Raum zum Atmen haben, stellt sich immer wieder ein.

Diese Kunst kommt nicht in die Jahre

Natürlich auch bei dem Maler, dessen Name am stärksten mit dem deutschen Informel verbunden ist. Götz, den Museumsdirektor Walter Smerling als „Maler der Freiheit“ verehrt, der Deutschland seine „kulturelle Würde“ zurück gegeben habe, ist nicht nur ein schneller Maler. Der im Februar 1914 in Aachen geborene Künstler, der in der Nazi-Zeit nicht malen durfte, war nach dem Krieg ganz schnell abstrakt unterwegs, wie die Ausstellung mit 80 Werken aus fast 70 Jahren Schaffen zeigt.

Sein letztes Ölbild malte er 1952, weil Ölfarbe seiner Rasanz nicht entspricht. Seine Technik wurde, die Leinwand mit einer Art Leim zu grundieren, mit verdünnter Farbe zu bespritzen, diese mit einem Rakel zu verstreichen und weiter mit dem Pinsel zu bearbeiten. So entstehen Werke von ungeheurer Dynamik, die in vielen Variationen ausschließlich von der Geste leben; gelegentlich kommt auch Farbe hinzu, was etwa in einem ganz ungewöhnlichen „Nordlicht“-Bild mit tiefdunkelblauem Himmel und grünem „Lichtstreifen“ eine tolle Wirkung entfaltet. Doch eher noch beeindruckender sind die Schwarz-Weiß-Bilder, auf denen diese abstrakten Gebilde wie Skulpturen wirken, deren Bewegung noch nicht „eingefangen“ ist. Das gelingt Götz noch in hohem Alter, wie „I-Elemente I“ von 2010 zeigt: Da scheinen die weißen Elemente durch den schwarzen Raum zu schweben, sich auszudehnen wie das Universum dem Urknall.

Geste, Bewegung, Energie: Diese Kunst kommt nicht in die Jahre.