Gerhard ist da

Anne Horstmeier
Carolin Höbing vor ihrem Mercatorkopf. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Carolin Höbing vor ihrem Mercatorkopf. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Als Neu-Duisburgerin hat Carolin Höbing einen etwas anderen Blick. Gerhard Mercator ist ihr als Namensgeber so oft in der Stadt begegnet, dass er ihr „fast schon vorkam wie eine leere Hülle“. Bei der Ausstellung „Gerhard was here!“ hat sie ein „Mercator-Klassenzimmer“ eingerichtet: mit einem überlebensgroßen Mercator-Kopf aus Papier.

Aus der ehemaligen Berufsschule am Burgplatz wird während der Akzente im Mercator-Jahr das Mercator-Quartier mit Festivallounge, Theater-, Performance- und Musikprogramm – und Ausstellung. 40 Duisburger Künstler haben sich mit Mercator beschäftigt und sich in Klassenzimmern und anderen Räumen auf fünf Etagen „ausgetobt“.

Themen der von Stacey Blatt, Elisabeth Höller und Klaus-Dieter Brüggenwerth kuratierten Ausstellung sind Karten, Atlanten und Orientierung, Koordinaten, Meridiane und der rechte Winkel, Suchen, Entdecken und Reisen, Schwarze Löcher, Sterne – und immer wieder Duisburg. Besucher sollten Zeit mitbringen, weil es viel zu sehen gibt, aber auch weil in manchen Räumen ihre Mitwirkung gefragt ist.

Lebensstationen von Gerhard Mercator

So hat der „Kunst- und Sportclub“ (KSC), als der Claudia Thümler und Andre Schweers hier auftauchen, den Linoleumboden eines Klassenzimmers mit Koordinaten aus Klebestreifen gestaltet. Besucher können ins Linoleum Orte ritzen, zu denen sie sich hingezogen fühlen. Die Ritzen werden mit Farbe gefüllt, dann mit der Hand Papier aufgedrückt – so entstehen Drucke, die zu einem neuen Atlas werden. Ähnlich der Raum von Fee Brandenburg und Mareike Engelke, die die Umrisse Duisburgs auf Boden und Wänden geklebt haben. Hier hinterlassen Duisburger mit Klebestreifen eine Kreuz an der Stelle, wo sie wohnen.

Klaus-Dieter Brüggenwerth ist nach Gangelt, Rupelmonde und Löwen gereist, also Lebensstationen von Gerhard Mercator, und dokumentiert diese Reise mit Fotos und anderen Mitbringseln. Zum Beispiel Mercator-Bier aus Belgien, das ab Freitag auch im Finkenkrug ausgeschenkt werden soll.

Der Eintritt ist frei

Susan Feind hat wieder eine herrlich skurrile Idee gehabt und „Schwarze Löcher“ („die würde Mercator heute erforschen“) gehäkelt, gestrickt und genäht. Die kann sich der Besucher über den Kopf ziehen und zur Ruhe kommen. Überhaupt gehen in der „Bastelwerkstatt“ der Künstlerinnen sehr (selbst)ironisch mit Schnittmustern, Wäscheklammern und „Routenplanern“ zu Werk, die in die Irre führen, weil die Wege nur in Friederike Hufts Kopf abgegangen worden sind. Einfach schön sind die dunklen, poetischen Räume von Angelika Stienecke, die einen „Großen Bären“ am Firmament in Schwarzlicht, und Claudia Sper, die Fundstücken aus dem Rhein in farbiges Licht taucht.

Die Ausstellung wird am Freitag, 2. März, um 21 Uhr eröffnet und bleibt bis zum 18. März im Mercator-Quartier am Burgplatz. Führungen gibt es samstags und sonntags um 16 Uhr; für Schulklassen nach Vereinbarung. Eintritt frei. Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 18 bis 22, freitags 18 bis 24, samstags 16 bis 24 und sonntags 16 bis 22 Uhr. Vernissage und Künstlerparty am 10. März um 20 Uhr.