Geld oder Leben ist das Motto der Duisburger Akzente

Oliver Schmeer
Tuvalu – Eine Reise in die Welt der Träume wird eine Akzente-Inszenierung in der Liebfrauenkirche.
Tuvalu – Eine Reise in die Welt der Träume wird eine Akzente-Inszenierung in der Liebfrauenkirche.

Duisburg.  Investmentbanker trifft die Raum-Installation „Kloaken der Macht“, Hans im Glück sucht Kunst & Kapital im Lehmbruck-Museum, und schnöder Mammon duckt sich unter der Bildgewaltigkeit und der Macht des Wortes auf der Theaterbühne: „Geld oder Leben“ ist das assoziationsreiche Motto der 35. Duisburger Akzente vom 7. bis 23. März.

Optisches Markenzeichen des ambitionierten Festivals, das scheinbar gestärkt und tatendurstig aus der Pause im vergangenen Jahr für zwei Wochen auf Duisburgs Bühnen, Plätze und in Säle drängt, ist ein in rotem Raster gedruckter Hai, der sich selbst in den Schwanz beißt – der Geldhai, der auch in seiner Gier vor dem eigenen Hinterteil nicht halt macht. Unübersehbar wird er sein: In einer Auflage von 40 000 Stück wird das opulente Programmheft ab Montag überall in der Stadt zu finden sein.

„Geld oder Leben“ – für Duisburg gilt eher: Kein Geld, und dennoch leben. Mit großem Engagement und dem Mut zu würziger Polarisierung haben Kulturamt und das Festivalbüro um Frank Jebavy das diesjährige Akzente-Programm zusammengestellt, das auf ein großes Eröffnungsportal verzichtet: „Das Geld (aus Stadt-, Landes- und Sponsorentöpfen zusammen knapp 540 000 €) stecken wir lieber ins Programm“, so Kulturdezernent Thomas Krützberg, der bei seinen ersten Akzenten als verantwortlicher Beigeordneter sichtlich beeindruckt ob der künstlerischen Vielfalt ist, die „spartenübergreifend keinen Unterschied zwischen Hoch- und Breitenkultur macht“.

In der Tat: elf Veranstalter von Oper bis Museen, zehn Ausstellungen, 23 Aufführungsorte, Hunderte Kulturschaffende, 60 Theaterproduktionen, Präsentationen, Kunstprojekte, Filme und Lesungen, jeden Akzentetag zehn bis 15 Veranstaltungen summieren sich zu einem beachtlichen Zahlenwerk.

Das Theatertreffen bleibt mit neun Gastspielen der Ankerpunkt der Akzente; bei Lessings „Minna von Barnheim“ steht der verarmte Major von Tellheim auf der Bühne, in Shakespeares „Timon aus Athen“ waren Schulden schon vor 400 Jahren aktuell. Doch die Akzente „spielen nicht nur ab, sondern produzieren auch selbst“, wie Jebavy betont. So beleben Jennifer Whigham und Jens Kerbel die neu gestaltete Liebfrauenkirche mit ihrer szenischen Installation „Tuvalu“. Buchstäbliche Akzente setzt auch wieder die Freie Kulturzene Duisburgs mit acht Inszenierungen und Aktionen; so vereint das Projekt „Das Streben nach Glück“ Künstler mit Akteuren der vieldiskutierten Straße „In den Peschen“ . Sinniger Ort zwischen Kunst und Kommerz etlicher Präsentationen ist dabei das City-Palais, das bekanntlich das Casino beherbergt.