Gefährlicher Pfusch bei der Erweiterung der Küppersmühle im Innenhafen Duisburg

Die Baustelle zur Erweiterung der Küppersmühle im Innenhafen Duisburg: Bei den Schweißarbeiten für den Kunstkubus, der auf das Silodach aufgesetzt werden soll, hat es offenbar gravierende Baumängel gegeben. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Die Baustelle zur Erweiterung der Küppersmühle im Innenhafen Duisburg: Bei den Schweißarbeiten für den Kunstkubus, der auf das Silodach aufgesetzt werden soll, hat es offenbar gravierende Baumängel gegeben. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
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Ist Duisburg am Museum Küppersmühle einer Katastrophe entgangen? Bei den Schweißarbeiten für den Kunstkubus, der auf das Silodach aufgesetzt werden soll, hat es offenbar gravierende Baumängel gegeben. Die Gebag will Strafanzeige stellen.

Duisburg. Ist Duisburg am Museum Küppersmühle einer möglichen Katastrophe entgangen? Bei den Schweißarbeiten für den Kunstkubus, der auf das Silodach aufgesetzt werden soll, hat es offenbar gravierende Baumängel gegeben, die das Stahlgerüst schlimmstenfalls vielleicht sogar hätten zusammenbrechen lassen können. „Das war brandgefährlich“, so die entsetzte Gebag-Chefin Wolf-Kröger.

Die städtische Wohnungsbautochter als Bauherrin des fast 50 Millionen Euro teuren und spektakulären neuen Wahrzeichens Duisburgs will Strafanzeige gegen die Stahlbaufirma ISS und ihren Geschäftsführer stellen.

49 von 54 Hauptknotenpunkten mangelhaft

Aufgefallen sind die schweren Baumängel, nachdem die Stadtlohner Stahlbaufirma ISS Anfang des Jahres wie berichtet Insolvenz beantragen musste und die Bauherrin Gebag eine Nachfolgefirma beauftragt hat. Das ist die Dürener Firma Queck GmbH, die bei der Ausschreibung den Kürzeren gezogen hatte. Allein aus Gewährleistungsgründen mussten die Stahlbauarbeiten bei der Baustellen-Übergabe begutachtet werden.Ärger um den Kubus

Mit der Überprüfung beauftragte die Gebag auch die Experten und Gutachter der Duisburger Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt SLV. Was dort auf der Baustelle im Innenhafen an Schweißarbeiten vorgefunden wurde, lässt Fachleute offenbar die Haare raufen. Schon frühzeitig hieß es zwar vor wenigen Wochen schon, dass es mögliche Mängel und Nacharbeiten gebe. Doch das Ausmaß der Mängel ist offenbar ungeahnt größer – Pfusch am Bau in ungeahnter Dimension.

„Da wurde handwerklich unzureichend gearbeitet. Wir müssen jetzt alle Schweißnähte komplett austauschen“, bestätigt auch der Gebag-Projektleiter Niels Schön.

Die ISS hatte auch Subunternehmen und Leiharbeiter mit den Schweißarbeiten beauftragt. Offenbar sollte Geld und Zeit gespart werden. In einigen Fällen sollen Hohlräume und Schweißnähte mit Eisen- und Blechstücken aufgefüllt worden sein. „Das macht man nicht. Da wurden die Grenzen des Legalen überschritten“, meint Schön. Auf Baugefährdung lautet daher auch die Strafanzeige der Gebag. Zumindest Verformungen und Statikprobleme hätten gedroht, wenn das monströse Gerüstgewirr hochgehoben worden wäre. Schlimmeres mag man sich gar nicht ausmalen.

Firma ISS ist pleite

„Wir haben jetzt alle Mängel erfasst und protokolliert. Nun müssen sie behoben werden“, so Wolf-Kröger. Eben diese mehrwöchigen Kontroll- und Nacharbeiten sind Grund für die Verschiebung des Hub-Termins, der nun wohl erst im Juni stattfinden wird.

Bei der Gebag schwindet auch die bisher geäußerte Hoffnung, dass die Insolvenz der ISS keine Mehrkosten nach sich zieht. Ob die Gebag die ISS dafür zur Kasse bitten kann, ist mehr als fraglich. Die Firma ist schließlich pleite.

Bei dem Stadtlohner Stahlbauer will man zu den Vorwürfen „derzeit nichts sagen“ und verweist auf den Insolvenzverwalter, den Emsdettener Notar und Rechtsanwalt Norbert Kruse. „Die Sachdarstellung der ISS ist eine völlig andere“, unterstreicht Rechtsanwalt Yorck Eymelt. Die Vorwürfe der Gebag und Dritter seien bekannt. Fachlich wolle man dies nicht bewerten, doch sei nicht auszuschließen, dass außenstehende Kritiker „eigene Interessen“ verfolgten.

 
 

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