Gebag hat Angebote zur Rettung des TaM in Duisburg einfach ignoriert

Svenja Aufderheide
Das Theater am Marientor sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Luftbild: Hans Blossey
Das Theater am Marientor sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Luftbild: Hans Blossey
Foto: foto@luftbild-blossey.de

Duisburg. Chance vertan. Auf diese kurze Formel bringt Jörg Beese das Theater ums Theater am Marientor. „Ich hätte auf Anhieb drei Musicals nennen können, die das Theater in Duisburg gerne bespielt hätten“, sagt der Musical-Experte, der das größte deutsche Musical-Magazin „Da Capo“ heraus gibt. Damit nicht genug. Auch einen kostendeckenden Theaterbetrieb hält Beese durchaus für möglich. Das habe er auch der Gebag mitgeteilt.

Nur habe sich Gebag-Geschäftsführerin Marianne Wolf-Kröger nicht mehr bei ihm gemeldet, nachdem er sein Konzept Ende Juli vorgestellt hatte. Auch ein Gebag-Mitarbeiter, der sich vordringlich um den Verkauf des TAM kümmert, sei nicht mehr zu erreichen gewesen. „Das war schon kurios“, beschreibt Beese den Vorgang gegenüber der NRZ. Dabei hat das Beese-Konzept eine durchaus erfolgreiche Vorgeschichte - in Bremen.

Bewährtes System

Dort hing das städtische Musical-Theater 2009 in den Seilen. Auch dort wurde nach neuen Betreibern gesucht. Anders als in Duisburg hatte Bremen das Gebäude gemietet und auf eigene Kosten umgebaut. Doch das Publikum kam nur spärlich. Schließlich kündigte die Stadt den Mietvertrag zum Februar 2011. Der Eigentümer, die Frankfurter Arend-Korn-Gruppe entschied daraufhin im Oktober 2010, das Haus nach dem Rückzug der Stadt zunächst selbst zu betreiben. Hier kommt Jörg Beese ins Spiel. Der wurde als Kenner der Musical-Szene von der Korn-Gruppe angesprochen und entwickelte ein Kosten-, ein Personal- und ein Spielkonzept für das Bremer Haus, betrieb selbst die Akquise. Das Haus kam in die schwarzen Zahlen, ein Käufer war angesichts der Entwicklung zügig gefunden.

Zug ist abgefahren

Zu den Neuerungen von Beese gehörte in Bremen zum Beispiel die Reduzierung der Betriebskosten. Das würde auch für Duisburg gelten. Beese: „Ich weiß nicht, wie die Gebag auf 200.000 Euro Betriebskosten kommt. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Haus wie das TAM mit 120.000 Euro pro Jahr auskommen würde.“ Auch die Personalkosten würde Beese drastisch reduzieren: Nur der technische Leiter, der das Haus kennt, bleibt auf seinem Posten. Der Rest des Personals wird nur während der Veranstaltungstage auf Rechnungsbasis beschäftigt. Allein schon so, erklärte Beese, ließen sich die Mieten für das Haus von 7500 Euro auf 3500 bis 4000 Euro senken. Dann wäre das TAM auch für kleinerer Veranstalter interessant.

Seine Kontakte in der Szene hätte er gern für Duisburg genutzt. Zumal er das Umfeld Ruhrgebiet in Sachen Musical als leichter bewertet als das Umfeld Bremen. „In Bremen wurde es verpasst, auch das jüngere Publikum anzusprechen. Im Ruhrgebiet dagegen ist jüngeres Publikum nachgerückt“, so Beese gegenüber der NRZ. Er sei überzeugt, dass er es schaffen würde, zwischen 150 und 160 Veranstaltungen für die Saison 2012/13 ins Haus zu holen: „Mittelfristig wären 200 bis 220 Veranstaltungen drin“. Denn: „Das TAM ist ein toller Standort“. Aber angesichts des offenkundigen Desinteresses seitens der Gebag, so Beese, sei der Zug für ihn persönlich abgefahren: „Ich widme mich jetzt anderen Projekten.“