Gastro-Ampel klärt über Hygiene in Küchen auf

Ingo Blazejewski

Ungeziefer in der Küche, verschmutzte Arbeitsflächen, verdorbene Lebensmittel oder Glasstücke in der Bolognese-Sauce: Wie es um die Sauberkeit in rund 600 Duisburger Gastronomiebetrieben bestellt ist, können Bürger jetzt an einer „Gastro-Ampel“ ablesen. „Es geht hier um den Schutz der Bürger vor nicht einwandfreien Produkten“, erklärte der zuständige NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel gestern bei der Vorstellung des neuen Kontrollbarometers im Rathaus. Seit Jahren sei die Beanstandungsquote gleichbleibend hoch, am häufigsten seien Hygienemängel die Ursache. Die neue Gastro-Ampel, die kein ministerialer Gourmet-Tipp ist sondern ein reines Hygiene-Siegel, soll für Transparenz sorgen, wo der Blick in die Küche verwehrt bleibt.

Neuer Anlauf durch die Hintertür

Nachdem ein bundesweiter Anlauf für eine Gastro-Ampel mehrfach gescheitert war, sind Duisburg und Bielefeld jetzt Pilotstädte für einen neuen Anlauf durch die Hintertür. Die fehlende rechtliche Grundlage für die Veröffentlichung der Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen umgeht der Minister mit einem Trick: Die NRW-Verbraucherzentrale fragt die ohnehin vorliegenden Daten aus den regelmäßigen Kontrollen bei den beiden Städten wöchentlich ab und stellt sie dann ins Netz.

Abrufbar sind die Ergebnisse in Ampelform über das Internet oder eine Smartphone-App. „Wer im roten Bereich landet, ist außerhalb jeglicher Toleranz“, sagt Remmel und schätzt die „schwarzen Schafe“, die eine ganze Branche in Verruf bringen können, auf unter drei Prozent. Unter den bisher 1000 getesteten Restaurants, Eiscafés und Imbissbuden in beiden Städten ist nur ein Betrieb durchgefallen: Die Bielefelder Pizzeria „Inferno“. Wie alle anderen Betriebe hat sie bei Nachkontrollen die Chance zur Verbesserung, die dann in die Datenbank gespeist wird. Veröffentlicht werden maximal die letzten vier Kontrollen.

„Neben der Schutzfunktion sorgt das System auch für einen fairen Wettbewerb. Denn wer sich an die Standards hält, darf nicht der Dumme sein“, sagt Remmel. Das Transparenzsystem soll langfristig dafür sorgen, dass die Mängel weniger werden. Dafür gebe es „eine begründete Prognose“, sagt der Minister und führt entsprechende Belege aus Großbritannien und Dänemark an. Ob aus dem zweijährigen Pilotprojekt ein flächendeckendes Instrument wird, bleibt fraglich: Im schwarz-roten Koalitionsvertrag finde sich dieser Punkt als eine der „wichtigsten Aufgaben im Verbraucherschutz“ jedenfalls nicht wieder, sagt Remmel.

Bei der Verbraucherzentrale ist man jedenfalls überzeugt, dass die Hygiene-Ampel Anklang findet. Vorstand Klaus Müller stützt sich auf eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung vom Oktober 2013: Demnach halten zwei Drittel die Transparenz für wichtig, die Hygiene stehe bei der Wahl des Restaurants an erster Stelle, noch vor der Qualität der Speisen und dem Preis-Leistungsverhältnis. Doch weil der Blick in die Küche verwehrt bleibt, würden 90 Prozent von der Sauberkeit der Toiletten auf die Hygienezustände in der Küche schließen. „Diese Regel hat mir schon meine Mutter eingeimpft“, sagt Müller. Statt Muttis Ratschlag soll jetzt der Blick aufs Smartphone für Gewissheit sorgen.