Duisburg

Wilde Müllkippen, nächtliche Ruhestörungen, wildes Trödeln: Marxloher sprechen über ihre Probleme

Eine solche wilde Müllkippe ist Alltag in Marxloh.
Eine solche wilde Müllkippe ist Alltag in Marxloh.
Foto: Funke Foto Services
  • Marxloh gilt als Problemviertel in Duisburg
  • Die Osteuropäer, die zugewandert sind, machen den Anwohnern Probleme
  • Wilde Müllkippen, unbewohnbare Häuser und Rattenplagen sind hier Alltag

Duisburg. Damit es in ihrem Stadtteil ruhiger wird, treffen sich die Marxloher einmal im Monat und sprechen über mögliche Lösungen. So auch an diesem Montag, dem letzten Treffen vor der Super-Wahl in Duisburg.

Zum Runden Tisch von Marxloh sind auch Felix Banaszak (Grüne) und Ob-Kandidat Gerhard Meyer (CDU, Grüne, Junges Duisburg und Bürgerlich Liberale) gekommen. Sie wollen wissen, was die Marxloher bewegt, was ihre Probleme sind.

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Schnell wird klar: Vor allem mit Osteuropäern, die in den letzten Jahren hierher gezogen sind, haben die Marxloher Probleme.

Steffi (42) ist Schulsekretärin. Sie sitzt in der dritten Reihe. Die blonde Frau ist in Marxloh aufgewachsen. Vor zehn Jahren hat sie mit ihrem Mann hier ein Haus gebaut. Doch in den letzten sieben Jahren fühlt sich die Mutter von zwei Kindern nicht mehr wohl in ihrem Stadtteil. „Wenn ich meine Kinder zum Schulbus bringe, sehe ich jeden Tag neue Müllkippen. Ich rufe fast täglich bei der Stadt an, damit das Zeug weggeräumt wird.‟

Die Menschen schmeißen immer neuen Müll auf die Straße

Steffi sagt, dass die Stadt zwar die Müllkippen entferne, aber sie glaube einfach nicht, dass das die Lösung des Problems sei. „Die Menschen verstehen das doch gar nicht. Die denken wahrscheinlich: Ach super, das wird ja weggeräumt, dann kann ich ja wieder was hinschmeißen.‟ Und dann sagt sie: „Wir müssen Sperrmüll anmelden und andere schmeißen ihren Müll einfach wahllos irgendwohin.‟

Kinder spielen nachts auf der Straße

Dann erzählt die Mutter von nächtlichen Ruhestörungen. „Mein Mann muss um vier Uhr morgens aufstehen. Nachts um halb 1 machen aber Kinder Musik an, schmeißen Mülltonnen um und spielen auf der Straße. Da passt niemand auf die Kinder auf. Wenn die Polizei kommt, ermahnen die Beamten die Kinder, aber richtige Strafen bekommen weder sie noch die Eltern.‟

Meyer will eine Verbindung schaffen

Das Problem kennen viele Marxloher. Ein Mann sagt: „Die treten auch Autospiegel ab und bekommen keine Strafen.‟ Gerhard Meyer, der OB-Kandidat, hört sich die Probleme an und zeigt Verständnis. Er sagt: „Wir brauchen hier Menschen aus der Community, die auf ihr Haus, ihre Straße achten, die aber auch ein direkter Ansprechpartner für die Polizei und das Ordnungsamt sind. Eine Art Navigator oder Hausmeister, die dann auch mal erklären, dass man den Müll hier nicht einfach auf die Straße schmeißen kann.‟

Doch das sind nicht die einzigen Probleme, die die Anwohner hier beobachten. Im gesamten Stadtteil sind an vielen Stellen Kleidercontainer aufgebaut. Daneben steht Sperrmüll, Kleidungsfetzen liegen herum. Angelika erzählt: „Wir beobachten täglich, wie Mütter oder Väter ihre kleinen Kinder in die Container kopfüber halten. Sie holen dann alles heraus, was sie greifen können und die Eltern sortieren dann vor dem Container aus. Den Rest lassen sie einfach liegen.‟

Abbau von Arbeitsplätzen macht Marxloh kaputt

Doch auch, wenn die Marxloher viele Probleme mit den Osteuropäern haben, so haben sie auch Sorgen, die im gesamten Stadtgebiet bei den Bürgern herrschen.

Am Runden Tisch sprechen sie über den möglichen Arbeitsplatzabbau bei Thyssen Krupp. Ein Anwohner sagt: „Machen wir uns doch nichts vor. Wenn Thyssen hier abbaut, dann stirbt hier der ganze Stadtteil.‟ Viele haben schon einen Strukturwandel mitbekommen, als Thyssen seinen Standort in Rheinhausen schloss. Viele haben früher bei Grillo gearbeitet. Sie wollen nicht weiter zusehen, wie Arbeitsplätze verschwinden.

Lehrermangel beschäftigt junge Mutter

Aber nicht nur der Arbeitsmarkt ist ein Problem, das viele Duisburger beschäftigt. Die Marxloher kämpfen wie viele auch um Kindergartenplätze. Der Erzieher- und Lehrermangel geht alle was an. Steffi, die als Sekretärin in einer städtischen Schule arbeitet, sagt:„Es ist doch gar nicht attraktiv für Lehrer, hierher zu kommen. Das muss sich dringend ändern.‟

Gerhard Meyer wünscht sich für Marxloh eine gelungene Integration, ein gesellschaftliches Miteinander mit Respekt. Dann wären vielleicht auch einige Probleme unter den Anwohnern gelöst.

 
 

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