Frachtschiffe auf dem Rhein immer älter

Willi Mohrs
Foto: BDB

Gepflegt und wie gerade frisch aus der Werft sehen die meisten Schiffe auf dem Rhein, auf der Ruhr oder auf dem Rhein-Herne-Kanal aus. Dabei werden sie immer älter: Durchschnittlich 61,8 Jahre alt ist ein Binnenschiff, knapp neun Jahre älter als vor zehn Jahren. Eine Ausnahme bilden allerdings die Tankschiffe: Sie werden immer jünger.

Nur durchschnittlich 25,2 Jahre haben die Tanker hinter sich – und die vergleichsweise junge Flotte für Flüssigkeitstransporte ist vor allem dem Gesetzgeber zu verdanken. Denn spätestens Ende 2018 dürfen auf den deutschen Flüssen und Kanälen nur noch Doppelhüllen-Tanker verkehren. Der doppelte Schiffskörper soll mehr Schutz bei Havarien gewährleisten – auch ein Beitrag zum Umweltschutz.

Seit 2007 wurden nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt mit Sitz in Ruhrort kontinuierlich Tankerneubauten auf Kiel gelegt. Schon seit 2013 gebe unter deutsche Flagge mehr Tankschiffe in Doppelhüllenbauweise als solche mit Einhülle.

Und was das steigende Alter der Trockengüterschiffe angeht, verweist der Verband auf die ständigen Investitionen der Branche in die Schiffe. Die würden je nach Einsatzzweck verlängert oder verkürzt, erhielten neue Motoren oder – für den Containertransport – höhenverstellbare Steuerhäuser. Eventuell, so Jörg Rusche vom BDB, sei bei einem Schiff nichts mehr identisch mit dem Zustand im Baujahr – aber allein das zähle: „Ein Schiff behält immer das Geburtsjahr.“

Zum 31. Dezember 2014 zählte die deutsche Binnenschiffsflotte – also die Gesamtheit der Fracht- und Fahrgastschiffe, die im deutschen Binnenschiffsregister eingetragen sind – 4573 Fahrzeuge. Das sind bei 65 Zugängen und 122 Abgängen in Summe 57 Einheiten weniger als noch im Vorjahr. Von einem einheitlichen Trend in der Branche kann aus Sicht des BDB dennoch nicht die Rede sein. Die Entwicklungen in den einzelnen Sparten zeichneten nämlich ein recht unterschiedliches Bild.

Die Tankschifffahrt zählte im Jahr 2014 bei 14 Zugängen (davon sechs Neubauten) und 20 Abgängen in Summe 406 Einheiten (Motorschiffe, Schleppkähne, Schubleichter), die zusammen aber beim Ladevolumen zulegten.

Weniger erfreulich stelle sich die Lage in der Trockengüterschifffahrt dar. Hier ging der Rückgang der Güterschiffe (Motorschiffe, Schleppkähne, Leichter) von 1709 auf 1665 (44 Einheiten, davon 13 Zugänge, 57 Abgänge) zugleich mit einem Verlust der Tragfähigkeit einher. Vor allem kleinere Schiffe, wie sie auf den Kanälen fahren, seien außer Betrieb genommen worden, erläuterte Rusche.

Deutlich größer als die deutsche Binnenflotte ist die der Niederländer, was auf dem Rhein nicht zu übersehen ist. Jedes zweite Schiff auf den westeuropäischen Flüssen und Kanälen trägt die rot-weiß-blaue Flagge am Heck. Auf Rang zwei kommen die deutschen Schiffer, auf Platz drei die belgischen.

Kaum eine Rolle in der Frachtschifffahrt spielen die Eidgenossen. Aber, so Rusche: „Bei den Kabinenschiffen ist die Schweiz Europameister.“ Das liege an den Steuergesetzen im Quellland des Rheins und an der traditionellen Vorliebe US-amerikanischer Reeder für einen Unternehmensitz in Basel.