Flüchtlinge machen in Neudorf Fahrräder wieder fit

Markus Sistermanns erklärt  Zaid Barakat Khodaida wie ein Rad abmontiert wird.
Markus Sistermanns erklärt Zaid Barakat Khodaida wie ein Rad abmontiert wird.
Foto: Tanja Pickartz
Kooperation mit der Werkkiste: Dank Spendengeldern konnte an der Memelstraße eine neue Werkstatt eingerichtet werden

Duisburg-Neudorf.. Bei Zaid Barakat Kohdaida ist eine Schraube locker – genauer gesagt an seinem Rad. Markus Sistermanns schaut ihm über die Schulter und erklärt den 19-Jährigen, wie man die Bremsen repariert und die Schrauben anzieht. Kein leichtes Unterfangen. Schließlich lernen er und die anderen Bewohner des Asylbewerberheims an der Memelstraße gerade erst die deutsche Sprache. Und dann ist schon von Schonhammer, Imbus-Schlüssel und Kettenpeitsche die Rede.

„Man versucht immer andere, einfache Wörter zu finden. Zur Not verständigen wir uns mit Händen und Füßen.“ Markus Sistermanns arbeitet als Meister für die „Werkkiste“ in Bruckhausen. Gemeinsam mit Jugendlichen, die an seiner Maßnahme teilnehmen, bietet er einmal die Woche Unterricht an der Memelstraße an. Norbert Geier, Geschäftsführer der Werkkiste, findet, dass sei eine Win-Win-Situation: „Unsere Jugendlichen haben hier eine Aufgabe, Kundenkontakt und sind auf Montage.“ Die Asylbewerber werden beschäftigt und entwickelten vielleicht eine Vorstellung, was sie künftig einmal beruflich tun möchten. „Viele Bewohner haben schon eigene Fahrräder, da geht immer mal wieder was kaputt. So sind wir auf die Idee mit der Werkstatt gekommen“, erklärt Stephan Koch vom Unterstützerkreis. Spendengelder des Unterstützerkreises und mit Hilfe der Stadt wurde der Umbau und die Erstausstattung finanziert.

In seiner Funktion als Flüchtlingsbeauftragter der katholischen Kirche stellte Koch den Kontakt zur Werkkiste her. Immer montags werkeln die Jugendlichen, die die Weiterbildungseinrichtung besuchen, in der neuen Fahrradwerkstatt mit den Flüchtlingen. „Ich kann Türkisch, da versteh’ ich die ganz gut“, sagt Günay Can Demir. Bastian Hentschel und Nico Manderscheid sind ebenfalls in der Maßnahme und leiten die jungen Männer an. Mittwochs gibt es dann einen Do-it-Yourself-Tag. „Im Unterstützerkreis sind einige Ingenieure, die sich hier ehrenamtlich engagieren“, sagt Koch.

Ab kommenden Montag können Spender montags von 13 Uhr bis 16 Uhr alte Drahtesel abgeben. Die werden wieder flott gemacht und für 30 bis 70 Euro den Heim-Bewohnern zum Kauf angeboten. „Auf den freien Markt begeben wir uns nicht, aber Neudorfer können bei uns kleinere Reparaturen durchführen lassen“, so Koch. Gibt’s irgendwann keinen Bedarf mehr, sollen die Räder anderen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden.

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