Finale - Lensdorf ist nicht Spanien

Die beiden bleiben übrig: An der Mercatorstraße stehen Wahlplakate von Benno Lensdorf und Sören Link gleich nebeneinander.
Die beiden bleiben übrig: An der Mercatorstraße stehen Wahlplakate von Benno Lensdorf und Sören Link gleich nebeneinander.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.. Die SPD hat schnell reagiert: Auf den Wahlplakaten von Sören Link klebt schon der aktuelle Stichwahl-Hinweis für den 1. Juli. Finaltag also nicht nur um Europas Fußballkrone, sondern auch um die Macht im Duisburger Rathaus.

Man muss kein Hellseher sein: Der dann gerade 36 Jahre alt gewordene Link gilt als Favorit. Benno Lensdorf ist nicht Spanien, das nach allgemeiner Erwartung der einzige ernsthafte Gegner für die deutsche Kicker-Elf auf dem Weg zum EM-Titel scheint. Doch Lensdorf und die CDU machen sich Mut. „Wir haben Link in die Stichwahl gezwungen“, haben die Christdemokraten als motivierende Losung ausgegeben. „Die Differenz ist schon groß. Aber jetzt werden die Karten wieder neu gemischt“, meint der 69-Jährige.

„Wir werden die unterschiedlichen Positionen jetzt deutlicher machen“

Der Austausch von Nettigkeiten mit dem Duz-Freund Sören dürfte jetzt im finalen OB-Duell vorbei sein. „Wir werden die unterschiedlichen Positionen jetzt schon deutlicher machen“, kündigt Lensdorf an: Etwa bei dem Thema Steuererhöhung und Verkauf des städtischen Klinik-Anteils. Lensdorf gibt erste Kostproben: Mit einem SPD-Mann im Rathaus wollen die Genossen zurück zu „kuscheligen alten Zeiten“. Und: Sören Link wird keinen eigenen Entscheidungsspielraum haben, also an der Leine der SPD laufen.

Die SPD will sich ihren Sieg im ersten Wahldurchgang nicht kaputt machen oder zerreden lassen. Die Brust ist breit. Die Partei auf dem Weg zurück zu absoluten Mehrheiten, schreibt die Erfolgsstory aus der Landtagswahl im Mai weiter. Seit 2005 hatte mit Sauerland ein CDU-OB das Sagen im Rathaus. Das soll sich jetzt ändern.

Bis zur Halbzeit der Stimmbezirks-Auszählung lag Link am Sonntagabend teils deutlich über der 50-Prozent-Marke. „Für einen klaren Sieg hatten wir sechs Prozent zu viel“, wundert sich Parteigeschäftsführer Jörg Lorenz: Jetzt heißt es, der SPD-Kandidat sei knapp am Sieg gescheitert.

„Das Ergebnis war toll, so fühle ich mich auch“

„Das Ergebnis war toll, so fühle ich mich auch“, meint Link am Tag nach dem 1. Wahlgang. Gleich am Montag wurde ein neuer Wahlkampf-Spot gedreht. Die SPD zieht den Wahlkampf noch mal an: In der kommenden Woche kommt erneut eine prominente Wahlhelferin: SPD-Landeschefin und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Stadt und Land, Hand in Hand, lautet da die Botschaft, die Duisburg mit einem SPD-OB Link eine gute Zukunft versprechen soll. Das Duisburger Rathaus wird wieder rot? „Ich stehe für einen neuen Stil“, versichert Link.

An der niedrigen Wahlbeteiligung allerdings kommt niemand vorbei. Nur ein knappes Drittel der über 365.000 wahlberechtigten Duisburger wollte mitentscheiden, wer Stadtoberhaupt werden soll. So gerechnet erreichte Link gerade mal 16 Prozent der Wahlberechtigten und gingen mit knapp 120.000 weniger zur Wahl als es im Februar Abwahlstimmen gegen Sauerland gab. „Wir lassen uns die geringe Wahlbeteiligung nicht als Fehler ankreiden“, betont Lorenz.

12 Prozent für Michael Rubinstein

„Der Neuanfang braucht einen Neuanfang“, bilanziert Michael Rubinstein eher enttäuscht über Wahlausgang wie Wahlbeteiligung. Der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde hielt mit dem dritten Platz und knapp 12 % der Stimmen immerhin die Fahne der Parteilosen hoch. Er hätte sich gewünscht, dass es zumindest ein Parteiunabhängiger in die Stichwahl geschafft hätte. Dann hätte es in zwei Wochen eine wirkliche Wahl-Alternative gegeben. Eine Wahlempfehlung für Link oder Lensdorf wird er nicht geben. Fast 14.000 Stimmen hatte Rubinstein geholt.

„Wir konnten mit den beiden großen Parteien nicht mithalten“, konstatiert Rubinstein. Sie sind es, die es offenbar noch schaffen, ihre Klientel an die Wahlurnen zu bekommen. Das gelang den „kleinen“ Parteikandidatinnen von Linken und Bündnisgrünen eben nicht – sie blieben mit 5,7 Prozent (Ingrid Fitzek) und 2,2 Prozent (Barbara Laakmann) auch deutlich unter ihren Parteiergebnissen. Es gelang aber auch den anderen parteiunabhängigen Kandidaten nicht.

Für Rubinstein zeigt sich aber auch, dass sich der Unmut, die Unzufriedenheit, die sich unter dem Neuanfang-Abwahlbegehren gegen Sauerland versammelte eben doch stark gegen den Ex-OB richtete und weniger die Kraft und den Blick nach vorne richtete.

„Es gibt heute eine kritische Öffentlichkeit“

Für Theo Steegmann von der Bürgerinitiative Neufang war der Kampf dennoch nicht vergebens. „Es gibt heute eine kritische Öffentlichkeit“, sagte er noch am Wahlabend. Aber auch die BI, Herzstück der Abwahl-Initiative, spielte mit ihrem Kandidaten Richard Wittsiepe (3,6 Prozent) keine Rolle. „Unsere Inhalte sind nicht rübergekommen“, erklärt das Steegmann und kündigt aber an: „Wir werden weiter kritische Fragen stellen.“

Die Parteibindung des „harten Kerns“ bescherte Link wie Lensdorf ihre Stimmenpolster. Eine Renaissance der Parteien auf niedrigem Niveau? Steegmann macht eine „tief sitzende Politikverdrossenheit“ aus. „Ich hoffe, dass Sören Link bei seiner Ankündigung eines neues Stils bleibt. Wir wollen nicht in alte Politikzeiten zurück“, fordert Steegmann.

 
 

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