Feuer in Ex-Asylbewerberheim in Duisburg-Walsum wurde gelegt

In Duisburg-Walsum bekämpfte die Feuerwehr einen Brand in einem ehemaligen Asylbewerberheim. Wegen der akuten Einsturzgefahr konnten die Einsatzkräfte nicht in das Gebäude vordringen.
In Duisburg-Walsum bekämpfte die Feuerwehr einen Brand in einem ehemaligen Asylbewerberheim. Wegen der akuten Einsturzgefahr konnten die Einsatzkräfte nicht in das Gebäude vordringen.
Foto: Udo Milbret
Das leer stehende Asylbewerberheim in Alt-Walsum, in dem am Mittwoch ein Feuer ausgebrochen war, wurde durch die Flammen komplett zerstört und ist eingestürzt. Die Ermittlungen der Polizei haben ergeben, dass der Brand gelegt wurde. Das Feuer brach nämlich an zwei Stellen im Gebäude aus.

Duisburg. Es wird keine Beweise mehr dafür geben, dass Brandstifter das ehemalige Asylbewerberheim in Walsum in Schutt und Asche gelegt haben: Es ist niedergebrannt, den Rest riss die Feuerwehr zum Ende ihres Einsatzes ab. Aber es gibt mehr als deutliche Indizien: Das Feuer brach an zwei Stellen aus – das schaffen auch keine technischen Defekte.

Als die Feuerwehr gegen 15.45 Uhr an der Königstraße nahe der Stadtgrenze zu Dinslaken eintraf, brannte das seit Monaten abgesperrte und eingezäunte Gebäude bereits in voller Ausdehnung. Flammen schlugen aus den Fenstern Die ehemaligen Bewohner hatten im Sommer, praktisch über Nacht ausziehen müssen, weil das angemietete Gebäude einsturzgefährdet war.

Der Zustand der Billig-Unterkunft erklärt auch den zeitraubenden Einsatz der Feuerwehr, die in Spitzenzeiten mit rund 100 Kräften im Einsatz war: Sie konnte nur von außen löschen - um ihre eigenen Leute nicht zu gefährden. Noch während der Löscharbeiten stürzte der durch die Flammen zerstörte Bau in sich zusammen. Glücklicherweise endete dieser Großeinsatz ohne Verletzte.

Erst kurz nach Mitternacht war das Feuer unter Kontrolle

"Die Feuerwehr bekommt die Situation hier nicht in den Griff", hatte Anwohnerin Tina Piva am frühen Mittwochabend die Arbeit der Wehrleute beobachtet und der Redaktion berichtet . Gegen 18.45 Uhr seien die Flammen zwar erstickt gewesen, doch noch immer sei dichter Rauch aufgestiegen, schilderte sie. Zu dieser Zeit war der Einsatz noch lange nicht beendet. Die eigentlichen Löscharbeiten zogen sich noch die ganze Nacht über hin. Erst nach Mitternacht hatten die Einsatzkräfte das Feuer unter Kontrolle.

Sehr schwierig gestaltete sich nämlich das Ablöschen des Brandschutts. Im Schichtdienst waren die Kräfte von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr an der Königstraße im Einsatz. Unterstützt wurden sie vom Technischen Hilfswerk, das mit einem Radlader die teilweise noch glühenden Reste des Baus auseinanderzog, damit die Feuerwehrleute diese dann löschen konnten. Auch das Rote Kreuz war im Einsatz, um die Kräfte mit Essen und Getränken zu stärken.

Feuer brach wohl an zwei Stellen aus - Brandstiftung nicht ausgeschlossen

Erst am Donnerstagmorgen hatten die letzten Einsatzkräfte der Feuerwehr den Brandort verlassen. Um zu kontrollieren, ob Glutnester wieder aufgeflammt sind, rückte die Feuerwehr am Nachmittag noch einmal zur Königstraße aus.

Nach Abschluss der Löscharbeiten nahmen die Spezialisten der Polizei ihre Arbeit auf. Die genaue Brandursache lässt sich zwar nicht mehr ermitteln, aber nach Angaben der Feuerwehrkräfte soll es an zwei Stellen des Komplexes zu einem Brandausbruch gekommen sein. Die Polizei sucht nun Zeugen, die ab etwa 15 Uhr am Mittwoch verdächtige Personen oder Fahrzeuge im Bereich der Königstraße 9 gesehen haben. Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat 11 unter der Telefonnummer 0203/2800 entgegen.

Zukunft des Heims steht auf der Tagesordnung der Bezirksversammlung

"Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn da Menschen drin gewesen wären", sagte Bezirksbürgermeister Heinz Plückelmann (SPD), als er von dem Brand erfuhr. Die Zukunft des ehemaligen Asylbewerberheims hatte schon länger auf der aktuellen Tagesordnung für die Sitzung der Bezirksvertretung am Donnerstag gestanden. "Wir haben hier nie Probleme gehabt mit den Asylbewerbern", sagte Plückelmann.

Auch Sozialdezernent Reinhold Spaniel war am Donnerstag an der Brandstelle. „Die Frage, das Gebäude zu sanieren, hat sich damit erledigt.“ Der Standort Königstraße steht bei der Stadt aber ganz oben auf der Prioritäten-Liste der sieben neuen Asylbewerber-Unterkünfte, die in nächsten Zeit wegen des erwarteten Flüchtlingsstroms stadtweit errichtet werden sollen. Nach Fertigstellung der Wohnanlage an der Masurenallee in Wedau und der Sanierung der Unterkunft Helmholtzstraße in Beeck soll an der Königstraße gebaut werden. Eine Verzögerung bei der Umsetzung sei durch das Feuer derzeit nicht abzusehen, hieß es aus dem Rathaus.

Ungeklärte Brände und offene Fragen 

Es mag ein Zufall sein, doch der Umstand sollte womöglich dennoch sensibilisieren: Neben dem Feuer in Walsum gab es in den vergangenen Wochen zwei weitere Vorkommnisse in Gebäuden, die von Asylbewerbern oder Armutsflüchtlingen aus Südosteuropa bewohnt sind: Bei dem Brand eines Hauses in Hochheide, nach dem Roma-Familien in Turnhallen unterkommen mussten, hatten die Ermittler einen technischen Defekt ausgeschlossen. Hinweise auf einen Tatverdächtigen gibt es bisher nicht.

Ebenso ungeklärt ist, von wem in der Nacht auf den 26. Oktober eine Nebelkerze im Treppenhaus einer Asylbewerber-Unterkunft in Wanheim gezündet wurde. Dort hatte der Brandalarm ausgelöst. Als Polizei und Feuerwehr eintrafen, stellten sie nur noch einen Geruch, „ähnlich dem von Knallern“ fest.

Erst einen Tag später übergab der Hausmeister der Polizei die Reste einer Nebelkerze, die nach Analyse von Experten 40 Sekunden roten Nebel verbreitet. Ein Bewohner hatte angegeben, zur Tatzeit drei Maskierte vor dem Haus gesehen zu haben. Die daraufhin eingerichtete Ermittlungskommission aus 13 Beamten fand allerdings keine Spur zu dem Täter, wie ein Polizeisprecher am Donnerstag bestätigte. (tap/mawo/ib)

 
 

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