Fernwärmenetz in Duisburg weist wettbewerbliche Defizite auf

Im Heizkraftwerk III der Stadtwerke Duisburg wird Fernwärme produziert, die einen Großteil der Duisburger Haushalte versorgt.
Im Heizkraftwerk III der Stadtwerke Duisburg wird Fernwärme produziert, die einen Großteil der Duisburger Haushalte versorgt.
Foto: WAZ FotoPool
Mit 308 Kilometern Rohrnetz zählt das Fernwärmenetz der Stadtwerke Duisburg zu den Großnetzen. Das Bundeskartellamt hat nun den Fernwärmemarkt unter die Lupe genommen, mit dem Ergebnis: Es gibt "wettbewerbliche Defizite". Fernwärmebetreiber sind weitgehend konkurrenzlos. Auch in Duisburg.

Duisburg. 308 Kilometer lang ist das Rohrnetz, das vor allem unterhalb des Duisburger Erdbodens verlegt ist und durch das rund 6000 Kunden, verteilt auf etwa 50.000 Haushalte, mit Fernwärme versorgt werden. Für das Bundeskartellamt zählt Duisburg damit, wie alle Versorgungsgebiete die eine Rohrleitung von über 100 Kilometern haben, zu den Großnetzen. Nur in elf Versorgungsgebieten in Deutschland ist die Netzlänge noch größer.

In einer drei Jahre währenden Sektoruntersuchung hat das Bundeskartellamt jetzt den bundesweiten Fernwärmemarkt unter die Lupe genommen und ist dabei zu einem für die Verbraucher ernüchternden Ergebnis gekommen. Die Untersuchung weise klare „wettbewerbliche Defizite“ auf den Fernwärmemärkten nach. „In ihrem jeweiligen regionalen Netzgebiet sind die etablierten Versorger konkurrenzlos. Die Fernwärmekunden haben keine Wechselmöglichkeiten,“ erklärt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, die gängige Praxis. In Zeiten, in denen Telekommunikations-, aber auch Strom- und Gasanbieter sogar online gewechselt werden können, hängt der Wettbewerb bei Fernwärme also weit zurück.

Keine Alternative auch in Duisburg

Im Rahmen der Untersuchung wurden 74 Unternehmen zu ihren Fernwärmegeschäften befragt. Insgesamt wurden Daten zu Netzen, Erzeugung- und Absatzstrukturen für rund 1200 Netzgebiete für die Jahre 2007 und 2008 erhoben. „Der Fernwärmesektor spielt mit einer Beheizung von rund 14 Prozent des Wohnungsbestands in Deutschland eine bedeutende wirtschaftliche Rolle“, so das Bundeskartellamt.

Auch in Duisburg haben Kunden, die sich für Fernwärme entscheiden, keine Alternative zu den Stadtwerken. Dafür haben sie einen Anbieter, der in einigen Bereichen mit gutem Beispiel voran geht. So informieren die Stadtwerke offen über ihre Preise für Fernwärme. Das machen bei Weitem nicht alle Anbieter. Eine Überprüfung der NRZ ergab, dass in kaum einem Versorgungsgebiet in der Nachbarschaft der Preis für Fernwärme vom (potentiellen) Kunden umstandslos nachvollzogen werden kann. Das verurteilen die Wettbewerbshüter scharf.

Gas als Alternative

Laut Stadtwerkesprecher Helmut Schoofs stehen die Stadtwerke auch beim Preisvergleich gut da. „Eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Wibera bei 170 Anbietern hat im Oktober 2011 ergeben, dass unser Fernwärmepreis im unteren Viertel liegt.“ An diesem guten Ergebnis dürfe sich trotz zwischenzeitlicher Preiserhöhungen nicht viel geändert haben, da auch andere Anbieter die Preise erhöht hätten. Schoofs: „Die Duisburger haben einen guten Fernwärmeanbieter vor der Haustür.“ Anders als in anderen Kommunen ist in Duisburg ohnehin, etwa in Neubaugebieten, niemand gezwungen, Fernwärme zu beziehen. „Es besteht keine Abschlusspflicht“, so Schoofs. „Überall wo Fernwärme angeboten wird, liegen auch Gasleitungen.“

 
 

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