Ferienprojekt in der Jüdischen Gemeinde Duisburg

Zlatan Alihodzic
27 Kinder und Jugendliche erarbeiteten innerhalb von vier Tagen ein Theaterstück in der Jüdischen Gemeinde am Innenhafen.
27 Kinder und Jugendliche erarbeiteten innerhalb von vier Tagen ein Theaterstück in der Jüdischen Gemeinde am Innenhafen.
Foto: Fabian Strauch
Eine Maus will hinaus in die helle Welt: 27 Kinder und Jugendliche brachten im Gemeindezentrum am Innenhafen ein Stück auf die Bühne, das auf der rabbinischen Betrachtung eines Wochenabschnitts in der Tora basiert.

Duisburg. Risse in den Wänden und Feuchtigkeit waren im vergangenen Jahr Themen im Jüdischen Gemeindezentrum am Innenhafen. Und nun auch noch Mäuse. Gut zwei Dutzend. Aber die sind durchaus willkommen. Ein Projekt mit dem Theater Kreuz und Quer brachte sie sogar auf die Bühne.

Zum vierten Mal sind die Schauspieler und Theaterpädagogen Esther Krause-Paulus und Rainer Besel mit Kindern und Jugendlichen der Gemeinde in die Welt des Theaters eingetaucht. Vier Tage hatten sie Zeit, um ein Stück einzustudieren. „Beim ersten Mal habe ich mir noch Sorgen gemacht“, räumt Besel ein. „Aber inzwischen weiß ich, dass es klappt.“ Die jüngsten Teilnehmer am Ferienprogramm der Gemeinde sind vier Jahre alt, die ältesten 15. „Bei so einer enormen Spanne bekommt man es nur schwer hin, dass alle etwas zu tun haben“, erzählt Besel. Und während er das sagt, schmettert wie zur Bestätigung ein Mädchen einen Tennisball gegen die Wand des Gemeindesaals, kleine Kinder mit grauen Pappohren und schwarzen Punkten auf den Nasen jagen über das Parkett. Aber bald werden sie ruhig – und wirken angespannt. Die Aufführung des Stücks vor Eltern und Freunden steht an.

Es geht sowohl um Spaß als auch ums Lernen

Tanya Smolianitski betreut das Ferienprojekt auf Seiten der Jüdischen Gemeinde. „Neben dem Spaß geht es uns vor allem ums Lernen und den Ausbau von Fähigkeiten“, erklärt sie. Deutsch, Englisch und Russisch wird hier gesprochen, Bewegungsübungen gemacht, gesungen und getanzt. Und die Handlung des Theaterstücks, das einstudiert wurde, basiert auf einer rabbinischen Betrachtung zu einem Wochenabschnitt der Tora. „Mäuse im Judentum“, sagt Tanya Smolianitski lachend, „ja, so ist es.“

In Anlehnung an eine Geschichte aus dem vierten Buch Mose, in der Kundschafter ins Heilige Land geschickt werden, die dann verängstigt vom dort Erlebten zum Volk Israel in die Wüste zurückkehren, machte sich im Theaterstück eine Maus auf den Weg. Sie verließ ihr dunkles Nest und schlüpfte durch ein Loch in die helle Welt. Dort begegnete sie einem Tier mit einem spitzen Schnabel und krächzender Stimme. Ängstlich flüchtete sie wieder in ihr Loch. Der Mäuseopa erklärte ihr aber, dass das nur ein Hahn war. Erneut machte sich die kleine Maus auf, begegnete aber bald einem sehr hässlichen gefiederten Tier und stürmte zurück ins Loch. Ein Truthahn sei das nur gewesen, erklärte der Mäuseopa ihr. Vor wem sie sich denn nun in der Welt vor dem sicheren Loch in Acht nehmen müsse, wollte die kleine Maus von ihrem Opa wissen. Vor dem schönsten und nettesten Tier, das du triffst, erwiderte der, vor dem mit der angenehmsten Stimme und dem weichsten Fell...

Ein Rat von einem Mäuseopa, der dieser Tage nicht aktueller sein könnte.