Feinsinnige Reise zum Niederrhein

Thomas Becker
Okko Herlyn
Okko Herlyn
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.  Niemand hat dem Niederrheiner so tief in seine Seele geschaut wie der große Kabarettist und Philosoph Hanns Dieter Hüsch. Auf seinen Spuren wandelt seit über 20 Jahren auch der Duisburger Theologieprofessor und Kleinkünstler Okko Herlyn, der jetzt sein neues Buch auf Einladung des Vereins für Literatur und Kunst und des Mercator-Verlages vor vollem Haus in der Stadtbibliothek vorstellte.

Unter dem Titel „Wie sollet sein? – Näheres vom Niederrhein und anderswo“ verspricht der Autor und Vortragskünstler „Erheiterndes und Erhellendes“ über den Niederrhein und Duisburg. Dazu gehören unterhaltsame und vergnügliche Prosatexte, Gedichte und Lieder. Dabei wurde Okko Herlyn hier in der Bibliothek von der Sängerin und Rezitatorin Irina Scholten begleitet, die sich dem Niederrhein und seinen Menschen auch musikalisch nähert.

Der 1946 in Göttingen geborene und in Ostfriesland aufgewachsene Okko Herlyn, der sich 2011 als Dozent der Ruhr-Universität Bochum in den Ruhestand verabschiedete, hat den Niederrhein längst über die Grenzen der Region hinaus zu seinem Spezialthema gemacht. So unter anderem mit CDs wie „Kopf trifft Weide“.

Zwischen Poesie und Komik

Wagemutig und mit Schwächen in den hohen Tonlagen verlegte Irina Scholten dann Klassiker wie „New York, New York“ an den Niederrhein, den Frank Sinatra wohl nie zu Gesicht bekommen hat. Dass die Grenzen des Niederrheins auf jeden Fall fließend sind, machte Herlyn deutlich: „Wie viele Beziehungen sind schon an der Frage zerbrochen, wo der Niederrhein beginnt.“

Der Professor der Theologie, der für die Rolle des Ruhrgebiet-Kumpels immer ein wenig zu seriös wirkt, lässt sich dann ganz in der Tradition von Hanns Dieter Hüsch über die wunderbar klar geregelten Verwandtschaftsverhältnisse des Niederrheins aus, der mit seinen unaufgeregten Niederungen und menschlichen Beziehungen zum Ort respektvoller und liebevoller Betrachtungen wird. Dabei hat Okko Herlyn auch auf Mauer-Inschriften geschaut: „MSV ist ne‘ Sau“.

Viel Beifall für eine feinsinnige Reise zum Niederrhein, die aber zwischen Poesie und Komik bisweilen nur schwer die Kurve kriegt.