Duisburg

Ex-Ordnungsdezernent bei Loveparade-Prozess: Veranstaltung war politisch gewollt

  • Der einstige Ordnungsdezernent war Koordinator der Stadt Duisburg für die Loveparade 2010
  • Der frühere Wahlbeamte antwortet als Zeuge im Prozess ohne Umschweife: Die Techno-Parade war politisch gewollt
  • Aber bei unlösbaren Problemen hätte er auch abgesagt

Duisburg. Die Durchführung der fatalen Loveparade 2010 war politisch gewollt. Das sagte der frühere Ordnungsdezernent der Stadt Duisburg am Dienstag im Prozess um die Aufarbeitung der Katastrophe mit 21 Toten vor dem Landgericht Duisburg.

Der heute 64-jährige frühere Wahlbeamte war im Vorfeld der Koordinator der Stadtverwaltung für die Techno-Parade. Genehmigt hat der Jurist die Veranstaltung aber nicht: Weil das Festivalgelände eingezäunt wurde, war das Sache der Bauverwaltung.

Zehn Angeklagte gibt es im Loveparade-Prozess, der in einem Saal der Düsseldorfer Messe stattfindet: Darunter sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg - allesamt aus der Bauverwaltung. Auch vier frühere Mitarbeiter der Loveparade-Veranstalterin Lopavent müssen sich seit Dezember 2017 verantworten.

Ordnungsdezernent: „Politisch ist die Loveparade gewollt gewesen“

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem fahrlässige Tötung wegen Fehlern bei der Genehmigung und Planung der Großveranstaltung im Juli 2010 vor. Die Hände übereinandergelegt, präzise in den Antworten, in Anzug und Schlips spricht der Jurist zum Vorsitzenden Richter: Anfangs sei er skeptisch gewesen wegen der Pläne für die Ausrichtung des Groß-Events.

Dann habe er Vertreter des Veranstalters Lopavent kennengelernt und den Eindruck bekommen, „dass die das können“. Er habe auch in der Verwaltung auf eine andere Linie gedrungen. Die Haltung sollte nicht von vorneherein sein, „dass wir das Ding an sich verhindern“, sagt er ohne Umschweife.

„Politisch ist die Loveparade gewollt gewesen“, betont der einstige Ordnungsdezernent und meint die Stadt Duisburg und die damalige Landesregierung. Das habe er auch bei Gesprächen mit einem ranghohen Beamten der Landesregierung in Düsseldorf erfahren.

Er sei dort offen empfangen worden. Auch Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) habe die Veranstaltung gewünscht.

Bedauern in Richtung der Opfer

Immer wieder ging es am Dienstag im Landgericht um die vielen verschiedenen Runden und Kommunikationswege, in denen von Seiten der Stadt geplant wurde. Auch dass Beamte der Bauordnung noch einen Monat vor der Techno-Parade auf wichtige Unterlagen der Veranstalter warteten.

Der Stauforscher Prof. Michael Schreckenberg habe als Berater die Pläne für die Großveranstaltung ansehen und sagen sollen, was verbesserungswürdig sei. Wenn das nicht gehe, „dann sagen wir ab“, berichtet der Ex-Dezernent über ein Gespräch.

Mehr als zwei Stunden nach Beginn seiner Aussage kommt der Jurist von sich aus auf die Tragödie der Loveparade, die vielen Toten und Verletzten, zu sprechen. „Ich bedauere das in höchstem Maße“, sagt er zu den Opfern - 21 Tote und 652 Verletzte.

 
 

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