Düsseldorf

Er ist 28, wohnt in einer WG und kommt aus Duisburg: Das will der neue Chef der NRW-Grünen jetzt ändern

Der Duisburger Felix Banaszak ist seit Ende Januar Vorsitzender der Grünen in NRW.
Der Duisburger Felix Banaszak ist seit Ende Januar Vorsitzender der Grünen in NRW.
Foto: DER WESTEN/ Matthias Biesel

Düsseldorf. Felix Banaszak ist ein waschechter Duisburger. In Meiderich geboren, in Neudorf hat er Abi gemacht. Vor neun Jahren, da war er 19 Jahre, ist er in die Grüne Jugend eingetreten. Seit 2014 hat er die Grünen-Politik in Duisburg mitbestimmt, hat für den Duisburger Norden bei der Bundestagswahl kandidiert und sich für die Rückkehr Bivsis eingesetzt.

Ende Januar ist der 28-Jährige zum Vorsitzenden der Grünen in Nordrhein-Westfalen gewählt worden. Dennoch wohnt er weiterhin in einer WG in Duisburg, pendelt jeden Tag zu seinem neuen Job in Düsseldorf.

Wir haben mit Felix Banaszak über sein Programm und die nächste Schritte gesprochen.

Grüne NRW mit derber Schlappe bei den letzten Wahlen

„Die Regierung wurde abgewählt, sowohl die Grünen als auch die SPD haben massiv verloren“, sagt Banaszak. Seine Partei hatte bei den Landtagswahlen das Ergebnis der Vorwahl mit 6,4 Prozent halbiert. Nur ein letztes Aufbäumen, eine Wahlkampf-Offensive zum Schluss, sicherte den Einzug in den Landtag, sagt er.

Woran liegt das? „Die Grünen haben es in den letzten Jahren nicht mehr geschafft, frühzeitig Antworten zu liefern“, spricht er die Verfehlungen seiner Partei an. Als Vorsitzender der Grünen möchte er dies ändern. Er will soziale Themen wieder stärken, den Menschen in den Vordergrund rücken.

Und wie will er die Menschen wieder erreichen?

„Bier mit Banaszak“ hieß eine Veranstaltung, die er in einer Kneipe in Duisburg-Ruhrort abgehalten hat. Menschen konnten mit ihm auf seine Kosten ein Bier trinken und über Politik plaudern.

„Jemand hat bei dem Treffen der Politik vorgeworfen, dass niemand etwas für alleinerziehende Mütter tut“, erzählt Banaszak von einem Gespräch an dem Abend. „Wir wollen nicht mit dem Wahlprogramm in der Hand in solch ein Gespräch gehen. Wir haben auch nicht für jedes Problem eine fertige Lösung – und wollen auch nicht so tun.“

Offen auf die Menschen in NRW zu zugehen, das sei ihm wichtig. Er möchte wieder dahin „wo es dampft und brennt.“ Das heißt gemeinsam Lösungen mit Personen finden. Nicht über ihre Köpfe hinweg entscheiden.

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Und wie reagiert er auf die Erfolge der AfD?

Seit Mai 2017 sitzt die rechtspopulistische AfD im NRW-Landtag. Woran liegt das? Felix Banaszak glaubt: „Ganz viele Menschen haben vor allem Angst vor einem persönlichem Abstieg. Mit diesen Menschen werde ich weiter das Gespräch suchen – ohne aber rassistische oder menschenfeindliche Positionen zu akzeptieren.“

Veränderungen würden vielen Wählern Angst machen, da ist sich der 28-Jährige sicher. Banaszak glaubt, dass „kein Politiker den Hebel ansetzen und diese Prozesse stoppen kann.“

Für solch ein Gefühl der Angst nennt er stellvertretend den Stadtteil Marxloh: „Veränderungen brauchen ihre Zeit und müssen politisch begleitet werden. In den 90er und 00er Jahren hatten einige im Stadtteil damit ein Problem, dass sich die Weseler Straße in eine Brautmodenmeile verwandelt hat. Mittlerweile beschweren sich die Laden-Besitzer über die heutigen Zuwanderer. Die Leute hingegen, die damals gegen die Brautmodenläden waren, sagen jetzt: Die Läden haben den Stadtteil belebt.“

 
 

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