Entschärfung der Bombe in Duisburg glückt erst im finalen Versuch

Polizeikräfte riegelten das Areal um den Bombenfundort großräumig ab.
Polizeikräfte riegelten das Areal um den Bombenfundort großräumig ab.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Erst kam der Warnstreik und dann der Bombenfund: Gleich zwei außergewöhnliche Ereignisse legten am gestrigen Mittwoch das gewohnte Innenstadt-Leben gleich für mehrere Stunden lahm. Der Verkehr auf den Straßen brach teilweise zusammen.

Menschenmassen versuchten am Mittag vergeblich, aus der City herauszukommen. Weder Busse noch Bahnen noch Züge fuhren. Ausfallstraßen waren gesperrt oder verstopft. Die Heimfahrt wurde so für viele Berufspendler zur Geduldsprobe. Zu diesem Zeitpunkt wussten viele aber noch gar nicht, dass die Innenstadt nur haarscharf an einer Bomben-Detonation vorbeigeschrammt war.

Fliegerbombe mit Säurezünder

Gegen 11 Uhr am Morgen bestätigen sich die Befürchtungen. Auf einer Schotter-Freifläche, die am südlichen Ende des Hauptbahnhofgebäudes liegt und der landeseigenen BLB gehört, stoßen städtische Mitarbeiter bei Probebohrungen auf eine britische Fliegerbombe. Weil diese mit einem Säurezünder ausgestattet ist, bleibt keine Zeit für eine langfristige Vorplanung. Es muss sofort reagiert werden.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung Düsseldorf wird alarmiert. Das Ordnungsamt der Stadt fährt sein Routineprogramm: Weil es sich um eine Fünf-Zentner-Bombe handelt, muss das Areal in einem Umkreis von 250 Metern um den Fundort evakuiert werden. 400 Menschen leben dort. Weil der Hauptbahnhof auch darin liegt, werden von Kräften der Bundespolizei nicht nur Gebäude und Bahnsteige geräumt. Auch der Zugverkehr steht ab 14.15 Uhr still.

„Wir hatten nach der Auswertung von Luftbildern vier Verdachtspunkte auf diesem Gelände. Ausgerechnet bei jenem, den wir für den unwahrscheinlichsten hielten, sind die Mitarbeiter dann tatsächlich fündig geworden“, sagt Ingo Wobker vom Ordnungsamt.

Nachdem der Hauptbahnhof geräumt ist, kommen die umliegenden Straßen an die Reihe. Polizisten müssen immer wieder erklären, warum die Menschen bis hinter die errichteten Absperrungen zurücktreten müssen. Die meisten zeigen Verständnis. Manche lamentieren verärgert wegen verpasster Termine.

Extrem schwierige Entschärfung

15.12 Uhr. Die Entschärfung beginnt. Die beiden Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst, Peter van Eck und Frank Höpp, entdecken schnell, dass der Säurezünder nicht nur teilweise abgerissen, sondern dazu auch noch verbogen ist. Das macht die Sache zu einer äußerst heiklen Angelegenheit.

16.07 Uhr. Das Zittern hat ein Ende. Die Bombe ist entschärft. Wer danach Peter van Eck in die Augen schaut, sieht aber gleich, wie sehr in dieser Auftrag mitgenommen hat. „So etwas geht keinesfalls spurlos an einem vorbei“, sagt der 59-Jährige. Es sei eine extrem schwierige Entschärfung gewesen. Der abgebrochene Zünder habe kaum Anpackpunkte geboten, um ihn herauszuziehen.

„Nach zwei gescheiterten Versuchen wurde die Sache langsam gefährlich. Bei diesem Zündertyp ist der Schlagbolzen vorgespannt. Man weiß nie, was geschieht. Wir haben uns dann nach Rücksprache aber für einen dritten und letzten Versuch entschieden. Und da hat es dann geklappt“, schildert van Eck. Und schiebt ein „Wir hatten Glück!“ hinterher. Die große Erleichterung klingt bei jedem dieser Worte heraus.

Per Krankentransport evakuiert

70 Kräfte vom Innen- und Außendienst des Ordnungsamtes waren laut Johannes Bergmann den ganzen Tag über unterwegs. Sie hatten die Bewohner persönlich oder per Wurfzettel über die Maßnahmen informiert. Sie hatten mit 25 Beamten der Duisburger Polizei die Sperrung der Straßen in der Umgebung vorgenommen. Und sie achteten darauf, dass auch kein Fußgänger die Sicherheitszone (250-500 Meter um den Fundort) betreten durfte.

„Fünf gehbehinderte oder bettlägerige Personen mussten per Krankentransport evakuiert werden“, erklärte Stadtsprecher Peter Hilbrands auf WAZ-Anfrage. In der städtischen Not-Unterkunft, die im Gemeindehaus der Katholischen Kirchengemeinde an der Goldstraße im Dellviertel errichtet wurde, hätten nur „sieben oder acht Betroffene“ Unterschlupf gesucht.

Kurios: Wenige Minuten nach Aufhebung der Sperrung waren die Straßen wieder verstopft – vom abfließenden Autoverkehr.

 
 

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