Energiewende mit Schwarmstrom

Alfons Winterseel
Anlagenmechaniker Jan Wieseler mit Hausbesitzer Bernd Uhlen vor dem Kraftwerk Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
Anlagenmechaniker Jan Wieseler mit Hausbesitzer Bernd Uhlen vor dem Kraftwerk Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
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Duisburg. Deutschland will eine Energiewende vollziehen. Wie das ganz praktisch aussehen kann, vollzieht sich gerade in einem Mehrfamilienhaus in Duissern. Dort wird ein Mini-Kraftwerk eingebaut, das nächste Woche ans Netz geht.

Mit dem „Zuhausekraftwerk“ wirbt das Energie-Unternehmen „Lichtblick“ aus Hamburg. Dahinter steht folgende Idee: Statt ein großes Kraftwerk zu bauen, bei dem viel Energie in Form von ungenutzter Abwärme in die Luft gepustet wird, werden viele kleine, gasbetriebene Kraftwerke gebaut und deren Abwärme genutzt.

"Es sollte nicht so teuer werden"

„Wir haben schon länger mit dem Gedanken gespielt, die alte Ölheizung zu ersetzen“, erklärt Hausbesitzer Bernd Uhlen, in dessen Keller drei Monteure seit Anfang der Woche ein Gewirr aus Rohren, Kabeln, Abgasleitungen und Kesseln montieren. Herzstück der Anlage ist ein Blockheizkraftwerk. Das kostet ein Menge Geld. Bis zu 35 000 Euro hat Uhlen errechnet. Doch soviel wollte er dann doch nicht anlegen. „Wir wollten etwas für die Umwelt tun, aber es sollte auch nicht so teuer werden.“

Im vergangenen Herbst hörte er erstmals etwas vom „Zuhausekraftwerk“, das von VW gebaut, mit einem Eco-Motor be- und von „Lichtblick“ vertrieben wird. Das Besondere: Der Hausbesitzer zahlt nur einen Eigenanteil von 5000 Euro. Voraussetzung ist allerdings ein Erdgasanschluss. Das Energie-Unternehmen baut die Anlage ein, wartet und steuert sie auch. Der erzeugte Strom dient allerdings nicht der Versorgung des Hauses, sondern fließt ins allgemeine Stromnetz. Weil viele kleine Kraftwerke gemeinsam so leistungsfähig sein sollen, wie ein großes, wird bei diesem Energiekonzept von „Schwarmstrom“ gesprochen. Er dient dazu, in Zeiten eines hohen Energieverbrauchs zugeschaltet zu werden, wenn andere alternative Energiequellen wie Wind- oder Wasserkraft nicht ausreichen, um den Bedarf abzudecken.

20 Euro Grundgebühr pro Monat

„Eingeschaltet werden die Zuhausekraftwerke vom Energieversorger. Darauf haben wir hier im Haus keinen Einfluss“, schildert Bernd Uhlen die Steuerungstechnik über Funksignale. Die in der Laufzeit erzeugte Wärme wird von einem Speicher abgenommen, so dass auch im Sommer bei kurzen Laufzeiten das Haus mit Heizung und Warmwasser versorgt wird. „Die Heizung springt nicht an, wenn ich dusche.“

Für die Speichertechnik und die Abgasrohre musste Uhlen selbst noch einmal in die Tasche greifen (etwa 1200 €). Die monatliche Grundgebühr beträgt 20 Euro, im Gegenzug zahlt „Lichtblick“ dem Hausbesitzer fünf Euro Kellermiete. Dann muss nur noch gezahlt werden, was an Wärme tatsächlich abgenommen wurde. Ist die nicht in ausreichendem Maße vorhanden, schalten sich zwei überdimensionale Tauchsieder ein und heizen das Wasser auf – „zahlen muss dafür Lichtblick“, so Uhlen. „In den 20 Euro Grundgebühr sind sämtliche Betriebskosten enthalten: Kundenservice, Wartung, Reparaturen, Schornsteinfeger und Versicherung. Die Installation lohnt sich allerdings erste ab einem Verbrauch von 40- bis 45 000 kWh, was in etwa 5000 Litern Öl im Jahr entspricht.