Eltern von Loveparade-Opfer durften nicht zur Pressekonferenz

Zutritt verweigert: die Hinterbliebenen Edith Jakubassa und Friedhelm Scharff vor der Pressekonferenz zum Loveparade-Anklageverfahren.
Zutritt verweigert: die Hinterbliebenen Edith Jakubassa und Friedhelm Scharff vor der Pressekonferenz zum Loveparade-Anklageverfahren.
Foto: WAZ FotoPool
Edith Jakubassa und ihr Mann Friedhelm Scharff, die bei der Duisburger Loveparade-Katastrophe ihre Tochter Marina verloren, durften nicht an der Pressekonferenz zum Anklage-Verfahren teilnehmen. Eine Stunde mussten die beiden vor der Tür der Rheinhausenhalle in der Kälte warten.

Duisburg. Für Edith Jakubassa und ihren Mann Friedhelm Scharff ist bereits im Eingangsbereich Endstation. Zutritt verweigert. Kühl wehte ihnen auf dem Weg zur Rheinhausenhalle der Februar-Wind ins Gesicht, gefühlte Eiseskälte macht sich aber in ihnen breit, als sie die Anweisung des Justizwachtmeisters hören: „Wir dürfen Sie nicht reinlassen, heute nur für Presse.“ Die aus Hochheide angereisten Eltern von Marina Jakubassa – die Einzige unter den 21 Todesopfern der Loveparade-Katastrophe, die aus Duisburg kam – müssen die nächste Stunde also vor der Tür verbringen. In dieser Zeit schildern Horst Bien, Leiter der Duisburger Staatsanwaltschaft, und Oberstaatsanwalt Michael Schwarz im Inneren einem 80-köpfigen Aufgebot an Medienvertretern die Hintergründe der Anklage gegen zehn von zuvor 17 Beschuldigten, die für die Katastrophe am 24. Juli 2010 verantwortlich sein sollen.

Schwerwiegende Planungsfehler

Nach dem Ende der über dreieinhalbjährigen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft nun also Anklage gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Loveparade-Veranstalters Lopavent wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Körperverletzung im Amt erhoben. Der Grund: schwerwiegende Fehler bei der Planung und Genehmigung der Veranstaltung sowie die unterbliebene Überwachung von sicherheitsrelevanten Auflagen am Veranstaltungstag.

Andere prominente Namen wie der von Rechtsdezernent Rabe, Lopavent-Geschäftsführer Schaller oder dem damaligen OB Sauerland fehlen auf der Liste der Angeschuldigten (siehe auch Berichte auf unseren überregionalen Seiten). Bien betont gleich zweimal, dass die Staatsanwaltschaft ausschließlich die strafrechtliche Verantwortlichkeit der Beschuldigten zu bewerten hatte, nicht aber ihre moralische oder politische Verantwortung. Und bei jenen, gegen die nun keine Anklage erhoben wurde, hätte es eben keinen hinreichenden Tatverdacht gegeben, so Bien – darunter auch alle Beschuldigten des Ordnungs und Bezirksamtes. Das Bauordnungsamt sei die für die Genehmigung zuständige Behörde gewesen. Aus ihrem Kreis kommen die sechs städtischen Beschuldigten, darunter auch Ex-Baudezernent Dressler.

„Wir sind schockiert darüber, dass wir nicht reingekommen sind und verärgert, dass die Hauptverantwortungsträger dieser Katastrophe nicht angeklagt werden. Stattdessen werden Leute verantwortlich gemacht, die nur auf Druck von oben gehandelt haben“, machten Edith Jakubassa und Friedhelm Scharff ihrem Unmut nachher Luft. Den Prozess wollen beide als Nebenkläger verfolgen, so wie einige andere Hinterbliebene auch. „Das sind wir unseren Kindern schuldig.“

Horst Bien erklärte im WAZ-Gespräch, dass die Staatsanwaltschaft bereit sei, den Hinterbliebenen der 21 Opfer im kleinen Kreis die Hintergründe für die Anklageerhebung darzulegen. Der Kontakt könne persönlich oder über den jeweiligen Rechtsbeistand hergestellt werden.

 
 

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