Eltern an Duisburger Hebbelschule scheitern mit Petition im Landtag

Die Grundschule an der Hebbelstraße in Duisburg-Neudorf muss weiter auf die versetzten Sonderpädagogen verzichten.
Die Grundschule an der Hebbelstraße in Duisburg-Neudorf muss weiter auf die versetzten Sonderpädagogen verzichten.
Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services
Im Kampf um Sonderpädagogen an der Duisburger Hebbelschule hat die Elterninitiative einen Rückschlag erleiden müssen: Der Petitionsausschuss des Landtags NRW lehnte ihre Forderung jetzt ab.

Duisburg. Es hat alles nichts genutzt. Der Protest der Eltern, deren Kinder die inklusive Grundschule an der Hebbelstraße in Duisburg-Neudorf besuchen, ist (zumindest vorerst) gescheitert: Trotz mehr als 6.500 Unterzeichnern lehnte der Petitionsausschuss des Landtags Nordrhein-Westfalen jetzt das Anliegen der Eltern ab, in dem sie forderten, den Abzug von Sonderpädagogen von der Hebbelschule an andere Schulen rückgängig zu machen. Ein Schock für die Elterninitiative. "Das ist ein Schlag ins Gesicht", sagt Christina Herold, die die Petition im September 2015 initiiert hatte. "Wir sind tief enttäuscht."

Das Schulamt in Duisburg hatte zu Beginn des Schuljahres einen Sonderpädagogen in Vollzeit an eine andere Grundschule ausgeliehen und die anderen stundenweise an weitere Schulen geschickt, um auch dort Unterricht im Sinne des 2013 beschlossenen Inklusionsgesetzes anbieten zu können. Nach diesem Gesetz hat jedes behinderte Kind in Nordrhein-Westfalen seit dem Schuljahr 2014/15 in der ersten und fünften Klasse einen Rechtsanspruch auf einen Platz an einer Regelschule. An der Hebbelschule sind durch den Abzug der speziell ausgebildeten Lehrkräfte 50 Prozent der sonderpädagogischen Betreuung weggefallen - und das an einer Schule, die seit 20 Jahren erfolgreich das "Gemeinsame Lernen" von Schülern mit und ohne Förderbedarf praktiziert hatte. Daraufhin startete Herold, Mutter einer Schülerin an der Hebbelschule, die Petition, die Vertreter der NRW-CDU sowie Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link und andere Lokalpolitiker unterstützten.

Ausschuss: "Abordnungen entsprechen der Rechtslage"

Zur Begründung seiner Ablehnung schreibt der Ausschuss: "Die an der in Rede stehenden Schule erfolgten Abordnungen und Versetzungen entsprechen der Rechtslage. Die Gründe für die Abordnungen und Versetzungen sind aus Sicht des Petitionsausschusses nachvollziehbar. Eine Rückkehr zur zuvor faktisch an der Schule praktizierten Doppelbesetzung zum Nachteil anderer städtischer Standorte des ,Gemeinsamen Lernens' wäre nicht vertretbar." Zugleich verweist der Ausschuss auf seinen Zuständigkeitsbereich, dessen Grenzen er bei der Verteilung der einzelnen Lehrkräfte sieht. Das sei eine städtische Aufgabe: "Aufgrund seiner Aufgabe und Stellung im Parlament sieht der Petitionsausschuss keine Möglichkeit, weiter im Sinne der Petition tätig zu werden."

Monatelang hatten Eltern und Unterstützer auf die Entscheidung des Petitionsausschusses gewartet. "Immer wieder wurden wir vertröstet. Und jetzt das. Man gibt uns nicht einmal eine Chance, persönlich vorzusprechen", empört sich Christina Herold. Währenddessen hätten die Hebbelschüler nach Aussagen der Eltern stark darunter gelitten, ihre Bezugspersonen ganz oder teilweise verloren zu haben. Herold sprach bereits im vergangenen November von "desolaten Zuständen", die sich bis heute nicht gebessert hätten. Die Schulleitung der Hebbelschule wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Thema äußern.

Kontakt zu anderen Schulen im Ruhrgebiet

Ihren Kampf um die Sonderpädagogen hatte Herold stets auch als Modell für andere Schulen in NRW gesehen, an denen Inklusion längst im Alltag angekommen ist - und die jetzt durch das flächendeckende Inklusionsgesetz kaputtgespart würden. Deshalb wollen die Eltern auch noch nicht aufgeben, wenngleich zunächst beratschlagt werden müsse, wie weiter vorzugehen ist. "Wir stehen in Kontakt mit anderen Schulen im Ruhrgebiet, die alle vor ähnlichen Problemen stehen", sagt Herold. "Denjenigen, die neuerdings Kinder inklusiv beschulen müssen, fehlt es noch an Erfahrung, Material und Personal. Die Schulen hingegen, die Inklusion schon seit Jahren erfolgreich praktizieren - wie die Hebbelschule - müssen an Qualität einbüßen, weil ihnen Personal genommen wird." Es reiche einfach vorne und hinten nicht. Mehr Lehrer und Sonderpädagogen müssten her, und zwar für alle Schulen. "So, wie es jetzt läuft, verlieren alle."

 
 

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