Eine Hymne auf die zarten Töne der Trauerklage

Einen Monat vor dem 200. Geburtstag Giuseppe Verdis läuteten die Duisburger Philharmoniker die neue Konzertsaison im voll besetzten Theater am Marientor mit dem „Requiem“ des reifen Meisters ein, dem einzigen Werk, das nach der offiziellen Abkehr von der Opernbühne noch Gnade vor seinen Augen finden sollte. Giordano Bellincampi gelang eine stimmige, vorzüglich ausgehörte Interpretation, bei der er sich auf ein Orchester in Hochform und bestens vorbereitete Chöre stützen konnte.

Erfrischend schlank erklang das Werk unter Bellincampis Händen, wobei der Dirigent besonderen Wert auf die dunkle Leuchtkraft der Partitur und feinste dynamische Abstufungen legte. Selbst die mächtigen Fanfaren zum „Jüngsten Gericht“ im „Dies Irae“ strahlten kultivierte Contenance und Transparenz aus. Eine introvertierte, aber keine zergrübelte Interpretation, eine Hymne auf die zarten Töne der Trauerklage ohne weichgespülte Sentimentalität.

Bellincampis ebenso nobler wie konzentrierter Umgang mit dem sehr persönlichen und bekenntnishaften Werk übertrug sich auch auf die Chöre, den von Marcus Strümpe einstudierten Philharmonischen Chor Duisburg und den „Toonkunstkoor Amsterdam“ unter Leitung von Boudewijn Jansen. Kein forcierter Ton störte den gedeckten Grundklang, Volumen und vokale Elastizität wurden glücklich verbunden.

Bei den Solisten konnten sich die Sopranistin Victoria Nava und ihre Mezzo-Kollegin Susanne Resmark mit Bellincampis Auffassung recht gut anfreunden und harmonierten auch untereinander. Antonello Palombi durchbrach mit seinem zwar strahlenden, aber sehr kraftbetonten Tenor immer wieder die Geschlossenheit des Ensembles. Der eingesprungene Bassist Ain Anger konnte dagegen vollauf überzeugen.

Bellincampi führte den mächtigen Apparat so geschickt, dass das Werk im TaM erstaunlich transparent klang. Eine Wiederholung in der Mercatorhalle wäre wünschenswert. Wann das sein könnte, vermochte auch Kulturdezernent Thomas Krützberg nicht vorherzusagen, der in einer kurzen Ansprache seine Verbundenheit mit den Philharmonikern zum Ausdruck brachte. Neue, angenehme Töne, die das Orchester auch gern einmal von seinem Vorgänger gehört hätte.

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