Eine Höllenfahrt mit Jazz-Gewitter

Ruhrort mausert sich zusehends zu einem Zentrum der freien Jazz-Szene. Neben dem Lokal Harmonie schickt jetzt auch das Kreativquartier im Gemeindehaus an der Dr.-Hammacher Straße weit gereiste Profi-Musiker ins Rennen. Im sehr attraktiven kirchenhistorischen Aufführungsortes gastierte jetzt das hochkarätig besetzte Quartett Switchback. Die Band des 60-jährigen amerikanischen Funk- und Jazz-Saxofonisten Mars Williams, der hier unter anderem mit seinem Projekt Liquid Soul 2011 beim Moers Festival bekannt wurde, war mit seinem Landsmann und Kontra-Bassisten Hilliard Greene, dem polnischen Klarinettisten und Bassklarinettisten Waclaw Zimpel und dem deutschen Schlagzeuger und Perkussionisten Klaus Kugel in einem ungewöhnlichen Konzert zu erleben. Das Publikum genoss improvisierte Musik zwischen expressiven Ausbrüchen und lyrischen Klangspielen.

Der aus Chicago stammende Mars Williams füllte mit seinem markanten Saxofon-Ton den alten Kirchenraum mit seinem bunten Steuerrad-Fenster auf Anhieb. Fernab eingängiger Melodienseligkeit lud das Quartett sein Publikum zu einer Reise in offene Klanglandschaften ein, die noch den Geist des alten Free-Jazz eines Ornette Coleman atmen, die aber auch Raum für neue ideenreiche Improvisationen bieten. Über den dynamisch gespielten und federnden Rhythmen von Bass und Schlagzeug schwebten Williams und Zimpel im munter lärmenden Duo-Dialog, der aber auch immer wieder neue musikalische Strukturen offenbarte. Mit Urgewalt und markanten Tempowechseln sind diese gereiften Herren mit allen Wassern gewaschene Steuermänner eines unter Volldampf stehenden Hochgeschwindigkeitszuges im Reich der Klänge. Greene, der mit seinem erdigen und kantigen Bass-Spiel der Ruhepol dieses stürmischen Quartetts war, hatte mit dem entspannt musizierenden und auf feine Klangfarben setzenden Perkussionisten Klaus Kugel dabei einen idealen Partner. Viel Beifall für eine ungewöhnliche Band.

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