Eine Gemeinschaft aus der Zukunft

Zlatan Alihodzic
Der Journalist, Autor und Migrationsforscher Dr. Mark Terkessidis sprach in der alten Feuerwache in Hochfeld über Stadtentwicklung und kulturelle Vielfalt. Im Foto zu sehen mir Moderatorin Petra Weis.
Der Journalist, Autor und Migrationsforscher Dr. Mark Terkessidis sprach in der alten Feuerwache in Hochfeld über Stadtentwicklung und kulturelle Vielfalt. Im Foto zu sehen mir Moderatorin Petra Weis.
Foto: WAZFotoPool
Der Migrationsforscher Dr. Mark Terkessidis sprach auf Einladung der Bürgerstiftung und anderen Initiatoren über Stadtentwicklung und kulturelle Vielfalt. Seine These: Es müsse ein Prozess in Gang gesetzt werden unter der Prämisse, Vielfalt als Alleinstellungsmerkmal zu nutzen.

Duisburg. Seit den 70er Jahren wird über Zuwanderung diskutiert, über Integration und Multikulti. Und noch immer steht die Gesellschaft vor den gleichen Problemen. „Da stimmt doch was nicht“, sagte Dr. Mark Terkessidis am Freitag in der Alten Feuerwache. Auf Einladung der Bürgerstiftung, dem städtischen Referat für Integration und dem Anti-Rassismus Informations-Centrum (ARIC) sprach der Migrationsforscher und Journalist über „Kulturelle Vielfalt in der Stadtentwicklung“.

Die Konflikte in der Gesellschaft und die Probleme im Miteinander werde man sicher nicht innerhalb von zwei Jahren lösen können, mahnte Terkessidis gleich zu Beginn seines Vortrags. „Wir reden von einem Prozess, den wir jetzt in Gang setzen und der uns 15 bis 20 Jahre begleiten wird.“ Dabei sei der Weg das Ziel, „wir müssen den Prozess vor das Ergebnis stellen“, betonte der Forscher. „Man muss auch mal etwas falsch machen können in dieser neuen Welt.“ Zu oft würde man allerdings alte Fehler wiederholen. „Offensichtlich ist die Stadt nicht stolz darauf, dass sie vielfältig ist“, erklärte Terkessidis nach einem Blick auf den Internet-Auftritt Duisburgs. Die „Vielfältigkeit als Alleinstellungsmerkmal zu begreifen“ sei im Prozess ein erster Schritt. Doch müsse sie auch Einzug in alle Institutionen halten.

Vor allem die Verwaltung der Stadt oder die Polizei sollten repräsentative Abbildungen der Bevölkerung sein. Dabei gehe es nicht nur um den Personalbestand, der sich an der Zusammensetzung der Stadtgesellschaft orientieren solle. Ein wichtiger Punkt sei die „Organisationskultur“: Wenn beispielsweise Ausländer in der Wahrnehmung von Polizisten schnell mit Kriminalität in Verbindung gebracht würden, könne sich ein Beamter mit Migrationshintergrund nicht akzeptiert fühlen.

Ein wichtiger Punkt ist, so Terkessidis, den Fokus vom Nationalstaat hin zur Stadt zu lenken. Während der Nationalstaat durch Veränderungen innen wie außen unter Druck stünde, spiele die Stadt eine immer größere Rolle. „Die Stadt ist der Ort, an dem sich Migration und Internationalität konzentrieren.“ Und an dem solle man auf die gesamte Gesellschaft schauen, nicht ausschließlich auf die Problemgruppen. Im Nationalstaat berufe man sich auf eine gemeinsame Identität, die mit der Vergangenheit zu tun habe. Dabei sei die gemeinsame Geschichte noch sehr jung. Die Herausforderung bestünde nun darin, sagte Terkessidis, „ein Gemeinschaft zu erfinden, die aus der Zukunft kommt“.