Eine Brücke zwischen den Kulturen

Der „König der Klezmer“ Giora Feidman und die Band „Gitanes Blondes“ gastierten in der Salvatorkirche.  Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Der „König der Klezmer“ Giora Feidman und die Band „Gitanes Blondes“ gastierten in der Salvatorkirche. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
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Duisburg.. Wie ein magischer Hauch wehte der Klang der Klarinette durch die winterlich kühle Salvatorkirche. Der gebürtige Argentinier und Weltbürger Giora Feidman präsentierte sich in Duisburgs mittelalterlicher Kiche als Botschafter einer stilistisch offenen jüdischen Musikkultur. Feidman (75) gab unter dem Titel „Very Klezmer“ an der Seite des jungen Quartetts „Gitanes Blondes“ ein furioses Konzert.

War der begnadete Entertainer an dieser Stelle vor einigen Jahren noch im Duo mit dem Organisten Matthias Eisenberg aufgetreten, so stellte er sich jetzt als gleichberechtigtes Mitglied in den Dienst eines Ensembles. Die „Gitanes Blondes“ bewiesen dabei äußerst ideenreich und auf hohem Niveau, wie lebendig und modern Klezmer-Musik auch heute noch sein kann. Dass dabei ein internationaler Star wie Giora Feidman nicht in der zweiten Reihe spielt, versteht sich von selbst.

Der mit einer charismatischen Persönlichkeit gesegnete „König des Klezmer“ verzauberte sein Publikum mit einer feurigen Mischung aus Folklore, Jazz und Tango. So gab es eine wunderbare Version von Angel Villoldos „El Choclo“ zu hören. Dabei kann es äußerst temperamentvoll, aber auch melancholisch zugehen, wenn Mario Korunic geradezu himmlische Soli auf seiner Geige spielt.

Korunic gründete 1999 seine „Gitanes Blondes“, eine Band, in der sich mit dem Akkordeon-Musiker Konstantin Ischenko ein weiterer hervorragender Solist befindet. Gemeinsam mit dem Gitarristen Christoph Peters und dem Bassisten Simon Ackermann schaffen die jungen Musiker aus München atmosphärisch beinahe schwebende Klanggebilde, die dann aber vom hochintensiven und wuchtigen Spiel auf der Bassklarinette abrupt aufgerissen werden

Dann sangen die vielen ergriffenen Zuhörer den alten Gassenhauer „Donna, Donna“ und folgten den heiteren Regieanweisungen Feidmans im Kanon des Chorus. Der Altmeister der Klarinette, dessen Vorfahren als von Pogromen verfolgte Juden Bessarabiens (Ukraine, Moldawien) um die Jahrhundertwende nach Argentinien auswanderten, versteht sich dabei nicht nur als Musiker, sondern auch als Mittler zwischen den Kulturen. Für ihn ist Klezmer eine „Sprache der Seele“, ein Schmelztiegel aus alten Liedern des Ostens, den die Wandermusiker bei Festen spielten. Und so ist auch die Multikultur Feidmans seine Botschaft an die Völker, sich zu vertragen. Das Publikum verabschiedete die Band und Giora Feidman mit stehenden Ovationen.

 
 

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