Ein Prosit auf diese Brauereiführung für Leser in Duisburg

Dosen rattern in der Abfüllungshalle über die Fließbänder. Direkt im Anschluss  gab’s Pils für die Leser.
Dosen rattern in der Abfüllungshalle über die Fließbänder. Direkt im Anschluss gab’s Pils für die Leser.
Foto: Funke Foto Services
Vom weiblichen Hopfen, Sinn des Maischens bis zum Pils: Ein ausgewiesener Experte geleitete WAZ-Leser durch die König-Brauerei in Duisburg-Beeck.

Duisburg. Für Norbert Nietsche ist es eine Reise in die eigene Vergangenheit: Vor 50 Jahren hat der Meidericher seine Ausbildung zum Brauer bei König Pilsener gemacht. Und an diesem Donnerstagnachmittag gehört der 64-Jährige zu den rund 50 Lesern, die bei einer weiteren Folge der Sommer-Serie „WAZ öffnet Pforten“ bei einer Führung oftmals aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen.

Horst Szelag (71) übernimmt nach einem Begrüßungs-Pils im Besucherzentrum die Leitung. Der gelernte Maschinenschlosser, der später in der Chemie-Industrie tätig war und als Quereinsteiger seit 2006 Besuchergruppen über das insgesamt 54.000 Quadratmeter große Gelände in Beeck führt, marschiert zunächst ins Sudhaus – und redet über Wasser. „Das Bier besteht zu 90 Prozent daraus“, erklärt Szelag. „Wir beziehen unser Wasser aus dem Naturpark Hohe Mark, dem Haltener Stausee.“ Der zweite wichtige Rohstoff beim Bier: Malz – und das ist getrocknete und gekeimte Gerste. Von zehn verschiedenen Mälzereien werde die Brauerei beliefert. 15 Tonnen seien für einen Sud mit 895 Hektolitern nötig, sagt der Experte und spricht schließlich über den dritten Rohstoff: Hopfen, der aus der Holledau und vom Bodensee stamme.

„Es gibt den männlichen und den weiblichen Hopfen, den wir ausschließlich verwenden, weil er unter anderem haltbarer ist“, erklärt der 71-Jährige und führt die Leser ins neue Sudhaus.

Alles wird computergesteuert

Dort erkennen die WAZ-Gäste schnell, warum es heute „nur“ noch 250 Mitarbeiter gibt und nicht mehr 1500, wie Mitte der 60er Jahre, als Norbert Nietsche noch Lehrling war. Alles wird computergesteuert. Nach einem kurzen Exkurs über den Sinn des Maischens, nämlich Stärke in Malzzucker umzuwandeln, und dem Hinweis, dass in Beeck nur untergärige, selbst hergestellte Hefe verwendet wird, geht’s mit Szelag in den Keller.

Die Leser bekommen einen kleinen Einblick in ein riesiges System von Rohrleitungen mit einer Länge von 260 Kilometern. „Wir erzeugen den Dampf selbst“, so Szelag und wirft die nächste imposante Zahl in den Raum. „Sieben Tonnen werden für einen Sud gebraucht.“

Der 71-Jährige führt die Leser nun über die „Museumsmeile“, unter anderem vorbei an einer alten Tachowaage und zwei Kälteverdichtern, zum Gärkeller mit 31 Tanks und anschließend zu 23 Reifebehältern. „Hier ist das Bier noch naturtrüb, bevor es dann geklärt wird“, sagt Szelag, der die Leser deshalb über den Lager- zum Filterkeller geleitet. Er greift sich einen kleinen Behälter mit weißem Pulver. „Das ist Kieselgur. Damit wird das Bier gefiltert.“

Nach einem letzten Abstecher in die Abfüllungshalle und einem Blick auf in diesem Fall unzählige Dosen, die über die Fließbänder rattern, freuen sich die Leser auf ein abschließendes Pils.

Für Norbert Nietsche geht die Reise in die Vergangenheit zu Ende. Er ist beeindruckt: „Alles hat sich verändert, aber es war klasse, in Erinnerungen zu schwelgen.“

1,4 Millionen Hekoliter im Vorjahr verkauft

Von den aktuell 250 Mitarbeitern in der 1858 vo Theodor König in Beeck gegründeten Brauerei sind 190 in der Produktion tätig, der Rest in der Verwaltung. Rund1,4 Millionen Hekoliter wurden 2015 verkauft, davon 35 Prozent Fassbier. In Beeck werden Pils, alkoholfreies Pils und Radler abgefüllt. Weitere Infos gibt es unter www.koenig.de.

 
 

EURE FAVORITEN