Ein Polizist als Krimiautor

Thomas Richter
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Im dienstlichen Alltag gehört Jörg Ziemer bei der Kripo Duisburg zu jenem Dezernat, das Betrugsfälle aufklärt. Im Laufe der vergangenen 25 Jahre hat der Kriminalhauptkommissar (57) aber auch in Dutzenden Fällen in Mordkommissionen ermittelt. So manche Begebenheit, die er dort erlebte, dient ihm heute als Inspirationsquelle für seine nebenberufliche Tätigkeit: das Schreiben. An diesem Donnerstag, 21. April, kommt Ziemers zweiter Kriminalroman in den Buchhandel. Er trägt den Titel „Mitten im Revier“. Diesmal entführt der Autor aus Wanheimerort seine Leser ins Fußball- und Politikmilieu. Dort geht es mörderisch zur Sache.

Genau wie sein Erstlingswerk „Recht und Rache“ hat der Kripomann auch Buch Nummer zwei unter dem Pseudonym Georg von Andechs veröffentlicht. „Ich habe von meiner Frau und meiner Mutter zum Geburtstag mal einen Adelstitel geschenkt bekommen“, erzählt der Polizist. Auf der Urkunde steht der Name Georg Graf von Andechs. Und als im Jahr 2009 erstmals Romanpläne in dem früheren Steinbart-Schüler reiften, wählte er diesen zum Namen aus, unter dem er künftig schreiben wollte.

Bei der Polizei ist Ziemer seit 1977 – also jener Zeit, in der die Republik im „Deutschen Herbst“ unter den Eindrücken des RAF-Terrors den Atem anhielt. Zehn Jahre fuhr er nach absolvierter Ausbildung Streife. 1992 entschloss er sich zu einer weiteren Ausbildung, um zur Kripo wechseln zu können. „Ich gehörte in den 90ern zu der Mordkommission, die den Rhein-Ruhr-Ripper gejagt hat“, erinnert er sich. Dieser Serienmörder wurde aufgespürt, sitzt nun lebenslang in Haft. Natürlich hat der Familienvater für seine Romane keinen realen Fall 1:1 übernommen. „Aber ich habe einige Segmente alter Fälle benutzt. 20 Prozent sind Realität und 80 Fiktion“, so Ziemer.

Auch sein Roman-Protagonist, der Kommissar Klaus Heppner, ist eine Zusammensetzung aus Charakteren verschiedenster Ermittler, mit denen er zusammengearbeitet hat. Und wie ist der Stoff im Kollegekreis angekommen? „Größtenteils sehr positiv. Ein Kollege aus der Mordkommission hat gesagt, dass unsere Arbeit endlich einmal realistisch geschildert wird. Das war für mich das größte Lob.“

Ein Feedback erhielt er auch von seinem Hausarzt. Dieser hatte Ziemers erstes Buch zufällig gekauft und erst später auf dem Autorenbild im Innenteil erkannt, dass da einer seiner Patienten literarisch tätig war. Sieben bis neun Monate benötigt Ziemer für die Fertigstellung eines Romans. „Ich schreibe immer nur in meiner Freizeit oder im Urlaub. Das Schreiben ist für mich aber Erholung pur.“ Obwohl das zweite Buch erst übermorgen erscheint, arbeitet der leidenschaftliche Tenor und Chorsänger bereits am dritten. Und Ideen für weitere Romanstoffe liefert ihm sein Berufsalltag. Garantiert.