„Ein musikalischer Kulturschock“

Ein solches Instrumentarium wird man in Europa derzeit kaum ein zweites Mal sehen.
Ein solches Instrumentarium wird man in Europa derzeit kaum ein zweites Mal sehen.
Foto: za

Duisburg.. Es riecht seltsam, nach Räucherstäbchen. Tatsächlich ist es eine Zigarette aus Myanmar. Es klingt komisch, nach einem perlenden Glockenspiel. Doch es ist ein Trommelkreis. Auch aus Myanmar. Und dann sieht man sie, die Fünf, die dahinterstecken. Aus Myanmar. Im Bruckhausener Kulturbunker bereiten sich die Musiker auf ihr Konzert beim Platzhirsch-Festival vor. 2010 begann der Austausch, der europäische und asiatische Künstler verbinden soll.

Zum zweiten Mal hat das Projekt den in seinem Heimatland bekannten Schauspieler Nan Win nach Deutschland gebracht. Er sitzt im Aufnahmestudio auf dem Boden und spielt Si Wa. Es ist das einfachste Instrument im Raum, ein kleines Becken und eine Holzklapper. Wenn er und seine vier Kollegen hier Besuch bekommen von den europäischen Musikern, die mit ihnen am Sonntag auf dem Dellplatz spielen werden, wundert er sich immer wieder über ihr Interesse. „Es überrascht mich, dass die Musiker mit so viel Herzblut und so viel Begeisterung die burmesische Musik hören und spielen“, sagt Nan Win. In die traditionellen Stücke, die er spielt, kann er die Einflüsse von seinen Reisen nach Europa nicht einbauen. Seine Kollegen haben aber vorsichtig damit begonnen, Soli zu integrieren, die es in ihrer Musik sonst nicht gibt.

Musikalische Begleitung eines Stummfilms

„Beim ersten Besuch war es ein musikalischer Kulturschock“, sagt auch der Duisburger Musiker Tim Isfort, der das Projekt initiierte. „Aber das musikalische Verständnis wird besser. Jetzt weiß man auch, was gerade jemand macht, wenn man mal rüber guckt. Und wenn etwas nicht geklappt hat, bekommen das auch alle mit“, erzählt er. Zu Beginn der Zusammenarbeit hätten sich die Gäste mit ihrer asiatischen Höflichkeit noch nach jedem Durchgang lobend geäußert. „Und auf unserer Seite herrschte auch übertriebene Fürsorge.“

Dass aus dem Austausch ein Projekt auf hohem musikalischen Niveau geworden ist, bemerkte man auch in der Bundeskunsthalle in Bonn. Dort wird „Myanmar Meets Europe“ in der nächsten Woche, nach dem Konzert in Duisburg, einziehen und an der musikalischen Begleitung eines Stummfilms arbeiten. Auch Blixa Bargeld, ehemaliger Sänger der Band Einstürzende Neubauten, ist daran beteiligt. Die erste Aufführung ist für 2014 geplant, anschließend sollen die Musiker gemeinsam touren – mit der Si Wa, dem Trommelkreis und dem Duft von Rosenzigaretten.

Myanmar Meets Europe: Sonntag, 1.9., 20.15 Uhr, Platzhirsch-Festival auf dem Dellplatz, Eintritt zur Außenbühne frei.

Roland Heinrich singt Lieder aus dem Alltag

Ernsthafte Country-Musiker gibt es kaum in diesem Land. Dieser hier könnte, will aber weder das eine noch das andere sein: Country ist nur eine Facette der Musik von Roland Heinrich, und ernst ist er schon gar nicht. Heute Abend spielt er beim Platzhirsch-Festival.

„We only laugh to keep from crying“, sagt der gebürtige Oberhausener. Lachen, um nicht zu weinen. So eng liegen diese Gefühle in seinen Liedern beieinander. „Daraus entwickelt sich ein gewisser Humor, Galgenhumor. Wenn man nicht mehr fallen kann, guckt man ganz anders nach oben.“

Dabei entdeckt er zum Beispiel eine Frau aus Bielefeld-Brackwede. Oder da ist ein Bonanzarad, das einen Schlackeberg hinaufgeschoben wird. „Das Skurrile, das Bizarre, das Herzliche und die nicht bewertende Beobachtung“ hätten ihm in der deutschsprachigen Musik gefehlt. „Hier muss immer alles lustig oder ernsthaft sein“, erklärt Heinrich. Beides zusammen ginge nicht.

Traurige und witzige Beobachtungen

Bei Roland Heinrich geht’s. „Ich denke, dass es viel mit dem Taxifahren zu tun hat. Mir sind im Taxi Dinge aufgefallen, die im Alltag der Leute normal sind. Ich habe gesehen, wovon ich in Blues- und Country-Liedern gehört habe.“ Es ist der Alltag, dem der Hörer in Heinrichs Songs begegnet. Der ist rührender als das tausendste Lied über eine gescheiterte Liebe. „Hinter diesen Liedern kann man sich verstecken, diese Sachen sind ja heute wieder in Mode“, sagt Heinrich. „Mit tiefgehenden und ernsten Liedern von deutschen Liedermachern kann man mich aber jagen.“

Und so erzählt er Geschichten, die man aus dem Alltag kennt oder die zumindest jeder ohne Weiteres erleben könnte. Deshalb sind seine Beobachtungen nicht nur traurig und witzig, sondern vor allem wahr. Und manchmal weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll.

Roland Heinrich live: 31.8., 18 Uhr im Fino, 22 Uhr im Grammatikoff.

 
 

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