Ein Konzert im Zeichen Europas

Foto: WAZ FotoPool

Eine schöne Geste, wenn sich zum „Tag der Befreiung“ Künstler aus Deutschland und den Niederlanden zusammenfinden, um der schlimmen Vergangenheit zu gedenken und zugleich zuversichtlich in eine friedliche Zukunft zu blicken. Für diesen in den Niederlanden am 4. Mai landesweit gefeierten Anlass studierten der Philharmonische Chor Duisburg und das Symfonieorkest Nijmegen gemeinsam das vielleicht menschlich wärmste und tröstlichste Requiem der Musikgeschichte ein: Johannes Brahms‘ „Ein Deutsches Requiem“, das seinen Namen lediglich den verwendeten deutschen Texten verdankt. Aufgeführt wurde es am Vorabend des 4. Mai im Duisburger Theater am Marientor, bevor es bald auch in Nijmegen zu hören sein wird.

Auch wenn die Gräben zwischen den beiden Ländern in den vergangenen friedlichen Jahrzehnten mittlerweile zugeschüttet wurden, erinnerte Frank van Beuningen, der stellvertretende Generalkonsul der Niederlande, in seiner Gedenkrede daran, dass „Freiheit und Demokratie“ Werte seien, „die jeden Tag neu gelebt werden müssen“. Van Beuningen setzte diese Verpflichtung in Beziehung zum europäischen Gedanken und vertiefte damit die Ausführungen der beiden deutschen Redner des Abends: Oberbürgermeister Sören Link, der „Respekt, Empathie und Solidarität“ einforderte, sowie Peter Gasse, dem Arbeitsdirektor der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann.

Der groß besetzte Philharmonische Chor und das ebenfalls stattliche Symfonieorkest Nijmegen bildeten eine imposante Kulisse für diese Botschaft. Marcus Strümpe, der Leiter des Duisburger Chores, betonte die klangliche Wärme, hielt das Orchester deutlich zurück, arbeitete aber auch die positiven, zuversichtlichen Teile deutlich heraus, ohne die Tempi der wenigen Fugati und die Dynamik der dezent gesetzten Höhepunkte zu überdrehen. Der Chor zeigte sich für die große Aufgabe gut vorbereitet, auch wenn die Balance zwischen den übermächtigen Frauen- und etwas dünner besetzten Männerstimmen mitunter aus dem Ruder lief. Ein Problem vieler Laienchöre. Das niederländische Orchester erwies sich als kompetenter Partner und drängte sich an keiner Stelle in den Vordergrund.

Die Sopranistin Iris Kupke gestaltete ihren zarten Trostgesang mit der gebührenden Schwerelosigkeit, ohne die Ausdruckskraft zu vernachlässigen. Der Bariton Niklaus Kost führte seine Stimme kultiviert, wirkte jedoch emotional sehr neutral.

Begeisterter Beifall für eine eindrucksvolle Interpretation des kostbaren Werks, die mehr als nur ein musikalisches Ereignis dokumentierte, sondern auch Zeichen für eine friedliche Zukunft der beiden Länder und Europas setzen will.

EURE FAVORITEN