Ein Denkmal für Vincent van Gogh

Foto: Michael Dahlke

„Die Welt ist um 70 Bilder reicher geworden“: Vor einem Jahr hat Wolfgang Müller sein Van-Gogh-Museum eröffnet und dem niederländischen Maler in einem Meidericher Hinterhof ein Denkmal gesetzt. 500 Bilder und Zeichnungen hat der Duisburger bereits interpretiert. Seitdem haben sich dutzende Schulklassen und Gruppen Müllers recht originalgetreue Arbeiten von van Gogh angesehen. Inzwischen ist das Museum um weitere 170 Quadratmeter gewachsen, die Schau noch größer und Müller seinem Idol noch viel näher gekommen. Er schläft jetzt sogar in der Ausstellung und frühstückt in der Küche, die er dem Bild „Die Kartoffelesser“ nachempfunden hat.

Schau erweitert

Auf der Anrichte steht Margarine, auf dem alten Bollerofen eine Packung Beutelreis, Garzeit acht Minuten. Daneben ein Glas Kräutersoße. So recht wollen die Lebensmittel nicht in die Szenerie aus einer anderen Zeit passen. „Ich habe mir gedacht, ich verbringe so viele Stunden hier mit dem Malen, da kann ich auch direkt meine Wohnung aufgeben“, erzählt der 46-Jährige. Mehr noch: Er schläft sogar in einem Bett, dass dem Gemach, das van Gogh auf einem Bild gemalt hat, zum Verwechseln ähnlich sieht. Um den Raum so zu möblieren wie im Gemälde, reiste Müller durch die gesamte Republik, bis er so ein altes Holzbett fand. Sein Fernseher steht übrigens auf einem Tisch, dessen Platte, natürlich, ein kopiertes Bild ist.

Mit seinem Museum, in dem Müller zugleich Künstler, Direktor, Hausmeister und Führer ist, hat er einen Nerv getroffen. Die Gruppen, die sich die Sammlung anschauen, kommen nicht nur aus dem Ruhrgebiet, sondern aus der ganzen Republik. Aber auch Einzelbesucher lassen sich durch die Schau führen. Nur die Stadt Duisburg unterstützt sein Engagement bisher noch nicht.

Wenn Müller Geld für neue Farbtuben braucht, verkauft er manchmal ein Bild. Gerne macht er das nicht. „Dann muss ich es ja nochmal malen.“ Jedes ist ihm ans Herz gewachsen, er kann genau referieren, zu welcher Zeit das Motiv entstanden ist und wie sich die Werke entsprechend van Goghs Stationen weiterentwickelt haben. Sein Ziel ist es, alle Gemälde in seiner Sammlung zu haben. Über 1000 Bilder gibt es, dazu noch zahlreiche Zeichnungen. Diese kopiert er ebenfalls und koloriert sie.

In den nächsten Monaten hat der Künstler, der stets von „Vincent und ich“ spricht, noch genug zu tun. Aber was, wenn er mal alle Bilder der niederländischen Ikone gemalt hat? „Dann habe ich Zeit – und fange endlich an zu leben.“

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