Ein Denkmal für alte Nachbarn

Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPo

Duissern..  An der Mauer im Vorgarten des Hauses Prinz-Albrecht-Straße 6 hängen Winfried Kloers neue Nachbarn – die Köpfe von Dr. Sally Kaufmann und Dr. Manass Neumark. Winfried Kloer, ehemaliger Kunstlehrer am Steinbart-Gymnasium und im Ruhestand verstärkt als bildender Künstler aktiv, hat die Beton-Plastiken geschaffen. Sally Kaufmann hat in den 20er und 30er Jahren in der Prinz-Albrecht-Straße gelebt. Er war ab 1936 Vorsitzender der Jüdische Gemeinde, hat sich vor allem um die Integration der polnischen und russischen Juden in Duisburg bemüht, und die Geschicke der Gemeinde von der Prinz-Albrecht-Straße aus geleitet. Manass Neumark kam selbst aus Posen, war mit Kaufmann eng befreundet und der erste Rabbiner der Jüdischen Gemeinde. Neumark hat zudem jüdische Theologie am Steinbart-Gymnasium unterrichtet. Kaufmann und sein Adoptivsohn Walter waren Schüler am „Steinbart“. Gründe genug für Winfried Kloer, ihnen ein Denkmal zu setzen

Zeitzeugen-Gespräche

Vor dem pensionierten Pädagogen liegt das Buch „Tatort Duisburg 1933-1945. Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus“, das der ehemalige „Steinbart“-Geschichtslehrer Manfred Tietz mit herausgegeben hat. So hat sich Kloer immer wieder mit der Historie der Stadt, der Schule, aber auch der Prinz-Albrecht-Straße auseinandergesetzt. „Duissern, vor allem diese Straße, war ein jüdisches Zentrum“, erzählt er. Nicht nur der Rechtsanwalt Kaufmann lebte hier, auch die Familie Lauer, die ein Kaufhaus besaß. Später wurde aus dem Geschäft „Horten“. „Die West-Juden waren angesehen, gut situiert, einige von ihnen sind nach dem Ersten Weltkrieg mit dem eisernen Kreuz ausgezeichnet worden.“ Die Juden aus dem Osten seien hingegen ganz anders sozialisiert worden. Beide Mentalitäten zusammen zu bringen, sei schwierig gewesen. Meist ging es um praktische Fragen, etwa ihnen eine Wohnung zu vermitteln.

Später zwang die Gestapo Kaufmann, die Juden über ihren Abtransport zu informieren. Als Rechtsanwalt durfte er nicht mehr arbeiten. Zunächst schickten ihn die Nazis auch nach Dachau, doch dann wurde er nach Duisburg zurückgerufen, um die Reste der abgebrannten Synagoge „zu entsorgen“. Bis 1943 lebte Kaufmann in Duisburg, dann wurde er nach Theresienstadt deportiert. 1944 starb er in Auschwitz.

Sein Adoptivsohn Walter hat ein Buch über seine Kindheit auf der Prinz-Albrecht-Straße geschrieben. Kloer hat es mit seinen Schülern gelesen. Zudem war Walter Kaufmann als Zeitzeuge zu Gesprächen am „Steinbart“. „Davon waren die Schüler sehr beeindruckt“, sagt Kloer. Auf der Prinz-Albrecht-Straße erinnern Stolpersteine an die ehemaligen Nachbarn.

 
 

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