Ein Club, eine Tram

Daniel Wiberny
Der Vorsitzende des Tram-Clubs 177: Günter Bauhaus in der nostalgischen Straßenbahn.
Der Vorsitzende des Tram-Clubs 177: Günter Bauhaus in der nostalgischen Straßenbahn.
Foto: Fabian Strauch
Der Tram-Club 177 aus Duisburg kümmert sich rührig um die einzige nostalgische Straßenbahn der DVG, organisiert auch Sonderfahrten mit dem alten Schätzchen, das vor rund 30 Jahren zum Partywagen umgebaut worden ist. Allerdings hat der Verein mit Nachwuchsproblemen und Mitgliederschwund zu kämpfen.

Duisburg.  Wenn heute das Partyvolk in der einzigen nostalgischen Straßenbahn der DVG seine Runden drehen will, werden die wenigsten sofort um die historische Bedeutung dieses Gefährts wissen. Im Gegensatz zu Günter Bauhaus (69), Vorsitzender des Tram-Clubs 177, und Vereinskollegen wie Anton Gumpert (61) und Heinz Hufen (74). Heinz Hufen hat vor 24 Jahren zwar selbst seinen Polterabend in der Tram gefeiert, aber selbstverständlich nicht vergessen, dass sie 1926 als erster sechsachsiger Gelenkwagen der Welt in Betrieb gegangen ist. Der Club, 1992 von ehemaligen Straßenbahnern und Busfahrern gegründet, kümmert sich rührig um das alte Schätzchen, das im Betriebshof Grunewald steht und nur noch als Partywagen im Einsatz ist. Allerdings verteilt sich die Vereinsarbeit auf immer weniger Schultern. Der Club hat mit Nachwuchssorgen und Mitgliederschwund zu kämpfen.

Mitgliederschwund

„Es geht um den Erhalt des Vereins“, redet Günter Bauhaus gar nicht erst um den heißen Brei herum. Der Vorsitzende gehört zu den Gründungsmitgliedern und denkt ein wenig wehmütig an die Zeiten Ende der 90er Jahre zurück, als der Verein noch bis zu 90 Mitglieder zählte. Heute sind es gerade noch 34, die meisten im gesetzteren Alter. „Es ist schwierig Nachwuchs zu finden, das Freizeitangebot ist riesengroß“, sagt Günter Bauhaus, der als Straßenbahnfahrer, Verkehrsmeister und Fahrdienstleiter gearbeitet hat. Er gibt die Hoffnung aber nicht auf, auch mehr jüngere Duisburger für den Verein zu gewinnen.

Die Straßenbahn sei einfach ein faszinierendes Hobby – erst recht mit der nostalgischen Tram. Die Gesellschaft Harkort, eine Aktiengesellschaft der Eisenindustrie und Brückenbau, habe 1925 zwei mit den Wagennummern 176 und 177 versehene Doppeltriebwagen, die ersten Gelenkfahrzeuge der Welt, in Duisburg gebaut – deshalb bis heute als „Harkortwagen“ bekannt.

Ab 1970 kam zunächst die Tram 176 als erste bunte Partybahn zum Zug, ging dann allerdings in Flammen auf. So wurde die Tram 177 vor 30 Jahren als Nachfolgerin umgebaut, um Stadtrundfahrten, Hochzeiten oder Halloween-Feten zu einem besonderen Erlebnis werden zu lassen – bereits damals ausgestattet mit CD-Wechsler sowie Küche, Theke, Zapfanlage und Toilette. Darüber hinaus bietet der Tram-Club alle Jahre wieder Nikolausfahrten für den guten Zweck an. Erst vor einigen Wochen freuten sich die Kleinen aus dem SOS-Kinderdorf in Großenbaum über einen besonderen Trip. „Gerade für Kinder ist es natürlich schön, wenn sie auch mal ganz vorne beim Fahrer reinschnuppern dürfen“, erzählt Vereinsmitglied Anton Gumpert, der 46 Jahre lang in der DVG-Werkstatt Straßenbahnen wieder flott gemacht hat.

Aber nicht nur die Jüngsten seien von den Touren über Hüttenheim nach Dinslaken und zurück zum Betriebshof begeistert. Anton Gumpert erinnert sich an eine damals 100-Jährige, die vor zwei Jahren genau gewusst hat, mit welch bedeutender Bahn sie unterwegs ist. „Sie hatte 1926 die erste Fahrt mit der Tram 177 mitgemacht...“