Ein Bayer und die Burger

Modernes Design prägt die Burger-Filialle im Hauptbahnhof. Foto: Gerd Wallhorn/WAZ FotoPool
Modernes Design prägt die Burger-Filialle im Hauptbahnhof. Foto: Gerd Wallhorn/WAZ FotoPool
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Duisburg. Ein Bayer brät Burger. Ganz richtig ist das Wortspiel nicht. Denn Markus Schröpfer ist zwar gebürtiger Bayer, aber er lässt Burger braten, sorgt vielmehr dafür, dass die richtigen Leute das Richtige tun.

„People business“ nennt er das Geheimnis seines Erfolges: Der 47-Jährige ist quasi Duisburgs „Mr. Burger“ oder markengerechter „Mr. McDonald’s“. Ziemlich strahlend und auch ziemlich stolz steht der smarte Unternehmer in seinem unzweifelhaft gelungenen, jüngsten Erfolgsstück: in seiner 5. Duisburger Burger-Filiale im Hauptbahnhof. Klar, freut ihn mit verschmitztem Lächeln, dass er das Fast- Food-Domizil der Burger-Konkurrenz abgeluchst hat. Zufrieden ist er auch, dass der ehemalige 1.Klasse-Wartesaal des Hauptbahnhofes (lang ist das her) in rekordverdächtigen drei Monaten umgebaut, nein umgestylt, wurde. Und das für satte fünf Mio € (4 von McDonald’s, 1 von ihm).

Doch vor allem lässt ihn das Wie genüsslich in den futuristischen Drehsessel auf der Empore sinken: Die Filiale ist sein Meisterstück, schon als „Flagship-Store“ in Deutschland gekürt. „Daran habe ich richtig Spaß“, sagt er und schaut auf das edle Mobiliar, die riesigen Fotowände in einer Mischung aus spacig, Graffiti und Industrielook, die es nur noch in Berlin am Checkpoint Charly gibt. Mit Plastik-Fast-Food-Abfertigung hat das alles nichts mehr zu tun. Die Sessel lässt er übrigens noch austauschen Sie sollen aus Leder, nicht aus Kunstleder sein.

„Wir wollen weg von der Pommes-Bude. Wir wollen ein richtiges Restaurant sein“, sagt Schröpfer und lässt sich einen Cappuccino bringen. Süßstoff und fettarme Milch sind exklusiv für ihn drin, und ein aus Kakao gepulvertes M (für alle Kunden) auf der aufgeschäumten Milchkrone.

Alles ist gut, scheint Schröpfers unausgesprochene Botschaft. Das war anfangs nicht so, als er vor neun Jahren die vier Duisburger Filialen in Hamborn, Rheinhausen, Großenbaum und in der City auf der Königstraße übernahm. So charmant der 47-Jährige daher kommt, so konsequent setzte er seine Philosophie um. Wer nicht mitzog, der hatte Probleme. Schröpfer der Schröpfer? „Schwere Kost für die Arbeitsgerichte“ titelten damals Zeitungen. „Die Fronten waren verhärtet“, umschreibt das der Chef.

Doch Schröpfer verweist auf seinen Erfolg. 175 Mitarbeiter gab es damals, jetzt sind es 330. Mit knapp 30 Auszubildenden, einem eigenen Schulungszentrum („wir brauchen Gastronomen, keine Küchenhelfer“). Mit Umsatzsteigerungen, die weit über dem McDonald’s-Durchschnitt liegen. Mit einem neunköpfigen Betriebsrat, der zum großen Teil noch der alte ist.

Ob Singapur, Moskau oder Harare: Pommes und Burger mit dem M schmecken überall gleich, das ist die Botschaft der industriellen Ess-Kultur. „Nein“, widerspricht Schröpfer. Wo ungelerntes oder zu knappes Personal die Fritten zehn Sekunden zu lang im Fett lässt eben nicht. „Ich bin kein Gastronom, ich kann auch nicht kochen. Mein Erfolg liegt im Personalwesen.“ Gute, motivierte, „frische“ Teams will er haben. „Wenn ich mehr Umsatz will, brauch ich vorher mehr Personal“, erklärt Schröpfer und betont: „An seinem schlechten Ruf war McDonald’s selber schuld.“

Ein schlechter Ruf eilte auch dem Revier und Duisburg voraus, als der gebürtige Regensburger vor neun Jahren an den Rhein in die vermeintliche Schimanski-Schmuddelecke kam. „Das war ein Schock für mich und meine Frau“, räumt er ein. Doch Duisburg ist aus der Talsohle raus, meint er. „Hier ist unheimlich viel passiert“, verweist er beispielhaft auf die Innenstadt, auf den Innenhafen. Duisburg hat große Potenziale.“

Das ist keine Überraschung: Schröpfer ist ein positiv denkender Mensch: „Ich kann die dauernde Jammerei nicht verstehen“. Gepaart ist diese Eigenschaft mit einer Portion Ungeduld, nach der Losung, wenn die anderen nicht aus den Pötten kommen, mach ich’s halt selbst: So war Schröpfer der einzige, der vor seine Kö-Filiale die verschmutzte Glasarkade reinigte, bis endlich die Putzkolonne kam. Er gehört auch zu den Geldgebern, die die Gestaltung der Bahnhofsplatte mit vorfinanzieren wollen. Seine Ungeduld, dass es da nicht voran geht, verbirgt er hinter einem Lächeln.