Ein Ausstellungs-Experiment gelingt in Duisburg

Florian Fausch  (links) und Ted Green vor einer Gemeinschaftsarbeit in der Ausstellung „Viscous“.
Florian Fausch (links) und Ted Green vor einer Gemeinschaftsarbeit in der Ausstellung „Viscous“.
Foto: Funke Foto Services
  • Florian Fausch und Ted Green, ein Schweizer und ein Kalifornier, haben in Düsseldorf studiert
  • In Duisburg zeigen die beiden Künstler aus Düsseldorf auch zwei Gemeinschaftsarbeiten
  • Der Duisburger Kunstverein sucht Mieter mit Kunst-Bezug für freien Raum

Duisburg.. Der Schweizer Florian Fausch, geboren 1981 in Zürich, und der Kalifornier Ted Green, Jahrgang 1963, haben sozusagen nacheinander an der Kunstakademie Düsseldorf studiert, Ted Green noch bei Markus Lüpertz, Fausch schloss 2008 mit dem Akademiebrief ab. Seit 2014 arbeiten sei im Atelierhaus in Oberbilk, das wiederum Herbert Gorba, Vorsitzender des Kunstvereins Duisburg, geholfen hat aufzubauen, weil des den gleichen Eigentümer hat wie die Immobilie am Weidenweg. Die Kuratorin der Ausstellung „Viscous“ von Fausch und Green kommt wiederum aus Leipzig. Die Malerin Jannine Koch hatte 2015 eine Ausstellung beim Kunstverein.

Für ihre erste gemeinsame Ausstellung, die zudem noch abseits des kommerziellen Erfolgs gezeigt wird, haben die in Düsseldorf lebenden Künstler experimentiert und mit Konventionen gebrochen. Denn so unterschiedlich ihre jeweiligen Ausgangspunkte sind, so überzeugend finden ihre Arbeiten zusammen – nicht nebeneinander, sonder miteinander.

Bilder, die an Rohrschacht-Tests erinnern

Am beeindruckendsten sind zwei große Arbeiten. Für eine hat Fausch seine vielteilige Malerei auf Papier direkt auf die Wand über Eck gehängt, so dass Tiefe nicht nur optisch, sondern tatsächlich entsteht. Fausch experimentiert viel mit Farbe, mischt Pigmente selbst oder nutzt Chemikalien, die zu Abstoßungen führen. So entstehen auf dem strukturierten Papier spannende Farbflächen – in diesem Fall dominieren Türkis und Gold. Auf diese Flächen setzt er dann Liniengeflechte aus bernsteinfarbenem Schellack, auch sie schaffen Tiefe.

Vor diese „Wand“ hängt Ted Green eine zweiteilige Arbeit, ebenfalls auf Papier, auf das er zunächst Farben schichtet, dabei allerdings nicht in die Fläche geht, sondern eher fingerbreit aufträgt. Zusammengeklappt, schneidet er das Blatt in eine organische äußere Form, aber auch hinein. So entstehen symmetrische Bilder, die an Rohrschacht-Tests erinnern, aber auch üppig ornamental wirken können. Setzt Green sonst bei der Farbwahl ganz auf den Zufall, sind die „Blätter“ für die Gemeinschaftsarbeiten farblich abgestimmt. Eine zweite gemeinsame Arbeit basiert auf dem Grundton Rot.

Künstlergespräch am 11. September

Überlagerungen von Flächen, verschiedene Ebenen, Auslassungen, klare Linien, verschwimmende Farben, pflanzliche Formen – viel kommt zusammen, wird zum üppigen Seherlebnis. Der Betrachter „wird durch ein wahres Labyrinth an Farben und Formen“ geführt, schreibt Kuratorin Jannine Koch über die Ausstellung.

In den Einzelarbeiten erkennt man, dass Florian Fausch zunächst Architektur gemalt hat, jetzt aber zur flächigen, abstrakten Farbmalerei übergegangen ist. Ted Greens Arbeiten halten stets ein Stück Abstand von der Wand und beziehen damit als weiteren „Hingucker“ noch Schattenwirkungen ein.

Die Ausstellung wird eröffnet am Freitag, 19. August, um 19 Uhr. Eine Einführung gibt Kuratorin Jannine Koch. Geöffnet ist die Ausstellung am Weidenweg 10 in Kaßlerfeld freitags und samstags von 17 bis 20 Uhr, sonntags von 14 bis 18 Uhr. Ein Künstlergespräch gibt es im Rahmen des Mitbringfrühstücks (ab 10 Uhr) am Sonntag, 11. September, um 11 Uhr.

Freie Räume im Erdgeschoss

Weil die Räume im Erdgeschoss des Gebäudes am Weidenweg 10 frei geworden sind – die Speise-Firma Apetito ist ausgezogen – bieten sich dem Kunstverein neue Möglichkeiten. Wie Herbert Gorba sagt, habe der Eigentümer der Immobilie ihn damit betraut, nach Mietern Ausschau zu halten. Es geht um 305 Quadratmeter mit Sanitäranlagen, wegen einer rückwärtigen Rampe barrierefrei zu erreichen.

Gorba wünscht sich, dass die zukünftige Nutzung zur künstlerischen Ausrichtung des Hauses passt. Entstehen könnten beispielsweise Ateliers, Werkstätten oder Seminarräume. Auch könnten Räume für Stipendiaten hergerichtet werden, um eine Lücke für Künstler zu schließen „an der Schnittstelle zwischen Hochschule und Beruf“. Er hat verschiedene Ideen und ist auch im Gespräch mit Kulturdezernent Thomas Krützberg.

Der Kunstverein besteht seit 2007, das Haus verfügt über 24 Ateliers, zwei Ausstellungsräume und einen Hof. Er finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Ausstellungen werden gefördert vom Land, Bund, der Stadt, den Kunstakademien, der Sparkasse Duisburg und neuerdings durch die Sparda-Stiftung mit einer Jahresförderung.

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