Ehrenamtler bekommen nach Kritik Hausverbot im Duisburger Landesasyl

In der Glückauf-Halle in Duisburg Homberg, die zur Zeit als Landesasyl dient, hat Elisa Witzler nach ihrem Ehrenamtseinsatz jetzt Hausverbot.
In der Glückauf-Halle in Duisburg Homberg, die zur Zeit als Landesasyl dient, hat Elisa Witzler nach ihrem Ehrenamtseinsatz jetzt Hausverbot.
Foto: FUNKE Foto Services
Wochenlang war eine Ehrenamtlerin in der Glückauf-Halle, unterstützte die Flüchtlinge. Jetzt hat sie Hausverbot und erhebt Vorwürfe gegen das DRK.

Duisburg.. Als Ehrenamtlerin ist Elisa Witzler seit vielen Jahren im Duisburger Westen aktiv, hilft regelmäßig im Kleiderladen der Caritas mit. Darüber landete sie am 28. September das erste Mal in der Glückauf-Halle. Und hatte plötzlich zu ihrem Hauptberuf bei der Kassenärztlichen Vereinigung einen weiteren Vollzeitjob.

„Das war am Anfang super, das DRK Duisburg hat einen guten Job gemacht, alle waren total bemüht, nah an den Menschen“, lobt Elisa Witzler. „Dann übernahm das DRK Düsseldorf und die Situation kippte.“ Die Kommunikation mit den Ehrenamtlern sei von Anfang an schlecht gewesen, auch die Flüchtlinge seien nicht ausreichend informiert worden, beklagt die 32-Jährige. Jetzt hat die Bezirksregierung ihr und einer anderen Ehrenamtlerin Hausverbot erteilt.

Ehrenamtler drohten wegen Missständen mit der Presse

Thomas F. Jeschkowski, stellvertretender Leiter des DRK Düsseldorf, hat offenbar einen Bedarf erkannt. In Kürze werde ein Ehrenamtskoordinator in Duisburg eingesetzt: „Die Notwendigkeit des Schaffens von Strukturen für eine effektive ehrenamtliche Arbeit im Sinne der von uns betreuten Menschen, um die wir uns intensiv bemühen, ist allerdings nicht immer leicht vermittelbar.“

Witzler sieht das anders: Das DRK habe Missstände erst beseitigt, wenn sie damit drohte, die Presse einzuschalten. Als Witzler und andere beklagten, dass drei WCs und einige Pissoirs für hunderte Menschen nicht reichen, wurden Dixieklos geliefert. Dazu erklärt das DRK, dass das offensichtlich war, bauliche Maßnahmen eingeleitet seien und bis dahin zwölf Dixieklos zur Überbrückung dienen.

Traurig fand Elisa Witzler auch, dass „ein vierjähriges Kind in das leere Lehrschwimmbecken gestürzt ist“ und die anwesenden DRK-Mitarbeiter keine Untersuchung im Krankenhaus organisiert hätten. Von diesem Fall ist Thomas F. Jeschkowski nichts bekannt. Einen anderen Flüchtling, der seit Wochen Zahnschmerzen hatte, packte Witzler kurzentschlossen ins Auto und ließ ihn behandeln.

Erst nach Drohungen änderte sich etwas

Über eine Leiterin ärgert sich Witzler sehr. Sie soll über mehrere Wochen keine Hygieneartikel herausgegeben haben. Flüchtlingen habe sie gesagt, dass sie Windeln oder Binden vom Taschengeld kaufen müssten. Erst auf mehrfaches Intervenieren der Ehrenamtler und dem erneuten Androhen, die Presse einzuschalten, sei eine Lieferung gekommen.

„Die Frau wird doch dafür bezahlt, dass sie sich kümmert, wieso müssen wir das machen“, fragt sich die Duisburgerin. Diesen Fall bestätigt das DRK, in kommunalen Einrichtungen müssen Flüchtlinge für Hygieneartikel selbst sorgen, im Landesasyl werden sie gestellt. Diese unterschiedliche Handhabe hätte zu Missverständnissen geführt, bekennt Jeschkowski.

In der Glückauf-Halle sollen viele Flüchtlinge wochenlang unter dünnen Papierdecken geschlafen haben. Die frisch eingetroffene Lieferung Bettwäsche, die Ehrenamtler mit ausgeladen haben, sei nicht herausgegeben worden mit der Begründung, das lohne sich nicht, wenn die Flüchtlinge womöglich am nächsten Tag wieder weiterziehen, beschreibt Witzler. Als die Kirchengemeinde Fleecedecken organisierte, habe das DRK gedroht, die Decken nach der Benutzung auf Kosten von Elisa Witzler „zu entsorgen“. Flüchtlinge in Duisburg

In der Tat gab es Verwirrung, weil Flüchtlinge verlegt werden sollten, ihre Betten abgezogen wurden und die Flüchtlinge später doch wieder in Homberg ankamen, berichtet Jeschkowski. Bei den Papierdecken handele es sich um wintertaugliche Einmalbettwäsche. Und die Fleecedecken hätten die Flüchtlinge später mitgenommen. Dass es Drohungen gab, entbehre jeglicher Grundlage.

Ein Spielzimmer durfte angeblich wochenlang nicht benutzt werden. Als die Redaktion sich draußen vor der Halle umsah, spielten vier Kinder in einem umzäunten Bereich mit einem Dreirad und einem Luftballon. Dazu erklärt Jeschkowski, dass eine Spielecke seit einem Monat im Betrieb sei und aktuell von 18 Kindern genutzt werde.

Die Bezirksregierung bestätigte, dass aktuell zwei Ehrenamtler in Duisburg Hausverbot haben. Weiter heißt es aus Düsseldorf, dass allein Beschäftigte des DRK, Mitarbeiter der Stadt oder der Bezirksregierung sowie des Sicherheitsdienstes die Halle ohne ausdrückliche Zustimmung betreten dürfen. "Die Möglichkeit, dass sich jemand als ehrenamtlicher Helfer bezeichnet, rechtfertigt nicht automatisch ein wie auch immer geartetes Betretungsrecht", erklärte ein Sprecher der Bezirksregierung auf Nachfrage. Wem Zugang zur Halle gewährt werde, entscheide der betreuende Verband, im Fall der Glückauf-Halle das DRK Düsseldorf, in eigener Verantwortung.

Elisa Witzler engagiert sich jetzt privat weiter für Flüchtlinge.

Ein Zeichen von Überforderung - Kommentar von Annette Kalscheur

In diesen Wochen stehen alle unter einem ungeheuren Druck: Die Stadt, die Organisationen, Kirchen, Vereine, Ehrenamtliche. Und nicht zuletzt die Flüchtlinge, die mit nichts am Leib, aber großem seelischen Gepäck in Duisburg ankommen.

Die Ankommenden haben eine menschenwürdige Behandlung verdient, das ist ohne das ehrenamtliche Engagement überhaupt nicht zu leisten. Wenn ausgerechnet sie, die mittendrin sind und die Kontakte zu den Flüchtlingen pflegen, eine lange Liste von Vorwürfen zusammentragen und dann mit Hausverbot belegt werden, ist das ein Alarmsignal. Es ist ein Zeichen von Überforderung. Es ist ein Zeichen, dass noch mehr Hilfe nötig ist, und dass mehr Hilfe besser koordiniert und kommuniziert werden muss.

DRK, Bezirksregierung und die vielen anderen Institutionen leisten in diesen Tagen sicher Übermenschliches, menschlich wäre es aber auch, Fehler einzugestehen, Ratschlägen nachzugehen und Missstände auszubessern. Und das nicht erst nach der Androhung, die Medien einzuschalten. Der geplante Ehrenamtskoordinator ist ein wichtiger Schritt.

 
 

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