DVG will Straßenbahn-Netz in Duisburg womöglich ausbauen

Gibt es demnächst auch einen Gleisanschluss für den Westen?
Gibt es demnächst auch einen Gleisanschluss für den Westen?
Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Bisher sind im Westen Duisburgs nur Busse unterwegs. Das könnte sich ändern: Die Duisburger Verkehrsgesellschaft denkt offenbar darüber nach, das Schienennetz auszubauen - und auch Straßenbahnen über die Rheinbrücken fahren zu lassen. Vorerst sind dies Zukunftsszenarien. Aber der Bedarf besteht.

Duisburg.. Straßenbahnen verkehren bislang nur im rechtsrheinischen Stadtgebiet. Der öffentliche Nahverkehr im Duisburger Westen beschränkt sich auf Buslinien. Das könnte sich in ferner Zukunft ändern. Bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) gibt es nach NRZ-Informationen neue Überlegungen, das Schienennetz auszubauen und die Straßenbahnen auch über die Rheinbrücken fahren zu lassen.

Den Bedarf hat ein Gutachter bereits analysiert. Ergebnis: Der Brückenschlag per Gleis über den Rhein sei durch die bestehende Nachfrage gerechtfertigt, die Busse fahren bereits heute im dichten Takt über die Rheinbrücken nach Rheinhausen und Homberg. Und die Fahrgastzahlen sollen in Zukunft steigen.

Szenarien für die Zukunft

Zwar handelt es sich beim Ausbau des Schienennetzes um Szenarien für die Zukunft, die erst näher geprüft und sich frühestens ab dem nächsten Jahrzehnt realisieren lassen.

Die Rheinquerung per Schiene ist nur eine von verschiedenen Varianten, auch die Anbindung der Uni oder des Innenhafens sind im Gespräch. Dennoch sind es konkrete Denkmodelle für die Zukunft, wie sich der Nahverkehr in den kommenden Jahrzehnten weiterentwickeln könnte.

Grundlage sind Gutachten der Ingenieurgruppe IVV aus Aachen, deren Ergebnisse in einem internen Strategiepapier mündeten. Der Aufsichtsrat der DVG hat bereits beschlossen, dass die Verkehrsgesellschaft auf Grundlage dieses Konzepts weiter planen soll. Jetzt soll zunächst geprüft werden, ob ein Ausbau auch wirtschaftlich vertretbar wäre, heißt es aus Kreisen des Aufsichtsrats.

DVG hält sich bedeckt

Die DVG selbst will sich nicht zu den Details äußern. Es handele sich um interne Konzepte, sagt Sprecherin Anamaria Preuss: „Wir sind dazu in Gesprächen mit der Stadt. Das gemeinsame Ziel ist die Fortschreibung des Nahverkehrsplans.“

In diesem Plan muss die Stadt als Aufgabenträger des ÖPNV die Grundlage für die künftige Ausgestaltung und die strategische Anpassung an den Bedarf festlegen, eigentlich soll er alle fünf Jahre erneuert werden. Der bestehende Nahverkehrsplan für Duisburg ist bereits 20 Jahre alt und wurde seitdem nicht mehr aktualisiert. Das Strategiepapier soll als Basis für die Neuauflage dienen.

"Integration der Stadtteile in ein effizientes Netz aus Hauptlinien"

Von den strategischen Zielen der Stadt sind die Szenarien nicht weit entfernt. Im Gegenteil. Bereits in dem Zielpapier für „Duisburg 2027“ ist die „Integration der Stadtteile in ein effizientes Netz aus Hauptlinien“ verankert, die Prüfung des „Sprungs über den Rhein“ zur Stadtbahn-Anbindung der linksrheinischen Stadtbezirke ist konkret als Beispiel genannt. Und erklärtes Ziel ist auch: Der ÖPNV soll an Bedeutung gewinnen, die Zahl der Fahrgäste wachsen. Denn bisher legen die Duisburger mehr als die Hälfte ihrer Wege mit dem Auto zurück, gerade einmal elf Prozent nutzen Busse und Bahnen.

Damit es mehr werden, scheint der Ausbau unausweichlich. Bereits heute stoßen Linien an ihre Kapazitätsgrenzen, rund die Hälfte aller Fahrgäste befördert die DVG mit den Bahnen U79, 901 und 903. Gerade letztere ist zeitweise so überfüllt, dass Fahrgäste nicht mehr zusteigen können.

Kurios: Wenn auf der Mittelspur der Brücke der Solidarität Gleise verlegt würden, dann könnte dieser Ausbau des Schienennetzes für die Stadt und die DVG womöglich finanziell einfacher zu stemmen sein als die kostenintensive Instandhaltung ihrer Stadtbahnen. Grund dafür sind die Förderrichtlinien, wie die aktuelle Debatte um die Zukunft der U79 zeigt: Während Neuinvestitionen in die Infrastruktur des Nahverkehrs mit bis zu 90 Prozent gefördert werden, soll es für die dringend benötigte, neue Zugsicherungstechnik kein Geld aus dem Fördertopf geben.

 
 

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