Duisburgs Stadtdirektor Peter Greulich ist auf dem Absprung

Von Ingo Blazejewski
„Ich bin gerne Stadtdirektor. Es gibt aber auch andere reizvolle Aufgaben und ich kann mir unter gewissen Umständen eine andere Tätigkeit vorstellen“, sagt Dr. Peter Greulich.
„Ich bin gerne Stadtdirektor. Es gibt aber auch andere reizvolle Aufgaben und ich kann mir unter gewissen Umständen eine andere Tätigkeit vorstellen“, sagt Dr. Peter Greulich.
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Peter Greulich liebäugelt mit einem Wechsel in den Vorstand der Wirtschaftsbetriebe. Anlass für derartige Wechselabsichten ist offenbar auch die OB-Neuwahl. Denn Dezernenten sind als Wahlbeamte immer von politischen Mehrheiten abhängig.

Duisburg. Stadtdirektor Peter Greulich ist derzeit der höchstrangige Beamte in der Duisburger Stadtverwaltung. Seit der OB-Abwahl und bis zur Neuwahl ist er der alleinige Chef im Rathaus. Doch seine berufliche Zukunft sieht er an anderer Stelle. Greulich hat andere Aufgaben für sich im Blick, er liebäugelt mit einem Vorstandsposten bei den Duisburger Wirtschaftsbetrieben.

Es hat auf verschiedenen Ebenen bereits diverse Gespräche gegeben, die Personalie wird derzeit vor allem in der Politik heiß diskutiert, öffentlich äußern will sich aber niemand der Beteiligten. Auf NRZ-Nachfrage bestätigt Greulich seine Wechselabsichten. „Ich bin gerne Stadtdirektor. Es gibt aber auch andere reizvolle Aufgaben und ich kann mir unter gewissen Umständen eine andere Tätigkeit vorstellen, wenn sie von allen Beteiligten gewollt wird. Die Entscheidung hängt jedoch nicht von mir ab“.

Anlass für derartige Wechselabsichten ist offenbar auch die OB-Neuwahl. Dezernenten sind als Wahlbeamte immer von politischen Mehrheiten abhängig, die bekanntlich alle fünf Jahre wechseln können. Sie werden für acht Jahre gewählt, die Amtszeit von Greulich läuft allerdings noch bis 2016. „Wenn jemand eine neue Regierungsmannschaft zusammenstellen will und mich nicht für die Idealbesetzung hält, wäre ich unter gewissen Bedingungen bereit, meinen Sitz freizumachen. Ich will da nicht das Sand im Getriebe sein“, sagte Greulich der NRZ, betont aber, dass er von niemanden unter Druck gesetzt worden sei. Die Wirtschaftsbetriebe interessieren ihn, gibt er zu. Für eine Aufgabe, die seinen Vorstellungen und Neigungen entspreche, würde er sich nach zwölf Jahren als Beigeordneter aus der ersten Linie im Rathaus zurückziehen.

Greulichs Wechselofferte wird für viele eine handfeste Überraschung sein. Wer den Stadtdirektor bei öffentlichen Auftritten erlebt, hat das Gefühl, er aalt sich geradezu in der zeitlich begrenzten Allmacht und Aufgabenvielfalt. Zeitweise war er als „Hauptverwaltungsbeamter“ nicht nur Chef der Verwaltung mit 4700 Mitarbeitern, sondern führte neben seinem Dezernat für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz auch noch das wichtige Stadtplanungsdezernat. Während die ehrenamtlichen Bürgermeister bei Ehrungen und Geburtstagen Hände schütteln, lenkt Greulich die wegweisenden Entwicklungen, spricht bei den wichtigen Pressekonferenzen und steht als Gesicht der Stadt vor den Fernsehkameras. Bei seinen Auftritten agiert er stets smart und freundlich, nach außen suggeriert er damit stets alles im Griff zu haben. Kurz gesagt: Er macht seinen Job ganz gut.

Außen smart, innen hart

Doch wer sich auf den Rathausfluren umhört, dem schlagen nicht nur lobende Worte für den Stadtdirektor entgegen. In den Wochen, in denen die Dezernate jede Ausgabe unter die Lupe nehmen mussten, um die 82 Millionen Euro für die Sparvorschläge zusammenzukratzen, weilte Greulich drei Wochen im Urlaub. Und auch, dass er nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten sechs Tage benötigte, um von seinem Spanienurlaub nach Duisburg zurückzukehren, haben ihm einige Mitarbeiter bis heute nicht verziehen. Zudem finden sich in seinem eigenen Dezernat Beispiele für ruppige Personalentscheidungen. Tenor: Wer dazwischenfunkt, wird wegbeordert, andere streichen von sich aus die Segel.

Greulichs Gedankenspiele werden aber vor allem die Politik in Wallung bringen. Denn der Abgang des Stadtdirektors hätte weitreichende Folgen und würde das Dezernenten-Karussell gehörig in Bewegung versetzen. Wer wird sein Nachfolger? Wer übernimmt das Umweltdezernat? Wer hat das Vorschlagsrecht? Und vor allem: Wer steht künftig an der Seite des neuen Oberbürgermeisters? Denn wer von den 13 Bewerbern auch immer gewählt wird: Erfahrung bei der Führung einer solchen Behörde bringt keiner der Kandidaten mit. Und wenn die Führungsriege den neuen OB im Regen stehen lässt, steht der mit herunter gelassenen Hose da.

Die Diskussion, dass bei den Wirtschaftsbetrieben ein Vize-Vorstandsposten geschaffen werden müsste, verkommt dabei eher zum Randthema. Neu ist sie aber ohnehin nicht. Bereits vor anderthalb Jahren hatte der Verwaltungsausschuss darüber beraten. Die Aufgaben der Stadttochter mit 1400 Mitarbeitern sind vielfältig, zumal sind die Wirtschaftsbetriebe - wie es auch heute bei anderen Stadttöchtern üblich ist - auch früher von zwei Vorständen geführt worden.

Frage der politischen Mehrheiten

Neuanfang nach der LoveparadeDie Kompetenz für den Job wird man Greulich schwerlich absprechen können. Für ihn wäre der Vorstandsposten finanziell lukrativer: Während ein Stadtdirektor mit der maximalen Besoldungsgruppe B9 bei rund 115.000 Euro Jahreseinkommen landet, erreicht der derzeitige Alleinvorstand Thomas Patermann 171.000 Euro.

Für einen Wechsel fehlen nur noch die politischen Mehrheiten: Während die SPD nach NRZ-Informationen nicht abgeneigt ist, weil sie fest damit rechnet, dass ihr Kandidat Sören Link neuer OB wird und sie ihm dann am liebsten noch einen Vertrauten an die Seite stellen würde, sind die Grünen bei der Zukunft „ihres“ Stadtdirektors eher gespalten. Äußern will sich in der Frage niemand.

Parteisprecher Matthias Schneider belässt es bei einem einzigen Satz: „Vor dem Licht der anstehenden Haushaltssanierung können wir keine neue Stelle schaffen“.